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Renten am Morgen: Wer macht das Rennen in der ersten Debatte?

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Trotz der ausgezeichneten Stimmung an den Finanzmärkten am Montag haben sich die Bondanleger kaum beeindrucken lassen. Zwischenzeitliche, ganz leichte Kursrückgänge von Bonds aus den Kernländern wurden bis zum Handelschluss nahezu aufgeholt. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen scheint sich unter der Marke von -0,5% festsetzen zu können.

Weder die Emissionspläne des Bundes für das vierte Quartal noch die ebenfalls am Montag vorgestellten Haushaltspläne der französischen Regierung für das kommende Jahr hatten Einfluss auf die Renditen von deutschen oder französischen Staatsanleihen.

Leicht stützend für die Kursnotierungen dürften die Aussagen der Präsidentin der Europäischen Zentralbank vor dem Europäischen Parlament gewirkt haben. Sie machte deutlich, dass die Notenbanker geldpolitisch nachlegen werden, sollten es die ökonomischen Perspektiven erfordern. Ansonsten orientierte Christine Lagarde sich sehr stark an dem, was sie bereits nach der Tagung des EZB-Rats sagte. Konkrete Aussagen zu einer weiteren Runde von Stimumilierungsmaßnahmen machte sie darüberhinaus nicht.

Eine ähnliche Bewegung wie bei den Kernlandbonds ließ sich bei den Treasury-Renditen beobachten. Die Rendite der 10-jährigen T-Notes zog am Montag um bis zu zwei Basispunkte an. Letztlich gingen die Renditen dann kaum geändert aus dem Handel.

Die Bonds der iberischen Halbinsel verzeichneten eine leichte Outperformance gegen die Kernländer, so dass sich die Spreads zu Bundesanleihen am langen Ende um bis zu einen Basispunkt einengten. Rendite-pick-up bleibt gesucht.

Die Finanzmärkte werden sehr stark auf eine Ereignis schauen, das zwischen 3 und 4.30 Uhr europäischer Zeit am frühen Mittwochmorgen stattfindet: Der ersten von drei Fernsehdebatten zwischen Donald Trump und Joe Biden. Bei den Umfragen sehen die Meinungsforscher derzeit ja Joe Biden in Front. Daher wird es bei der Fernsehdebatte vor allem darum gehen, ob der amtierende US-Präsident nach der Debatte bei den Umfragen aufholen kann.

Aufgrund der aktuell größeren potenziellen Ausgabenfreude der Demokraten sowie dem sich abzeichnenden Eintreten für Steuererhöhungen dürften die Finanzmärkte auf ein gutes Abschneiden von Joe Biden bei der Debatte etwas verschnupft reagieren. Treasuries könnten dann im frühen asiatischen Handel ein paar Kursverluste zeigen.

Bislang sind die Bondanleger trotz verbesserter Stimmung an den Finanzmärkten, die im frühen asiatischen Handel anhielt, entspannt. Die Kurse der Treasuries notierten heute morgen nur wenig geändert.

Die Bondanleger scheinen die wirtschaftlichen Perspektiven etwas zurückhaltender zu beurteilen als die Anleger in deutlich riskanteren Anlegen. Dazu passt die jüngste Reduzierung der Inflationserwartungen gemessen mit den 5 Jahre, 5 Jahre Inflations Forward Swaps - sowohl für die USA als auch den Euroraum.

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Nichtsdestotrotz dürften die Kurse der Staatsanleihen aus den Kernländern mit ganz leichten Abschlägen in den Dienstag starten. Die Peripherie dürfte tendenziell gesucht bleiben, wobei die italienischen Bonds gegen ihre iberischen Peers bis zum Abschluss der Platzierungen etwas Boden verlieren sollten.

Konjunkturdaten

Die ersten Schnellschätzungen für die Entwicklung der Konsumentenpreise in Spanien und Deutschland im September stehen auf der Agenda. In Deutschland spielt die Senkung der Umsatzsteuer erneut eine Rolle. Allerdings sollte das wenig an der nicht vorhandenen Preisdynamik ändern.

Sofern die Notenbanker weitere Argumente für eine Ausweitung der geldpolitischen Maßnahmen suchen, werden sie bei der Preisentwicklung fündig. Der Zielwert ist zurzeit außer Reichweite. Einfluss auf die Bondrenditen werden selbst noch schwächere als prognostizierte Preisanstiege nicht haben.

Wahrscheinlich dürften sich die Engpässen am Immobilienmarkt bei der Preisentwicklung im Juli noch nicht niedergeschlagen haben, da die Verkaufszahlen an Bestands- und neuen Immobilien erst zwei Monate zuvor ihren Tiefpunkt in der aktuellen Wirtschaftskrise in den USA erreichten. Die Knappheit wird jedoch nicht ohne Folgen bleiben. Preise dürften weiter anziehen. Die Investoren werden den Daten jedoch kaum Beachtung schenken.

Einzig die Konsumentenvertrauensdaten des Conference Boards sollten Bewegung bei den Treasuries auslösen können. Bisher hatten sich die Verbraucher von dem Wegfall von staatlichen Unterstützungsmaßnahme die Laune nicht verderben lassen.

Das Konsumentenvertrauen soll im September wieder zugelegt haben, nach einem Rückgang im Vormonat. Die Stimmung bleibt der Verbraucher bleibt jedoch selbst bei der erwarteten Erholung hinter den Werten zurück, die zu Beginn des Jahres 2020 vorzufinden waren. Das deutet durchaus daraufhin, dass der private Verbrauch weitere staatliche Unterstützung benötigt. Die Stimmungsdaten könnten auch dann dazu beitragen, dass die Treasury-Kurse gut gestützt bleiben, wenn sie im Rahmen der Schätzungen ausfallen.

Mit den Auftritten der US-Notenbanker, Richard Clarida, Patrick Harker, John Williams und Randal Quarles (alle stimmberechtigt), dürfte es erneut Appelle an die Politik geben, die Geldpolitik durch zusätzliche fiskalpolitische Maßnahmen zu unterstützen.

Demokraten und Republikaner wollen ihre Gespräche zu einem Fiskalpaket am heutigen Dienstag zwar fortsetzen. Die Positionen liegen jedoch weit auseinander. Die Demokraten des Repräsentantenhauses veröffentlichten jüngst einen neuen Vorschlag für ein Fiskalpaket in Höhe von 2,2 Billionen Dolar. Das ist innerhalb der Republikaner kaum konsensfähig. Eine Einigung vor der Präsidentschaftswahl bleibt unwahrscheinlich. Das Fehlen eines zusätzlichen fiskalischen Impulses wird die Kurse der Treasuries weiterhin stützen.

Primärmarkt

Am Dienstag werden Finnland und Italien mit geplanten Emissionen am Kapitalmarkt auftreten.

Das finnische Schatzamt wird die bis April 2036 laufende Anleihe um bis zu 1 Milliarde Euro aufstocken. Trotz eines höheren Finanzbedarfs haben Auftritte des Landes am Kapitalmarkt nach wie vor Seltenheitswert, so dass die Emission ohne Schwierigkeiten aufgenommen werden dürfte. Zugeständnisse im Vorfeld der Platzierung werden kaum notwendig sein.

Das italienische Treasury wird die aktuelle 5-jährige Anleihe sowie einen, noch vier Jahre laufenden Floater aufstocken. Zusätzlich wird eine neue 10-jährigen BTP mit Laufzeit 1. April 2031 angeboten. Mit den Bonds sollen zusammen bis 8,25 Milliarden Euro erzielt werden. Mit bis zu 4,5 Milliarden Euro entfällt mehr als die Hälfte des geplanten Emissionsvolumens auf die neue 10-jährige.

Ganz ohne Zugeständnisse dürften sich die Kuponbonds jedoch nicht platzieren lassen, so dass bis zum Abschluss der Platzierungen eine Underperformance der BTPs gegenüber ihren Peers wahrscheinlich ist.

Etwas Unterstützung dürften alle Kapitalmarkttransaktionen in der laufenden Woche durch die Fälligkeit einer belgischen Staatsanleihe am Montag erhalten, die 18 Milliarden Euro umfasste. Das Angebot an neuen Staatsanleihen wird das Volumen der Fälligkeit im Laufe der Woche deutlich überschreiten. Das Nettoangebot dürfte in dieser Woche also positiv bleiben.

Das Treasury wird lediglich Cash Management Bills anbieten.

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