Deutsche Märkte geschlossen

Renten am Morgen: Der Handelskonflikt dominiert die Bondmärkte

Dirk Gojny
1 / 4

Renten am Morgen: Der Handelskonflikt dominiert die Bondmärkte

(Bloomberg) -- Am Donnerstag haben die Renditen der Staatsanleihen aus den meisten Euroländern sowie der US-Treasuries zugelegt. Einzige Ausnahme waren italienische Anleihen, die ihre Renditeabwärtsbewegung weiter fortsetzten.

Der Handelskonflikt dürfte wieder einmal der entscheidende Treiber hinter der Renditeentwicklung gewesen sein. Die Investoren scheinen die jüngsten Meldungen so zu interpretieren, dass es vielleicht doch zu einer Handelsvereinbarung zwischen den USA und China kommen könnte und es vorerst keine weitere Eskalation des Konflikts gibt.

So meldete die South China Morning Post auf Basis nicht genannter Quellen, dass die Erhebung von zusätzlichen Importzöllen durch die USA ab dem 15. Dezember verschoben werden könne, auch wenn bis dahin kein erstes Handelsabkommen zwischen den USA und China erzielt wird.

Damit die US-Administration von der Anhebung absieht, müssten in den bilateralen Gesprächen deutliche Fortschritte erzielt werden, so dass der Abschluss einer Vereinbarung unmittelbar bevorsteht. Ansonsten ist es aufgrund der Rhetorik aus dem Weißen Haus kaum vorstellbar, dass die US-Seite die Zollwaffe nicht einsetzt.

Vielleicht hilft hier auch ein weiteres persönliches Treffen der beiden Handelsdelegationen, zu dem der chinesische Chefunterhändler, Liu He, seine US-Kollegen gemäß Dow Jones eingeladen hat. Eine Zusage der US-Seite steht zwar aus. In Anbetracht der ökonomischen Auswirkungen des Handelskonflikts scheint man von chinesischer Seite weiterhin darum bemüht zu sein, eine gütliche Einigung zu finden - allerdings nicht um jeden Preis. Das machten die jüngsten Aussagen des chinesischen Ministerpräsidenten klar, der ein für beide Seiten ausgewogenes Abkommen verlangte.

Letztlich findet die anhaltende Eintrübung der wirtschaftliche Perspektiven immer mehr Eingang in die Prognosen. Am Donnerstag senkte die OECD ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im Vergleich zum September noch einmal leicht.

Eine weitere Eskalation des Konfliktes zwischen China und den USA dürfte auch ausgeblieben sein, weil die Unterzeichnung des Gesetzes zur Unterstützung der Proteste in Hongkong durch den US-Präsidenten bisher nicht erfolgte. Es gibt auch keine neuen Informationen darüber, ob Donald Trump das Gesetz unterzeichnen will oder sein Veto einlegen wird. Eine Unterzeichnung bliebe sicher nicht ohne Reaktion von chinesischer Seite, die vor einigen Tagen bereits Gegenmaßnahmen angekündigte.

Dass die italienischen Staatsanleihen ihre Renditerückgänge fortsetzten, so dass die Rendite für 2-jährige Papiere wieder ins Minus rutsche, während die Bonds von der iberischen Halbinsel - allen voran portugiesische - erneut Kursverluste hinnehmen mussten, könnte noch Nachwirkungen der Ergebnisse der Beurteilungen der Haushaltspläne durch die Europäische Kommission sein. Bei den italienischen Bonds dürfte auch die Carry locken.

Am Freitag werden Neuigkeiten zu den Handelsgesprächen wahrscheinlich erneut Impulse am Bondmarkt setzen. Der Unsicherheitsfaktor, ob es zu einer Vereinbarung kommt oder nicht, bleibt bestehen. Daher dürfte die Anleger trotz jüngst vielleicht etwas ermutigender Zeichen, die für ein Abkommen sprechen, vorsichtig bleiben. Vor dem Wochenende könnte das durchaus für eine Zunahme der Risikoaversion und damit tendenziell sinkende Renditen sprechen.

Außerdem wird dem ersten Auftritt der neuen EZB-Präsidenten, Christine Lagarde, sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet werden. Allerdings sollten die Investoren vor ihrer ersten EZB-Ratssitzung nicht mit Neuigkeiten rechnen. Es ist wahrscheinlich, dass sie auf Kontinuität in der Kommunikation setzt. Vermutlich wird sie sehr deutlich an die Politik appellieren, die Geldpolitik durch eine expansivere Fiskalpolitik zu unterstützen, jedenfalls durch die Länder, die entsprechenden Spielraum haben.

In den Freitag dürften die Staatsanleihen aus den Kern- und Semi-Kernländern des Euroraums mit leichten Kursverlusten starten. Bis zum Handelsschluss könnten sich die Vorzeichen jedoch umdrehen, denn mit der Unbekannten Handelskonflikt dürften die meisten Akteure ohne Position ins Wochenende gehen wollen.

Konjunkturdaten

Gleich zu Handelsbeginn werden die endgültigen Daten für das deutsche Bruttoinlandsprodukt nebst Komponenten veröffentlicht. Die Daten werden dabei ein wesentlich klareres Bild vermitteln, woher das Wachstums im dritten Quartal tatsächlich gekommen ist.

Privater, aber auch Staatsverbrauch dürften sich als Wachstumsstützen erweisen, während die Investitionen wahrscheinlich rückläufig waren. So erwarten es jedenfalls auch die von Bloomberg befragten Volkswirte. Sollte das Wachstum in Deutschland wider Erwarten schwächer ausfallen, würden die Wachstumssorgen neue Nahrung erhalten und die Renditen zurückgehen.

Bei den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für November in Deutschland, Frankreich und dem Euroraum rechnen von Bloomberg befragten Volkswirte mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Perspektiven sowohl im Dienstleistungssektor als auch im verarbeitenden Gewerbe.

Entwarnung für die Wachstumsperspektiven bedeutet das dennoch nicht, denn der Index für das deutsche verarbeitenden Gewerbe wird mit lediglich 42,8 Punkten erwartet. Das bedeutet weiterhin Kontraktion.

Immherin sähe es mit Eintreffen der Prognosen danach aus, als ob die Tahlsohle nahe ist. Allerdings bleibt das Ansteckungsrisiko zwischen verarbeitenden und Dienstleistungssektor bestehen. Sollte es dafür Anzeichen geben, dürfte das - ebenso wie hinter den Schätzungen zurückbleibende Werte - für sinkende Renditen sorgen.

Am Nachmittag wird neben mit dem regionalen Indikator der Kansas City-Fed der endgültige Wert des Indikators der Uni Michigan für den November veröffentlicht.

Die Verbraucherstimmung dürfte erneut signalisieren, dass der US-Konsument die treibende Kraft hinter dem Wirtschaftaufschwung in den USA bleibt. Auf den robusten privaten Verbrauch wiesen die US-Notenbanker in den letzten Wochen ebenfalls immer wieder hin. Daher dürfte selbst ein etwas hinter der Schnellschätzung zurückbleibender Indikatorwert einen kleinen Renditerückgang bei den Treasuries auslösen.

Bonitätsüberprüfungen

Für den Freitagabend ist die Veröffentlichung einiger aktualisierter Bonitätseinschätzungen geplant: DBRS will sich mit Estland und Lettland beschäftigen. Die Überprüfungsergebnisse von Lettland werden außerdem planmäßig von S&P Global bekannt gegeben. Fitch will Aktualisierungen zu Island, Österreich sowie Portugal publizieren.

Die Bonitätsnoten von Lettland, Österreich und Portugal sind mit positiven Ausblicken versehen. Im Fall von Lettland und Portugal wurde der Ausblick am 24. Mai auf positiv gesetzt, so dass es wenig wahrscheinlich ist, dass die Beurteilung der Kreditwürdigkeit beider Länder bereits etwas mehr als ein halbes Jahr später um eine Stufe angehoben werden könnten.

Fitch führt auch Österreich mit einem positive Ausblick auf das Rating, bereits seit 20. Juli 2018. Entsprechend ist hier ebenfalls ein Anhebung der Bonitätsstufe auf dann “AAA” möglich. Allerdings könnte die Ratingagentur wegen der noch laufenden Regierungsbildung in Österreich von eine Verbesserung der Bonitätseinschätzung absehen.

MEHR: Der Tag mit Bloomberg: Bankenkongress Frankfurt, Vonovia-Hembla

Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

©2019 Bloomberg L.P.