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Renten am Morgen: Handelskonflikt gibt erneut die Richtung vor

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Handelskonflikt gibt erneut die Richtung vor

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben ihre Kursgewinne nach der Veröffentlichung der wenig überzeugenden Schnellschätzungen für die Markit Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe bis zum Handelsschluss am Freitagabend überwiegend halten können.

Die Hoffnungen der Anleger, die wirtschaftlichen Perspektiven im Euroraum hätten sich etwas nachhaltiger aufgehellt, erhielten einen Dämpfer. Die Forderungen nach zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen dürften wieder lauter werden, insbesondere in dem Fall, in dem das am Montag zur Veröffentlichung anstehende Ifo-Geschäftsklima zur Schwäche neigen sollte.

Lediglich die italienischen Staatsanleihen konnten nicht überzeugen. Nach ihren Renditenrückgängen in den Vortagen schlossen sie Bonds am Freitag letztlich wenig geändert. Die Underperformance gegen ihre Peers von der iberischen Halbinsel fiel deutlich aus. Wieder einmal waren es politische Verwerfungen, die für die schwache Performance der italienischen Bonds verantwortlich sind.

Zum einen löste die Entscheidung der Fünf-Sterne-Bewegung, bei den kommenden Kommunalwahlen im Januar wieder eigenständig anzutreten, die Sorge vor einer Regierungskrise in Rom aus. Zum anderen machen die anhaltenden Diskussionen über den Haushalt für das kommende Jahr die unterschiedlichen Interessen der Regierungsparteien deutlich.

Auch das dürfte die Befürchtungen schüren, die römische Regierung werde die volle Amtszeit nicht überstehen. Alerdings bemühte sich der italienische Ministerpräsident, Giuseppe Conte, in einem Gespräch mit mit La Repubblica diese Sorgen zu zerstreuen.

Der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi di Maio, betonte ebenfalls, dass die Regierungskoalition ihre Arbeit bis zum Ende der regulären Legislaturperiode fortsetzen werde. Mit Blick auf die aktuellen Umfragewerte hätten die Fünf-Sterne bei Neuwahlen weiterhin viel zu verlieren, ohne das die Demokratische Partei umfangreich zulegen könnte.

Das dürfte eine starke Motivation sein, das Zweckbündnis trotz aller Differenzen aufrecht zu halten. Zusammen mit der Carry und der vorläufigen Ruhe an der Ratingfront spricht das durchaus für BTPs. Die Volatilität, die die Politik in die Renditebewegungen bringt, dürfte jedoch bestehen bleiben.

Zur spanischen Regierungsbildung gibt es nichts Neues. Der amtierenden Ministerpräsident, Pedro Sanchez, dürfte seine Bemühungen fortgesetzt haben, sich eine Mehrheit für die Bestätigung seiner Regierung vor Weihnachten zu organisieren. Immerhin gab es am Freitagabend gute Nachrichten von Fitch für Portugal.

Fitch beließ die Einstufung zwar bei BBB mit einem positiven Ausblick, denn die Ausblick wurde erst am 24. Mai des laufenden Jahres auf positiv angehoben. Die Bonitätswächter würdigten in ihrer Stellungnahme vor allem die Verbesserung der fiskalischen Position des Landes. Das könnte trotz der Warnung aus Brüssel im Rahmen der Beurteilung der Haushaltsplanungen für das kommende Jahr für eine gute Stützung der Kurse portugiesischer Staatsanleihen gegenüber ihren spanischen Pendants sorgen.

Aus Deutschland gab es Neuigkeiten. Die Emission von deutschen Greenbonds rückt näher. In einem Gespräch mit der Börsen-Zeitung, Samstagsausgabe, erläuterten der Staatssekretäre im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies und der Geschäftsführer der Finanzagentur des Bundes, Tammo Diener, die Greenbond-Emissionspläne des Bundes detaillierter.

Demnach werde es zu jeder Emission des Bundes eine ausstattungsgleiche grüne Anleihe geben - mit gleichem Kupon und gleicher Laufzeit. Entsprechend werden die Bonds also direkt miteinander vergleichbar, was Aufschluss darüber geben dürfte, wie die Greenbond-Prämie aussehen wird.

Allerdings dürfte auch eine gewissen Illiquiditätsprämie gegenüber den traditionellen Bunds zu erwarten sein. Zudem machen die bisher bekannten Überlegungen deutlich, dass der Bund im Zeitablauf ein komplette grüne Kurven bauen wird.

Den Handelsauftakt für die Anleihen aus dem Euroraum am Montag wird jedoch vor allem der Handelskonflikt geprägt werden. Die Global Times berichtete davon, dass sich China und die USA stark angenähert hätten, um das Phase-eins-Abkommen abzuschließen. Es sieht zudem danach aus, als ob die chinesische Administration den USA hinsichtlich des Umgangs mit Rechten an geistigem Eigentum entgegen kommt.

Die etwas steigen Renditen der US-Treasuries im asiatischen Handel sowie die zulegenden Aktienmarkt-Futures sprechen für ein leichte Kursverluste von Kern- und Semikernanleihen zu Handelsbeginn. BTPs dürften aufgrund der politischen Situation ebenfalls unter Abgabedruck geraten.

Ansonsten werden sich im Tagesverlauf wieder zahlreiche europäische Notenbanker äußern - Philip Lane, Yves Mersch, Francois Villeroy de Galhau, Robert Holzmann. Neuigkeiten sind nicht zu erwarten. Und selbst von Jerome Powell, der nach Mitternacht europäischer Zeit auftritt, wird nichts Neues zu bieten haben. Der Kurs der Fed dürfte bis auf weiteres festgelegt sein.

Konjunkturdaten

Weder die spanischen Erzeugerpreise aus dem Oktober noch die Daten zur österreichischen Industrieproduktion werden am Montagmorgen Einfluss auf das Handelsgeschehen an den Bondmärkten nehmen.

Das ist der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindikators vorbehalten. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten eine leichte Verbesserung des Novemberwertes auf 95 Punkte, nach 94,6 Punkten im Oktober. Der Hauptimpuls soll gemäß der Schätzungen von der Erwartungskomponente kommen, die sich um einen Punkt verbessert haben soll.

Sollten die Prognosen eintrefffen, setzt sich die Stabilisierung der deutschen Wirtschaft auf niedrigem Niveau fort. Das würde auf eine Fortsetzung der schwachen wirtschaftlichen Aktivität in Deutschland hinweisen. Ähnlich wie es die Schnellschätzungen des Markit Einkaufsmanagerindizes bereits andeuteten, wobei rezessive Tendenzen aufgrund der geringen Indikatorniveaus nicht gänzlich auszuschließen sind.

Sollte der Ifo hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte das Renditen der Kernlandanleihen Richtung Süden treiben. Bei besser als prognostiziert ausfallenden Daten dürften es zwar zu einem leichten Renditeanstieg kommen. Die Skepsis, ob sich die wirtschaftlichen Perspektiven in Deutschland tatsächlich aufhellen, dürfte jedoch bleiben, was einem Renditeanstieg Grenzen setzen dürfte.

Am Nachmittag sollte auf den Stimmungsindikator der belgischen Wirtschaft zumindest kurz geachtet werden. Er soll sich um 0,5 Punkte auf -4,1 aufgehellt haben. Das wäre ein positives Zeichen für den gesamten Euroraum, da Belgien aufgrund seiner kleinen offenen Volkswirtschaft als guter Spiegel für die gesamteuropäische Entwicklung gilt.

In den USA werden lediglich zwei regionale Fed-Indikatoren veröffentlicht. Größeren Einfluss auf die Bewegung der US-Treasuries werden die Daten nicht nehmen. Die Anleger werden den Wirtschaftsdaten vor Jerome Powells Auftritt wenig Beachtung schenken.

Primärmarkt

Das französische Schatzamt wird Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von 12, 23 und 49 Wochen unter die Anleger bringen. Zusammen sollen bis zu 4,8 Milliarden Euro bei den Investoren eingeworben werden. Dem stehen Fälligkeiten am 27. November in Höhe von 5,5 Milliarden Euro gegenüber.

Außerdem wird am Montag eine französische Staatsanleihe mit einem Gesamtvolumen von rund 22,3 Milliarden Euro inklusive der Kuponzahlung fällig, so dass die weiteren Emissionen aus dem Kapitalmarktbereich der Euroländer in der laufenden Woche gut gestützt sein dürften.

Neben Frankreich wird auch das zyprische Treasury mit 13 Wochen laufenden Papieren am Geldmarkt aktiv. Außerdem wird Deutschland bis zu 2 Milliarden Euro mit einem Geldmarktinstrument mit 11 Wochen Laufzeit einsammeln.

Selbst am Kapitalmarkt wird es bereits am Montag Aktivität geben, denn Litauen wird ein neues 8-jähriges Papier, fällig am 27. November 2027, platzieren. Das hat Seltenheitscharakter. Entsprechend dürfte sich der Bond guter Nachfrage erfreuen, auch wenn er ohne Unterstützung durch fällig werdende Papiere aus dem Lan auskommen muss.

Am Abend wird zudem das US-Treasury die Emissionswoche eröffnen. Neben insgesamt 84 Milliarden Dollar an T-Bills mit Laufzeiten von 13 und 26 Wochen wird eine neue 2-jährige T-Note platziert. Der Umfang wird 40 Milliarden Dollar betragen. Im Hinblick auf die Rendite der aktuellen 2-jährigen Papiere sowie die Leitzinserwartungen dürfte sich die neue Note sehr guter Nachfrage erfreuen.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

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