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Renten am Morgen: Nächster Test des Risikoappetits steht bevor

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Nächster Test des Risikoappetits steht bevor

(Bloomberg) -- Obwohl die Renditen der Staatsanleihen aus dem Euroraum mit Ausnahme der italienischen Papiere überwiegend wenig verändert aus dem Dienstagshandel gegangen sind, ist der Tag dennoch ereignisreich gewesen. Das lag vor allem an den Platzierungen von neuen Staatsanleihen.

Trotz der politischen Risiken in Spanien gab es eine starke Nachfrage von mehr als 53 Milliarden Euro für die neue spanische 10-jährige Benchmark. Angesichts dieser Nachfrage ist die Platzierung der beiden Tranchen von Zypern nahezu untergegangen, obwohl beide Bonds ebenfalls reißenden Absatz fanden. Das Orderbuch für das 10-jährige Papier betrug mehr als 7,5 Milliarden Euro, das für das 20-jährige Papier mehr als 6 Milliarden Euro. Unter die Anleger wurden letztlich 1 Milliarde bzw 750 Millionen Euro gebracht.

Die italienischen Staatsanleihen konnten mit der Performance der übrigen Papiere aus anderen Euroländern nicht mithalten. Zum einen dürften dafür einmal mehr die Sorgen der Investoren verantwortlich sein, es könne wieder ein Regierungskrise in Rom geben.

Die drei Regierungsparteien scheinen sich immer noch nicht auf ein endgültiges Vorgehen hinsichtlich der Vergabe und dem Entzug von Lizenzen zum Betrieb von Fernstraßen geeinigt zu haben. Als bekannt wurde, dass Italien ein Konsortium mit der Platzierung einer 30-jährigen Anleihe beauftragte, kamen die Bondkurse zusätzlich unter Druck.

In den kommenden Stunden wird sich zeigen, was das erste Handelsabkommen zwischen China und den USA tatsächlich wert, denn der offizielle Text der Vereinbarung liegt bisher nicht vor. Allerdings deuten die Informationen, die in den frühen Morgenstunden bekanntgeworden sind, nicht auf den ganz großen Wurf hin. Es sieht eher nach dem Beibehalten des Status quo aus, denn die vorhandenen US-Importzölle auf Warenimporte aus China könnten bis nach den Präsidentschaftswahlen im November in Kraft bleiben.

Ob das ausreichen wird, um nicht nur die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten zu verbessern, sondern sich in den kommenden Monaten auch in harten Daten ablesen lassen wird, bleibt somit offen. Das Positive an einer Vereinbarung ist auf jedem Fall die Vermeidung einer weiteren Eskalation der Handelsstreitigkeiten zwischen beiden Nationen. Damit ist der Handelskonflikt jedoch nicht vom Tisch, da in den kommenden Monaten über das nächste Abkommen verhandelt wird.

Die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern dürften mit sinkenden Renditen in den Mittwoch starten. Dafür sprechen die Renditerückgänge der US-Treasuries in den späten Dienstagabend hinein, die im asiatischen Handel ihre Fortsetzung fanden. Zudem notierten die Aktienmärkte in Asien sowie die US-Aktienmarkt-Futures schwächer.

Im Verlauf des Vormittages wird der Fokus vor allem auf der Aufnahme der zahlreichen Emissionen von Ländern des Euroraums liegen. So dürfte die Aufstockung der aktuellen 30-jährigen Bund durch die Finanzagentur des Bundes auf der deutschen Kurve zumindest bis zur Platzierung lasten. Der belgischen und die italienischen Kurve droht ebenfalls eine Underperformance gegenüber ihren Peers aufgrund möglicher Emissionen via Syndikat.

Konjunkturdaten

Die endgültigen Konsumentenpreisdaten für den Dezember aus Frankreich und Spanien sind am Mittwochvormittag eher Beiwerk. Damit sie Beachtung finden, müssten sie schon sehr stark von den Schnellschätzungen abweichen, was jedoch erfahrungsgemäß wenig wahrscheinlich ist. Impulse für die Rentenmärkte wird es nicht geben.

Die Bekanntgabe des deutschen Bruttoinlandsprodukt für das Jahr 2019 könnte die Renditeentwicklung dagegen beeinflussen. Dazu müsste es jedoch noch etwas schwächer ausfallen als die erwarteten 0,6% Wachstum.

Auch Daten zur Industrieproduktion sowie zur Handelsbilanz im Euroraum im November werden veröffentlicht. Nach den überwiegend die Schätzungen übertreffenden Daten aus einzelnen Ländern des Euroraum könnte die Industrieproduktion für den gesamten Euroraum ebenfalls etwas besser ausfallen, als es erwartet wird.

In den USA werden die Erzeugerpreisdaten bekanntgegeben. Im Gegensatz zu den Endstufen ist die Preisdynamik auf den Vorstufen zumindest im Jahresvergleich gering.

Das soll sich gemäß der Prognosen der von Bloomberg befragten Volkswirte im Dezember nicht geändert haben, wobei sowohl die Kern- als auch die Gesamtrate eine leichte Beschleunigung erfahren sollen. Handlungsbedarf für die Geldpolitik lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Reaktionen der Investoren auf die Daten sind nicht zu erwarten, denn die Konsumentenpreise, die Dienstag veröffentlicht wurden, wiesen im Dezember Preissteigerungen von leicht über 2% im Vorjahresvergleich auf. Handlungsbedarf für die US-Notenbanker besteht nicht.

Am Abend wird das Beige Book veröffentlicht. Im Mittelpunkt des Berichtes aus den Fed-Distrikten werden Informationen über den Zustand des privaten Verbrauchs stehen. Er ist schließlich die Stütze des Aufschwungs. Sofern Zeichen von Schwäche gemeldet werden sollten, dürften die Sorgen über die künftigen Entwicklung der Wirtschaft zunehmen, was tendenziell zu sinkenden Treasury-Renditen führen dürfteAußerdem sind Aussagen zu den Auswirkungen des Handelskonflikts sowie der Investitionsneigung der Unternehmen von Bedeutung. Das verarbeitende Gewerbe ist nach wie vor die Achillesverse der US-Wirtschaft, was beispielsweise auch dem US-Arbeitsmarktbericht zu entnehmen war.

Nachdem sich Esther George gestern mit dem aktuellen geldpolitischen Kurs weitestgehend zufrieden gezeigt hatte, werden sich heute Mary Daly, Patrick Harker und Robert Kaplan (die letzten beiden stimmberechtigt) äußern. Der Erkenntnisgewinn dürfte sich in engen Grenzen halten. Sofern sie sich zu Wirtschaft und Geldpolitik äußern, dürften sie - wie andere Fed-Vertreter vor ihnen - zufrieden mit den wirtschaftlichen Perspektiven sowie ihrer Geldpolitik sein.

Primärmarkt

Am Mittwoch wird die Emissionsflut von Staaten aus dem Euroraum kaum nachlassen. Die Finanzagentur des Bundes wird die aktuelle 30-jährige Bund um 1,5 Milliarden Euro aufstocken. Bei der ersten Emission einer Bundesanleihe wurde ein technische Unterdeckung verzeichnet.

Ein ähnliches Schicksal könnte bei der Aufstockung drohen. Bei vier der letzten fünf Auktionen musste die Finanzagentur bei der Platzierung des 30-jährigen Papiers technische Unterdeckungen hinnehmen. Lediglich im Oktober reichte die Nachfrage gerade so aus, um die technische Unterdeckung zu vermeiden. Die höhere Rendite könnte zu einer besseren Nachfragesituation beitragen. In jeden Fall dürfte die Nachfrage nach dem Bond relativ schwach ausfallen.

Da Belgien am Dienstag ein Syndikat mit der Platzierung einer neuen 10-jährigen Benchmark beauftragt hat, dürfte es im Lauf des Tages zur Emission kommen. Zur Orientierung: Zu Beginn des vergangenen Jahres warb das belgische Schatzamt mit der bis 22. Juni 2029 laufenden Anleihe 6 Milliarden Euro bei MS+8 ein. Die Nachfrage nach dem Bond überschritt 28,5 Milliarden Euro.

Italien mandatierte ebenfalls am Dienstag ein Konsortium für die Platzierung einer Anleihe. Man entschied sich für eine Laufzeit von 30 Jahren bis zum 1. September 2050. Zu Beginn des letzten Jahres ging Italien mit einer 15-jährigen Laufzeit noch etwas konservativer vor. Damals schwoll das Orderbuch auf über 35,5 Milliarden Euro an, so dass das Land problemlos 10 Milliarden Euro platzieren konnte. Die hervorragende Aufnahme der neuen 10-jährigen spanischen Benchmark am Dienstag machte zwar deutlich, dass Investoren über politische Risiken hinweg sehen können.

Doch angesichts der immer wieder auftretenden Querelen um die italienische Regierung könnten die Investoren bei Italien zurückhaltenden agieren. Die Ergebnisse der Regionalwahlen in Emilia Romagna und Kalabrien Ende Januar könnten dazu beitragen, dass es erneut unruhiger in Rom wird, insbesondere wenn die Regierungsparteien unter Druck geraten und die Lega als Wahlsieger vom Platz geht. Allerdings dürfte gerade die lange Laufzeit für Investoren mit hohen Durationen aus der Passivseite interessant sein. Letztlich bietet das Land weiterhin auch die höchste Carry.

Am Geldmarkt wird sich Portugal mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten zeigen. Zusammen sollen die beiden Schätze bis zu 1,75 Milliarden Euro einbringen. Dem stehen Fälligkeiten von 3 Milliarden Euro am Freitag gegenüber. Der Absorption der neuen Geldmarktpapiere steht also nichts entgegen.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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