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Renten am Morgen: Wie gewonnen, so zerronnen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Einhergehend mit der Stimmungsverbesserung an den Kapitalmärkten haben die Staatsanleihen aus den Kernländern ihre Gewinner vom Montag am Dienstag weitestgehend hergeben müssen.

Ohne dass es sehr starke Anschlussimpulse wie beispielsweise einige Tage mit deutlichen Kursverlusten bei riskanteren Vermögensanlagen gibt oder die wirtschaftlichen Perspektiven sich so stark eintrüben, dass Zinssenkungsfantasie aufkommt, werden die Kernlandbonds es schwer haben, dauerhaft noch niedrigere Renditen zu erreichen. Entsprechend werden die Schnellschätzungen für die Einkaufsmanagerindizes aus verschiedenen Ländern des Euroraums sehr viel Aufmerksamkeit erhalten.

Die Peripherie konnte von dem Risk-on am Dienstag profitieren. Die Renditen der Staatspapiere sowohl von der iberischen Halbinsel als auch aus Italien gingen zurück. Besonders ausgeprägt war dieser Rückgang bei BTPs. Gegenüber Bundesanleihen gingen ihre Renditeaufschläge zwischen rund vier Basispunkten am kurzen und rund neuen am langen Ende der Zinskurve zurück.

Die Rendite der 30-jährigen BTPs verzeichnete den zweiten Tag in Folge bereits ein neues Allzeittief. Die Rendite der 10-jährigen Papiere liegt nur leicht über dem Tiefststand von Anfang September 2019. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, wann nun auch diese Marke fällt.

Der Spread, den die BTPs bieten, dürfte weitere Investments anziehen.Der Ausgang der Regionalwahlen sowie die Annahme des Referendums zur Verkleinerung des Parlaments ließen die Investmentampel für italienische Staatspapiere bei den Anlegern wohl auf grün springen. Dennoch liegen auch vor einer gestärkten römischen Regierung Herausforderungen. Es muss der Haushalt für das kommende Jahr aufgestellt werden. Die Mittel aus dem Aufbaufonds müssen so investiert werden, dass sie das Potenzialwachstum langfristig anheben.

Der gemeinsame Auftritt des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell mit dem US-Finanzminister Steven Mnuchin brachte inhaltlich nichts Neues. Erwartungsgemäß zeichnete der Fed-Chef ein etwas optimistischeres Bild von der wirtschaftliche Entwicklung in den USA, ohne zu vergessen, auf die zahlreichen Risiken hinzuweisen. Er machte zugleich deutlich, die Fed werde die Geldpolitik weiter lockern, sofern das erforderlich sei.

Powell hob zudem hervor, dass der fiskalische Stimulus dazu beigetragen habe, den privaten Verbrauch und damit die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Dementsprechend forderte er ebenso wie der US-Finanzminister die Vertreter des Repräsentantenhauses dazu auf, eine weiteres Fiskalpaket auf den Weg zu bringen. Die Aussagen hatten keine Wirkung auf die Kursentwicklung der Treasuries. Das dürfte sich bei Powells zweitem Auftritt in dieser Woche am Mittwochnachmittag nicht ändern. Neues wird er kaum zu berichten haben.

Ein weiteres Fiskalpaket dürfte jedoch ein Wunschtraum bleiben, da die Forderungen von Demokraten und Republikanern weit auseinander liegen. Immerhin konnten sich beide Parteien auf eine Vereinbarung einigen, die einen Shutdown der öffentlichen Verwaltung Ende September verhindert. Allerdings ist die Finanzierung der Verwaltung mit der Übereinkunft nur bis zum 11. Dezember gesichert, sofern der Senat zustimmt. Haushalt und potenzieller Shutdown könnten es vor dem Jahreswechsel weit nach vorn auf der Sorgenagenda der Investoren bringen.

Die Vorgaben aus dem asiatischen Handel für den Start in Europa deuten auf eine Fortsetzung des Risk-on hin. Gerade die US- und europäischen Aktienfutures liegenüberwiegend im Plus. Die Treasuries notieren kaum geändert.

Der Tag mit Bloomberg: Wohnmobil-IPO; Europa-Futures freundlich

Dier Staatsanleihen aus den Kernländern dürften wenig geändert in den Tag starten. Die Aussagen von Yves Mersch, wonach die Übertragung der Regelungen für den Erwerb von Anleihen und Geldmarktpapieren im Zuge des PEPP auf das APP rechtliche Probleme mit sich bringen würde, dürfte hingegen ohne Wirkung auf die Entwicklung der Bondkurse sein.

Damit die Renditen jedoch auf dem aktuell niedrigen Niveau verharren, müsste es einige schlechte Nachrichten bzw. eine Eintrübung des Risikosentiments im Tagesverlauf geben.

Die Bonds aus der Peripherie sollten ihre Outperformance vom Dienstag zu Handelsbeginn am Mittwoch fortsetzen können. Nach den deutlichen Kursgewinnen am Montag und Dienstag könnte es allerdings zu einer kurzen Verschnaufpause kommen.

Konjunkturdaten

Die Veröffentlichung des deutschen GfK-Konsumklimas blieb zu Handelsbeginn ohne Wirkung auf die Bondkurse. Das dürfte auch für die Bekanntgabe der endgültigen Wachstumszahlen aus Spanien für das zweite Quartal gelten. Nach dem starken Einbruch zählt nur der Blick nach vorn, der durch die Probleme im Tourismus sowie den massiv gestiegenen Virusfallzahlen erneut getrübt sein wird.

Zudem steht die Minderheitsregierung von Pedro Sanchez vor der schwierigen Aufgabe, die Haushaltsplanung für das kommende Jahr durch das Parlament zu bekommen. Nicht zuletzt führten die politischen Rahmenbedingungen zu der Senkung des Ausblick auf das spanische Rating durch S&P Global.

Mit den Schnellschätzungen für die Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, Frankreich, dem Euroraum und am Nachmittag den USA für das verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe wird es etwas mehr Klarheit geben, ob der Aufschwung bereits wieder an Fahrt verliert.

Im Vergleich zum August sollen sich die Septemberwerte kaum verbessert haben. Gemäß der Konsensusprognosen werden sie zwar etwas oberhalb der Marke von 50 Punkten erwartet, so dass die Zeichen weiterhin auf Expansion der Wirtschaftsleistung stehen. Es sieht jedoch danach aus, als ob der Aufschwung an Dyanmik verlieren könnte. Sollte die Konsensusprognosen als zutreffend erweisen, sind Kursgewinne bei den Staatsanleihen aus dem Euroraum wahrscheinlich.

Neben den Einkaufsmanagerindizes stehen in den USA vor allem Aussagen von US-Notenbankern auf der Agenda. Zu dem zweiten Auftritt von Jerome Powell kommen mit Charles Evans, Raphael Bostic, Mary Daly, Eric Rosengren, Loretta Mester, Neel Kashkari und Randal Quarles (letzte drei stimmberechtigt) geben sieben weitere US-Notenbankvertreter Kommentare ab.

Danach dürfte es einen ganz guten Überblick geben, wie groß die Übereinstimmungen und Differenzen im Hinblick auf die Beurteilung der wirtschaftlichen Perspektiven, der geänderten Fed-Strategie, der Notwendigkeit von weiterem geldpolitischen und fiskalischen Stimulus usw. sind. Aufgrund der Stimmenvielfalt sollte es etwas dauern, bis die Treasuries alle Botschaften verarbeitet haben. Sofern die Notenbanker die Risiken für die wirtschaftlichen Perspektiven der USA betonen, was wahrscheinlich ist, werden die Treasury-Kurse vermutlich zulegen können.

Primärmarkt

Die deutsche Finanzagentur, Lettland und Malta werden am Mittwoch am Kapitalmarkt aktiv. Die Finanzagentur wird die 15-jährige Benchmark um 3,5 Milliarden Euro aufstocken. Im aktuellen Stimmungsumfeld dürfte die Platzierung ohne größere Zugeständnisse möglich sein.

Das lettische Schatzamt wird das umlaufende Volumen der bis Juli 2027 laufenden Anleihe erhöhen. Erstemission und Aufstockungen waren bislang immer 20 Millionen Euro groß. Entsprechend dürfte die anstehende Volumenserhöhung in diesem Bereich ausfallen, was absorbiert wird.

Malta wird mit drei neuen Anleihen auf die Anleger zugehen. Mit den Bonds mit Laufzeiten 2025, 2027 und 2031 sollen 120 Millionen Euro erlöst werden. Das Volumen kann bis auf 200 Millionen Euro aufgestockt werden. Vor Aufnahmeprobleme dürfte das den Kapitalmarkt nicht stellen, zumal das Land nicht sehr häufig am Kapitalmarkt auftritt.

Am Abend wird das Treasury seine Wochenrefinanzierung mit der Aufstockung des aktuellen 2-jährigen Floaters um 22 Milliarden Dollar sowie einer neuen 5-jährigen T-Note fortsetzen. Diese soll 53 Milliarden Dollar in die Kasse spülen. Die weitestgehend problemlose Platzierung der 2-jährigen T-Notes am Dienstag dürfte nicht zwingend Vorbildcharakter haben, da die Rendite dieser kurzlaufenden Papiere durch die Fed Funds mehr oder weniger auf dem aktuellen Niveau festgenagelt ist.

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