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Renten am Morgen: Kurzes Risk-off ist kein Rendite Game Changer

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Risikoscheu hat am Montag sowohl den Kursen der Treasuries als auch der Staatsanleihen aus dem Euroraum deutliche Kurszuwächse beschert. Besonders gesucht waren die sicheren Staatsanleihen der Kernländer. Die Renditen gaben hier am langen Ende der Zinskurven um die fünf Basispunkte nach.

Dementsprechend lag die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen erneut unter der -0,5%-Marke. Ob sie sich dort tatsächlich wird halten können, wird davon abhängen, ob die Impulse aufrecht gehalten werden, die sie dort hin trieben oder ob neue Faktoren hinzukommen, die Renditen unter -0,5% rechtfertigen würden. Sollten die Finanzmärkte wieder in den Risk-on-Modus wechseln, werden die Renditen der Kernlandbonds relativ schnell wieder nach oben klettern.

Die Peripherie konnte lange Zeit nicht mit der Performance der Kernländer mithalten. Bis zum Handelsschluss verringerten die Anleihen von der iberischen Halbinsel ihre Underperformance, während die italienischen Staatspapiere fast zu den Kernlandbonds aufschlossen.

Mit Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen kurz nach Schließung der Wahllokale wurde deutlich, dass es bei den Regionalwahlen zu keiner deutlichen Verschiebung der politischen Verhältnisse in Richtung rechts geben dürfte. Zudem wurde die von der Regierungskoalition propagierte Verkleinerung der Parlaments angenommen.

Das sorgte letztlich doch für Erleichterung bei den Bondinvestoren. die Renditen gingen binnen kürzester Zeit um rund fünf Basispunkte zurück. Die Anleger nehmen die Abstimmungen als Signal dafür, dass die Regierung in Rom trotz aller Differenzen am Ruder bleibt. Durch die Verkleinerung des Parlaments dürfte die Neigung zu vorzeitigen Neuwahlen sowieso erheblich geringer werden. Dementsprechend besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass die Regierung bis zum nächsten Wahltermin 2023 Bestand haben kann.

Durch den Ausgang der Regionalwahlen und des Referendums sind zwei größere Steine für die Regierung aus dem Weg geräumt. Es wartet nun die Aufstellung der Haushaltsplanung für 2021. Nichtsdestoweniger dürften die italienischen Staatsanleihen aufgrund ihrer Carry und ihres Renditevorteils gegenüber den Bonds von der iberischen Halbinsel tendenziell wieder stärker gesucht sein.

Die Anleihekäufe im Rahmen des PSPP und des PEPP sind in der Vorwoche mit zusammen 22,2 Milliarden Euro auf den höchsten Wert seit Juli hochgefahren worden. Das Volumen blieb aber weit hinter demjenigen zurück, welches in den ersten drei Monaten der PEPP-Ankäufe üblich war.

Besonders viele Gründe zum Eingreifen hatten die Zentralbanken aufgrund der stabilen Spreads und Renditen sowieso nicht. Die Notenbanker dürften die finanziellen Ressourcen schon, um ggf. in Zeiten starker Schwankungen beherzt eingreifen zu können.

Neben der weiteren Verarbeitung der Wahlergebnisse in Italien dürfte vor allem der gemeinsame Auftritt von Fed-Präsident Jerome Powell und Finanzminister Steven Mnuchin vor Vertretern des Repräsentantenhauses für Bewegung an den Bondmärkten sorgen. Beide dürften die bisherige Geld- und Fiskalpolitik verteidigen.

Der Finanzminister könnte die Gelegenheit nutzen, die Abgeordneten zu einem weiteren Fiskalpaket zu drängen und damit die Forderungen von vielen Fed-Vertretern zu untermauern. Allerdings sind nicht alle US-Notenbanker von der Notwendigkeit zusätzlichen fiskalischen Stimulus’ überzeugt. Der Präsident der Fed St. Louis hält das, was bisher auf den Weg gebracht wurde, für ausreichend.

Die Entwicklung an den asiatischen Aktienmärkten sowie die Bewegung der US-Aktienfutures deutet auf einen weiteren Tag hin, der eher im Risk-off-Modus startet. Aufgrund des Feiertags in Japan sind keine Spotnotierungen für die Treasuries vorhanden. Der Treasury-Future notierte jedoch wenig geändert.

Der Tag mit Bloomberg: Steuereinnahmen; DAX-Future steigt

Die Kernlandbonds werden wahrscheinlich aufgrund der Sorgen vor der zweiten Viruswelle und den Folgen für die Wirtschaft nach en Gewinnen am Montag wenig geändert in den Tag staren. Ob es dabei bleibt, wird vor allem vom Risikosentiment abhängen. Die Luft für 10-jährigen Bunds bei Renditen unter -0,5% ist sehr dünn.

Die Bonds aus der Peripherie sollten ebenfalls mit Kursgewinnen, angeführt von den BTPs, in den Tag starten.

Für den Euroraum stehen vor allem die Auftritte der Notenbanker Philip Lane, Fabio Panetta und Francois Villeroy de Galhau im Fokus. Sie dürften jedoch nur dann Bewegung an den Bondmärkten auslösen, wenn sie sich mit der Währungs- und Inflationsentwicklung auseinandersetzen.

Konjunkturdaten

Wirtschaftsdaten werden erst am Nachmittag zu beachten sein. Die Europäische Kommission veröffentlicht die Schnellschätzung für das Verbrauchervertrauen im September. Die von Bloomberg befragen Volkswirte erwarten mit -14,7 einen unveränderten Wert zum Vormonat.

In Anbetracht der erneuten Ausbreitung der Pandemie könnte sich die Konsensusschätzung als zu optimistisch erweisen. Die hohen Fallzahlen dürften aufgrund der daraus abzuleitenden Einschränkungen im öffentlichen Leben auf die Stimmung der Verbraucher drücken.

In den USA wird die Zahl verkaufter Bestandsimmobilien im August gemeldet. Hier wird ein sehr hoher Wert erwartet, was durch die Rekord-niedrigen Hypothekenzinsen befeuert sein dürfte.

Aussagen zur Knappheit an Bestandsimmobilien wären ebenfalls von Interesse, lassen sie doch auf die zu erwartende Preisentwicklung schließen. Außerdem wäre eine starke Nachfrage nach Immobilien ein positives Zeichen für den privaten Verbrauch. Die Konsumenten investieren.

Die Richmond Fed Indikator für den September wird im Vergleich zum August deutlich schwächer erwartet. Bislang lieferten die regionalen Fed-Indikatoren kein klares Bild für den September. Es gab sowohl Anstiegs als auch Rückgänge.

Außerdem haben neben Jerome Powell noch Charles Evans, Thomas Barkin und Raphael Bostic (alle nicht stimmberechtigt) Auftritte. Marktbewegendes dürften sie jedoch nicht sagen.

Primärmarkt

Die Platzierung von Aufstockungen und Neuemissionen am Kapitalmarkt nimmt am Dienstag weiter Fahrt auf. Die deutsche Finanzagentur wird für 5 Milliarden Euro der aktuellen 2-jährigen Benchmark Abnehmer suchen. An das ganz lange Ende der Zinskurve geht das niederländische Schatzamt, das eine neue 30-jährige Benchmark - Laufzeit bis Januar 2052 mit einem Volumen von bis zu sechs Milliarden Euro platzieren will.

Sonderlich attraktiv wird die Rendite des deutschen Kurzläufers mit -0,73% nicht sein. Dennoch dürfte sich eine ausreichende Nachfrage nach der Anleihe generieren lassen, wobei es im Vorfeld der Platzierung wohl zu ganz leichten Zugeständnissen kommen wird. Das kurze Ende der deutschen Zinskurve dürfte daher gegen die Peers bis zum Abschluss der Transaktion eine Underperformance zeigen.

Die Neuemission des 2052-er niederländischen Anleihe dürfte für etwas Abgabedruck auf das lange Ende der Zinskurve sorgen. Der Platzierung der Anleihe, die mit einem Null-Kupon ausgestattet ist, dürfte jedoch zugute kommen, dass die Rendite um die Nullinien oder ganz leicht im positiven Bereich liegen sollte. Darauf deuten jedenfalls die Kursindikationen vor Platzierung des Bonds hin.

Neben Cash Management Bills wird das Treasury die Refinanzierungswoche mit der Platzierung von 52 Milliarden Dollar einer neuen 2-jährigen T-Note eröffnen. Aufgrund des fest zementierten Fed Fund Satzes dürfte das kurze Ende auf ausreichend Nachfrage stoßen.

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