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Renten am Morgen: Handelskonflikt gibt Anleihen die Richtung vor

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Handelskonflikt gibt Anleihen die Richtung vor

(Bloomberg) -- Nachrichten über die Wahrscheinlichkeit einer Einigung auf ein erstes Handelsabkommen zwischen den USA und China haben am Montag die Renditeentwicklung am Anleihemarkt geprägt.

Zum Handelsstart hatten positive Aussagen über die Verhandlungen aus dem chinesischen Handelsministerium für einen zumindest leichten Anstieg der Renditen der Euroraum-Staatsanleihen sowie der US-Treasuries gesorgt. Die Gespräche zwischen den Spitzenunterhändlern verliefen konstruktiv und beide Seiten seien im engen Kontakt, hieß es in der Mitteilung.

Als am Nachmittag dann ein Tweet von CNBC die Runde machte, wonach die chinesische Administration mit dem Fortgang der Gespräche doch nicht zufrieden sein soll, drehte die Renditeentwicklung der US-Bonds und in der Folge auch der Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums.

Bei den Gesprächen zwischen den USA und China zum Abschluss des Abkommens bleibt der Umgang mit den von den USA in Kraft gesetzten Zusatzzölle auf chinesische Warenimporte eine der entscheidenden Hürden. Die chinesische Seite erwartet, dass die Zölle mit dem Abschluss der Vereinbarung aufgehoben werden. Die US-Administration will sie in Kraft lassen, so dass der Status quo beibehalten würde. Es bleibt offen, ob sich beide Seiten so weit aufeinander zubewegen können, damit eine erneute Eskalation des Handelskonflikts zwischen beiden Seiten vermieden werden kann.

Es sollte nicht überinterpretiert werden, dass die Lizenz für Geschäfte mit Huawei um 90 Tage verlängert wurde. Schließlich kommt diese Verlängerung auch den USA zugute.

Die Investoren werden die Nachrichtenlage zum Handelskonflikt zwischen beiden Nationen genau verfolgen. Tendenziell sollten sowohl Treasuries als auch Kernlandbonds aufgrund des Eskalationsrisikos gut gestützt sein.

Die Renditen der Staatsanleihen aus der Peripherie gingen über die gesamte Kurve zurück. Am kurzen Ende waren es vor allem die italienischen Anleihen, die gesucht wurden. Sie bieten immerhin den Vorteil positiver Renditen im Vergleich zu den Peers. Und das Risiko, die Rating-Agenturen könnten die Bonität des Landes in Richtung Sub-Investment-Grade bewegen ist ebenfalls erst einmal gebannt bzw. in die Zukunft verschoben.

Am langen Ende konnte die spanischen Staatsanleihen die deutlichsten Renditerückgänge verbuchen. Auch die Aussagen vom Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Philip Lane, hatten Anteil an der positiven Performance der Peripherie. Seinen Aussagen nach hat die EZB die Grenzen der Geldpolitik nicht erreicht. Auch wenn es derzeit nicht zur Debatte steht, können die Notenbanker über die Absenkung des Einlagensatzes hinaus die unkonventionellen Maßnahmen wie die Anleihekäufe ausdehnen und gegebenenfalls die Ankaufgrenzen für die einzelnen Anleihen erhöhen. Maßnahmen, über die wahrscheinlich nachgedacht wird, wenn sich die Wachstumsperspektiven im Euroraum erneut eintrüben sollten.

Als Fallstrick für weiteren Spread-Einengungen gegen Bunds könnte sich die politische Situation sowohl in Rom als auch in Madrid erweisen. Allerdings scheint es der geplanten Minderheitsregierung in Madrid gelungen zu sein, die katalanischen Vertreter im Parlament für eine Stützung der Minderheitsregierung gewonnen zu haben. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Scheiterns der Regierungsbildung dürfte dadurch sinken. Über das Preisschild für die Unterstützung durch die Katalanen ist jedoch ebenso wenig bekannt wie über das für die Zusammenarbeit mit Podemos.

Die Vorgaben für den Handelsauftakt mit Staatsanleihen aus dem Euroraum sind am Dienstag durchwachsen. Die Renditen der US-Treasuries notierten im asiatischen Handel kaum geändert zu ihrem Vortagsschluss, während die US-Aktienmarkt-Futures leichte Kursgewinne aufweisen.

Das spricht für einen kleinen Renditeanstieg für Anleihen aus den Kernländern zu Handelsbeginn und eine kaum geänderte Eröffnung der Peripherie. Die Bewertung der Auswirkungen der politischen Situation in Spanien für die spanischen Staatsanleihen fällt schwer, da die fiskalischen Auswirkungen nicht absehbar sind. Die Investoren könnten durchaus vorsichtig bleiben.

Konjunkturdaten

Auch am Dienstag hält sich der Umfang des Datenkalenders in Grenzen. Die Leistungsbilanzdaten für Italien sowie den Euroraum jeweils für den September dürften keinen Einfluss auf die Rentenmärkte haben.

Dagegen könnte der italienische Industrieauftragseingang für den September die Renditen der BTPs beeinflussen, gerade wenn sie schwach ausfallen. Denn schwache Orderdaten für Italiens Industrie wären ein Hinweis darauf, dass das Wirtschaftswachstum künftig lahmt. Die Frage nach der Schuldentragfähigkeit könnte dann doch irgendwann wieder von den Investoren gestellt werden.

Am Nachmittag werden mit der Zahl der Neubaubeginne sowie der Baugenehmigungen Informationen über den US-Immobilienmarkt bereit gestellt.

Die Volkswirte gehen für die Oktober-Werte von einer Beschleunigung bei den Baubeginnen aus. Die Zahl der Baugenehmigungen soll hoch bleiben. Sofern die Daten so eintreffen, wird die anhaltenden Aktivität im Immobiliensektor zusammen mit dem privaten Verbrauch eine Stütze des US-Aufschwungs bleiben. Damit diese Daten die Kurse der US-Treasuries bewegen, müssten sie erhablich von den Schätzungen abweichen.

Primärmarkt

Die Emissionstätigkeit am Kapitalmarkt von Ländern aus dem Euroraum legt am heutigen Dienstag eine Pause ein. Immerhin erfreuten sich die beiden Aufstockungen aus Belgien am Montag ausgezeichneter Nachfrage. Das belgische Schatzamt ist die Refinanzierung für das laufende Jahr beendet.

Malta, Spanien sowie der ESM werden an die Geldmarktinvestoren herantreten. Der ESM will mit 6-Monatsschätzen bis zu 2,5 Mrd. Euro einwerben. Das maltesische Schatzamt wird Papiere mit Laufzeiten von einem und sechs Monaten anbieten. Das spanische Tesoro wird Papiere mit Laufzeiten von drei und neun Monaten emittieren.

Das Gesamtvolumen wird bis zu 3,5 Milliarden Euro betragen. Die Platzierung wird ohne die Unterstützung durch die Fälligkeit von spanischen Geldmarktpapieren auskommen müssen. Das sollte die Emission dennoch nicht sonderlich schwierig gestalten lassen. Bemerken dürfte man es dennoch aufgrund einer schwächeren Nachfrage im Vergleich zu vergangenen Geldmarkttransaktionen.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

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