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Renten am Morgen: Mögliche Aufbaufonds-Verschiebung ohne Wirkung

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Bis weit in den Nachmittag hin haben sich die Kurse der Staatsanleihen und der Treasuries am Mittwoch kaum bewegt. Selbst die überraschend positiv ausgefallen Wirtschaftsdaten aus den USA konnten die Notierungen nicht aus ihrer Lethargie wecken.

Erst mit der deutlichen Zunahme der Risikofreude zum Handelsstart in den USA kamen die Anleihenotierungen unter ganz leichten Abgabedruck, was am langen Ende zu Renditeanstiegen um bis zu drei Basispunkten führte.

Die Reaktionen auf die Aussagen aus Deutschland, wonach der Starttermin für den Aufbaufonds am 1. Januar 2021 wahrscheinlich nicht mehr erreichbar sei, beeindruckte die Anleger hingegen wenig. Unmittelbare Reaktionen auf diese Nachricht, die sich in den Anleihekursen niederschlugen, gab es nicht.

Hätte die Nachricht tatsächlich für Verunsicherung gesorgt, hätten die Kurse der Staatsanleihen aus der Peripherie, insbesondere die italienischen, stärker nachgeben müssen. Auch bei den Staatspapieren aus den Semi-Kernländern hätte mehr Abgabedruck aufkommen müssen. Diese Ländergruppen profitieren schließlich am stärksten von dem Zugang zum Aufbaufonds.

Die ausgebliebenen Reaktionen legen den Schluss nahe, dass die Anleger weiterhin von der Einführung dieses Instruments ausgehen und eine zeitliche Verzögerung keine starken Auswirkungen auf die einzelnen Länder haben dürfte. Auf der heute Nachmittag beginnenden Tagung des Europäischen Rats besteht zudem die Möglichkeit, weitere Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.

Die Verknüpfung der Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien mit der Auszahlung von Mitteln durch die Europäische Union ist jedoch kein kleiner Stolperstein. Entsprechend ist zurzeit kaum abzusehen, wann die Verhandlungen abgeschlossen sind, so dass der EU-Haushalt von EU- und Länderparlamenten ratifiziert werden kann.

Lange Verzögerungen dürften an den Kapitalmärkten letztlich nicht gut ankommen, so dass durchaus mit mehr Rendite- und Spreadvolatilität bei Peripherie und Semi-Kern gerechnet werden muss. Immerhin steht jedoch die Europäische Zentralbank bereit, um genau solchen Entwicklungen entgegen zu wirken.

Am Donnerstagmorgen dominiert die Hoffnung auf ein weiteres US-Konjunkturpaket die Finanzmärkte. In der jüngsten Verhandlungsrunde stellte gemäß informierter Kreise der US-Finanzminister der Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus ein im Volumen und Struktur deutlich verbessertes Paket vor.

Das Paket soll einen Umfang von 1,62 Billionen Dollar aufweisen. Die geplanten Abstimmung über das Demokraten-eigene Konjunkturprogramm im Repräsentantenhaus wurde auf Donnerstag verschoben, um weitere Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Zu viel Hoffnung auf eine Einigung sollten sich die Finanzmärkte vor der Wahl jedoch nicht machen, so dass eine Enttäuschung weiterhin wahrscheinlich ist.

Die gute Stimmung an den Finanzmärkten bestand im frühen asiatischen Handel fort, was insbesondere an der Bewegung der US-Aktienfutures abzulesen war. Die Renditen der Treasuries zogen ebenfalls im Vergleich zum US-Schluss erneut an, so dass sich die Rendite der 10-jährigen T-Notes um die 0,7% bewegt.

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Die Kurse der Staatspapiere aus dem Kernländern dürften mit leichten Verlusten in den Handelstag gehen. Auf der französischen und spanischen Kurve dürfte der Abgabedruck etwas stärker ausfallen als bei ihren Peers. Die Emissionen dürften belasten.

Konjunkturdaten

Im Verlauf des Vormittags werden die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe für weitere Länder des Euroraums veröffentlicht. Die Schnellschätzungen für Deutschland, Frankreich und den Euroraum signalisierten, dass es im September in der Industrie weiter aufwärts ging. Das sollten die noch fehlenden Daten aus anderen Euroländern bestätigen. Schließlich ist das verarbeitende Gewerbe bisher noch nicht so stark von den zusätzlichen Einschränkungen im öffentlichen Leben betroffenen wie der Dienstleistungsbereich.

Sollte es nicht in einem der Länder - insbesondere Italien/Spanien - zu einem starken Rückgang des Indikators gekommen sein, werden die Bondrenditen kaum, und wenn nur sehr kurzzeitig, reagieren.

in den USA werden wieder einmal die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten analysiert. Nach der überraschenden Schwäche in der Vorwoche sollen sich sowohl die Zahl der Erstanträge als auch registrierter Arbeitsloser wieder verringert haben. Die Niveaus bleiben dennoch hoch.

Außerdem werden Informationen zu persönlichen Einkommen und Ausgaben im August veröffentlicht. Die Einkommen sollen im Monatsvergleich um 2,5% zurückgegangen sein. Der Wegfall der zusätzlichen staatlichen Arbeitslosenunterstützung dürfte sich hier sehr deutlich bemerkbar machen.

Während die PCE-Deflatoren kaum Beachtung finden werden, da sie weit unterhalb der 2%-Prozentmarke ausfallen werden, könnte es bei dem ISM für das verarbeitende Gewerbe zu einer Überraschung kommen. Der unerwartet deutliche Anstieg des Chicagoer PMI am Mittwoch sollte zwar nicht überbewertet werden. Doch deutet dieser Wert darauf hin, das auch der ISM kräftiger zugelegt haben könnte.

Per saldo dürften die Auswirkungen der US-Daten auf die Bewegung der Treasury-Kurse gering sein bzw. sich gegenseitig aufheben. Die Aussagen der US-Notenbanker Michelle Bowman und John Williams (beide stimmberechtigt) werden den Investoren keine neuen Erkenntnisse bringen. Inzwischen dürfte der Kurs der Fed mit lang anhaltender Niedrigzinsphase sowie dem Einfordern von fiskalischer Unterstützung klar sein.

Primärmarkt

Nach einer kurzen Verschnaufpause werden Frankreich und Spanien den Kapitalmarkt mit geplanten Emissionen kräftig in Anspruch nehmen. Bei beiden Ländern liegt der Schwerpunkt der Emissionsaktivität vor allem auf dem langen Ende der Zinskurve.

Frankreich wird vier Aufstockungen von Anleihen mit Laufzeiten 2030, 2034, 2040 und 2052 vornehmen. Damit sollen bis zu 11,5 Milliarden Euro in die Staatskasse fließen. Das spanische Tesoro wird drei Kuponbonds mit den Laufzeiten 2025, 2030 und 2066 anbieten. Das umlaufende Volumen der Emissionen soll insgesamt um bis zu 4 Milliarden Euro angehoben werden. Dazu kommen noch bis zu 0,75 Milliarden Euro aus der Aufstockung eines bis 2033 laufenden Linkers. Insgesamt muss der Kapitalmarkt bis zu 16,25 Milliarden Euro an neuem Material verdauen.

Die belgische Fälligkeit dürfte die Emissionsflut etwas abmildern. Nichtsdestoweniger ist im Vorfeld der Transaktionen mit der Konzentration auf das lange Ende der Zinskurve mit dem Einfordern von Konzessionsen zu rechnen. Entsprechend dürften die Renditen beider Länder gegenüber ihren Peers eine schlechter Performance aufweisen.

Das Treasury wird Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von vier und acht Wochen mit einem Volumen von zusammen 65 Milliardeb Dollar emittieren. Das entspricht dem Wert aus der Vorwoche.

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