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Renten am Morgen: Investment-Grade-Peripherie ist sicherer Hafen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die Sorgen vor den ökonomischen Auswirkungen der Einschränkungen im öffentlichen Leben haben die Finanzmärkte am Dienstag wieder fest im Griff gehabt. Nach einem etwas verhaltenen Start in den Tag gingen die Renditen der Staatsanleihen mit Zunahme der Risikoaversion der Investoren immer weiter zurück.

Bis zum Handelsschluss waren es die deutschen Bundesanleihen und die italienischen Staatsanleihen, die die deutlichsten Kursgewinne einfuhren. Die jüngsten Beschlüsse des italienischen Kabinetts, die von den aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus betroffenen Unternehmen mit weiteren 5,3 Milliarden Euro an Leistungen zu unterstützen, blieben ohne Wirkung auf die Bewegung der BTP-Renditen.

Unklar bleibt, ob sich dadurch der Refinanzierungsbedarf des italienischen Staats im laufenden Jahr wieder erhöhen wird. Jüngst hatte das italienische Finanzministerium verlauten lassen, dass die Refinanzierung für das laufenden Jahr zu 90% abgeschlossen sei. Etwas mehr als 5 Milliarden Euro an zusätzlicher Kreditaufnahme sollten aber verkraftbar sein.

Als Ergebnis der Kursbewegungen am Dienstag gaben die Renditen am langen Ende der Zinskurven zwischen drei und vier Basispunkten nach - bei gleichzeitigem Bull Flattening. Die italienischen Staatsanleiherenditen bewegten sich ähnlich wie diejenigen von der iberischen Halbinsel wieder auf ihre Allzeittiefs zu. Für die Rendite der 10-jährigen Papiere aus Portugal und Spanien ist die Nulllinie erneut in greifbare Nähe gerückt.

Am Dienstag wurden wieder fast alle Staatsanleihen aus dem Euroraum als sicherer Häfen wahrgenommen. Diese Entwicklung wird auch darauf zurückzuführen sein, dass eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Perspektiven sowie ein damit einher gehender geringer Preisauftrieb die Europäische Zentralbank mit zusätzlichen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen auf den Plan rufen wird. Weiter rückläufige Renditen in den kommenden Wochen und Monaten sind also nicht auszuschließen, insbesondere bei weiteren Lockdown-ähnlichen Maßnahmen sowie dem Fehlen von Impfungen gegen die Virusinfektion.

Vermutlich wird die Bewegung der Renditen der Staatsanleihen aus dem Euroraum auch am Mittwoch im Bann der Nachrichten über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung der Pandemie stehen.

Ingo Mainert, CIO Multi Asset Europe von Allianz Global Investors, wies in einem Pressegespräch daraufhin, dass mit einer K-förmigen Erholung der wirtschaftlichen Aktivität zu rechnen sei. Ähnlich wie es Fed- und EZB-Vertreter immer wieder betonten, werde eine wirtschaftliche Erholung nicht in der Breite erfolgen. Einige Wirtschaftssegmente werden unter Druck bleiben.

In Deutschland stehen die Zeichen ebenso auf weiteren Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie in Frankreich, wo sich der Präsident am Abend in einer Ansprache an die Franzosen wenden wird. Die Unternehmensberichtssaision scheint ein wenig in den Hintergrund zu rücken.

Der Tag mit Bloomberg: Deutsche Bank-Zahlen, Bitcoin-Hoch

Zugleich dürften die Investoren die Hoffnung auf ein US-Konjunkturpaket vor der Wahl nun endgültig begraben. Das Zeitfenster ist zu kurz. Die Positionen liegen zu weit auseinander. Und ob dieses Konjunkturpaket dann nach der Wahl schnell auf den Weg gebracht werden kann, wird von den Mehrheitsverhältnissen im Kongress abhängen.

Sofern die Republikaner ihre Mehrheit im Senat am 3. November verteidigen können, sollten sich die Finanzmärkte eher auf ein kleines Paket einstellen. Es ist kaum anzunehmen, dass die republikanischen Senatoren ihre Skepsis hinsichtlich eines weiteren Deficit Spendings plötzlich über Bord werfen werden.

Die Zeichen für den Handelsstart mit Staatsanleihen des Euroraums stehen auf Kursgewinne. Die Aktienfutures liegen im frühen Handel im Minus. Die Treasuries notieren unverändert zum Dienstagsschluss.

Die Bonds aus den Kernländern dürften mit kleinen Kursgewinnen in den Tag starten. Bei einer Rendite für 10-jährige Bundesanleihen unterhalb von -0,6% wird der Raum für weiterer Kursgewinne jedoch ohne Leitzinssenkungsfantasie dünner. Die Peripherie könnte in diesem Umfeld ihre Outperformance gegenüber den Kernländern wieder aufnehmen.

Konjunkturdaten

Der Datenkalender ist nahezu leer. Von regionalem Interesse werden die Einzelhandelsumsätze in Spanien im September sowie das französische Verbrauchervertraten aus dem Oktober sein. Die Auswirkungen des ausbleibenden Tourismus dürften bei den spanischen Daten spürbar werden.

Die Stimmung der französischen Verbraucher werden sich aufgrund der bereits in Kraft getretenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens wahrscheinlich verschlechtert haben. Die Entwicklung der Renditen wird das dennoch wenig beeinflussen. Schwache Daten würden das Niedrigzinsumfeld zementieren. Die US-Daten werden keinen Einfluss auf die Treasury-Kurse haben.

Primärmarkt

Am Kapitalmarkt wird sich die deutsche Bundesfinanzagentur mit der Aufstockung der aktuellen 15-jährigen Bundesanleihe um 2 Milliarden Euro zeigen. Im Vorfeld der Platzierung dürfte es auf das lange Ende der deutschen Zinskurve aufgrund der aktuell guten Stimmung für Bondinvestments kaum Abgabedruck geben. Die Platzierung wird insgesamt ohne Probleme verlaufen.

Italien wird Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten in einem Umfang von 6,5 Milliarden Euro anbieten. Da Ende Oktober Kurzläufer in Höhe von 7,7 Milliarden Euro fällig werden, ist für ausreichend Nachfrage gesorgt.

Am Abend wird das Treasury nach erfolgreicher Platzierung der 2-jährigen T-Notes am Dienstag mit einem neuen 5-jährigen Papier aufwarten. Allerdings war die Nachfrage gemessenen an der Bid-to-Cover Ratio etwas schwach.

Das US-Schatzamt wird insgesamt 55 Milliarden Dollar an 5-jährigen Papieren anbieten. Die Emission dürfte nicht ganz so reibungslos verlaufen wie diejenige am Dienstag. Die Investoren dürften Renditezugeständnisse verlangen, was den mittleren Teil der US-Zinskurve underperformen lassen dürfte. Außerdem wird das Schatzamt zusätzlich mit 26 Milliarden Dollar an einem 2-jährigen Floater an die Anleger herantreten.

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