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Renten am Morgen: Hauptsache Staatsanleihen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Mit dem enttäuschend ausgefallen Ifo-Geschäftsklimaindikator haben die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum ihre positive Entwicklung am Montag begonnen. Die Zunahme der Risikoaversion der Investoren wegen der starken Ausbreitung der Pandemie in einigen Regionen Europas sowie den anhaltenden Problemen bei der Impfkampagne ließen die Risikoaversion der Anleger steigen, sodass wieder alle Arten von Staatsanleihen als sichere Anlagen wahrgenommen wurden.

Entsprechend gingen sowohl die Renditen der Kern- als auch der Semi-Kernländer und aus der Peripherie zurück. Die Investment Grade eingestufte Peripherie zeigte sogar eine Outperformance gegenüber den übrigen Regionen.

Die Sorgen vor einer längeren konjunkturellen Durststrecke sind zurück. Die anhaltende geldpolitische Unterstützung durch Anleihekäufe sollte dadurch gesichert sein. Die Diskussion über eine nicht vollständige Nutzung des PEPP-Rahmens dürfte in den Hintergrund gedrängt werden. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank stellte bei ihrem virtuellen Davos-Auftritt zudem klar, dass die Formulierung, wonach das PEPP-Volumen nicht zwigend ausgenutzt werden müsse, nichts Neues war. Die Finanzmärkte könnten die Aussagen nach der Tagung des EZB-Rats also durchaus überinterpretiert haben.

Die jüngsten Entwicklungen rund um die Pandemie machten erneut deutlich, wie unberechenbar ihre Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität weltweit sind. Statt aufgrund des Starts der Impfungen Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ins Auge zu fassen, stehen wegen der Ausbreitung der Virusmutationen weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens auf der Agenda. Es droht also eine weitere Verzögerung des Aufschwungs, zumindest in Europa.

Am frühen Nachmittag wird die Aktualisierung des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds vorgestellt. Eine Reduzierung der Wachstumsprognosen für das laufende Jahr - wie jüngst von der Weltbank vorgenommen - dürfte der IWF ebenfalls vornehmen. Zudem wird erneut eine deutliche Warnung an die Geld- und Fiskalpolitik gehen, den Stimulus nicht zu früh zu reduzieren oder zu beenden. Tapering-Überlegungen wird der IWF eine Absage erteilten.

Der Umfang der Nettoanleihekäufe durch das System Europäischer Zentralbanken fiel in der abgelaufenen Berichtswoche etwas geringer aus als noch in der Vorwoche.

Die Daten geben noch keinen vollständigen Aufschluss darüber, ob das System Europäischer Zentralbanken aufgrund insbesondere der Renditeentwicklung in Italien stärker in das Marktgeschehen eingriff, da lediglich die Käufe bis einschließlich Mittwoch erfasst sind. Der Renditeanstieg erfolgte jedoch vor allem am Donnerstag und Freitag. Etwas mehr Überblick über die Aktivität bei den Anleihekäufen dürfte es mit den nächsten Datenveröffentlichungen geben, da detaillierte Information zu PSPP und PEPP bekanntgeben werden.

Mit der Ankündigung des italienischen Ministerpräsidenten, die Regierung werden heute Morgen zurücktreten, sind die politischen Probleme in Rom nicht gelöst. Die Investoren scheinen nach der BTP-Rally vom Montag jedoch weiterhin darauf zu setzen, dass es gelingen wird, eine stabile Regierung auf Basis der aktuellen Mehrheitsverhältnisse zu finden.

Gegen Neuwahlen spricht außerdem, dass viele Abgeordnete und Senatoren ihre Mandate verlieren würden, weil die bisherigen Regierungsparteien Stimmen verlieren und das Parlament verkleinert würde. Allerdings verliert das Land durch eine Regierungsneubildung Zeit für die Bekämpfung der Krise sowie das Setzen von Impulsen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits und der Verschuldung. Trotz des Vertrauens der Anleger dürften BTP-Kurse tendenziell eher volatil werden.

Verzögerungen bei der Umsetzung des von der Biden-Administration angekündigten nächsten Fiskalpaket sorgten nicht nur am Montag für fallende Treasury-Renditen, sondern auch am Dienstagmorgen für schlechte Stimmung an den Finanzmärkten. Dazu kommt die Sorge vor weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die einen Aufschwung verzögern würden.

Der Tag mit Bloomberg: Stimulus-Timing, Pandemiesorgen, UBS

Das dürfte den Kursen der Staatsanleihen zu Handelsbeginn weiteren Auftrieb geben, obwohl die vergangenen Wochen immer wieder zeigten, dass die Luft für weitere Renditerückgänge bei 10-jährigen Bunds deutlich unter -0,5% dünner wird. Vermutlich werden vor allem Semi-Kern und Peripherie von der Nachfrage nach Bonds profitieren.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum werden keinen Einfluss auf die Renditeentwicklung im Euroraum haben. Aus den USA wird es vor allem die Stimmung der Konsumenten gemessen mit dem Indikator des Conference Boards sein, die die Kurse der Treasuries am späten Nachmittag bewegen könnte. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten eine ganz leichte Verbesserung des Sentiments im Januar gegenüber Dezember.

Vermutlich dürfte der leichte Anstieg der Stimmung auf das Ende Dezember beschlossene Konjunkturpaket zurückzuführen sein, welches unter anderem die erneute Zahlung von Arbeitslosengeld sowie die Stützung bestimmter US-Haushalte durch die direkte Zahlung von $600 vorsieht. Sollte sich die Stimmung im Gegensatz zur Prognose verschlechtern, dürften die Treasury-Kurse Auftrieb erhalten. Eine Stimmungseintrübung würde zwar deutlich machen, dass zusätzlicher fiskalischer Stimulus angebracht wäre. Der könnte jedoch aufgrund des Widerstands von Republikanern im Senat länger auf sich warten lassen.

Angesichts der starken Nachfrage nach Immobilien ist der erwartete Preisanstieg im November wenig überraschend. Auswirkungen auf die Bondmärkte sollten diese Daten ebensowenig haben wie der Wert des Richmond-Fed-Indikators.

Primärmarkt

Italien und die Niederlande werden den Kapitalmarkt planmäßig anzapfen. Das italienische Schatzamt wird den aktuellen 5-jährigen Linker um bis zu 1 Milliarde Euro sowie den bis Ende September 2022 laufenden Zero um bis zu 3 Milliarden Euro aufstocken. Trotz Regierungskrise in Italien dürften diese beiden Instrumente ohne größere Zugeständnisse platziert werden können. Inflationsschutz dürfte sowieso eher gesucht sein.

Die Anhebung des Volumens der bis Juli 2025 laufenden niederländischen Anleihe um bis zu 3 Milliarden Euro dürfte nur bis zum Abschluss der Transaktion zu etwas Kursdruck auf das kurze Ende der niederländischen Zinskurve führen.

Am Montag mandatierte die Europäische Union das Konsortium für die Platzierung von Bonds zur Refinanzierung des SURE-Programms. Wie bereits in der Vorwoche durchsickerte, wird eine neue 7-jährige Anleihe angeboten. Dazu wird die aktuelle 30-jährige Laufzeit aufgestockt. Anlagebedarf wird es ausreichend geben. Die Investoren dürften wie bei den bisherigen Emissionen aus dem letzten Jahr auf einen Kaufanreiz für das 7-jährige Papier hoffen und auf eine erneut gute Performance am Sekundärmarkt setzen.

Am Abend wird das Treasury die Wochenrefinanzierung am Kapitalmarkt mit der Emission einer neuen 5-jährigen T-Notes fortsetzen. Das Volumen ist auf 61 Milliarden Dollar festgesetzt. Während sich die 2-jährige T-Note am Montag aufgrund der festen Verankerung der US-Zinskurve am kurzen Ende problemlos platzieren ließ, werden für das heutige Papier leichte Renditezugeständnisse von Nöten sein. Der mittlere Teil der US-Kurve dürfte tendenziell etwas underperformem.

Außerdem werden 34 Milliarden Dollar an Geldmarktpapieren mit einem Jahr Laufzeit sowie Cash Management Bills angeboten.

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