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Renten am Morgen: Fitch plant Update zum Rating Italiens

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Fitch plant Update zum Rating Italiens

(Bloomberg) -- Die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum haben am Donnerstag in etwa auf dem Niveau vom Vortag geschlossen. Am langen Ende der Kurve gab es nur geringfügige Renditerückgänge, am kurzen ebenso geringe Renditeanstiege.

Die Bewegung bei den Kurzläufern ist auf den Auftritt der Präsidentin der Europäischen Zentralbank zurückzuführen, die während ihres Auftritts vor Vertretern des Europäischen Parlaments die Meßlatte für weitere geldpolitische Lockerungen hoch legte. Die rückläufigen Renditen der langlaufenden Treasuries am späten Nachmittag dürften für die geringfügig gesunkenen Renditen der europäischen Staatspapiere gesorgt haben. Die Peripherie zeigte über die Kurve eine ganz leichte Underperformance.

Das portugiesische Parlament verabschiedete am Donnerstagnachmittag endgültig den Haushalt für das laufende Jahr. Esrtmals seit Jahrzehnten wird mit einem kleinen Überschuss geplant. Das könnte sich längerfristig positiv auf die Performance der portugiesischen Bonds auswirken, obwohl sowohl Renditen als auch Spreads zu den Anleihen des spanischen Nachbarn sehr gering sind.

Immerhin zeigt die portugiesische Regierung, dass man auch mit einer Minderheitsregierung für politische und fiskalische Stabilität sorgen kann. Dieser Nachweis muss von der spanischen Regierung erst noch erbracht werden. Die Sanchez-Regierung ist im letzten Jahr bereits einmal mit ihren Haushaltsplanungen gescheitert, was zu Neuwahlen führte.

Handel steht ebenfalls wieder auf der Agenda. Die Gespräche zwischen der Europäischen Union und den USA zu einem Handelsabkommen wurden fortgesetzt, ohne dass es konkrete Ergebnisse gab. Weitere Gesprächsrunden werden folgen. Außerdem bekannten sich der amerikanische und der chinesische Präsident zur Einhaltung der Vereinbarungen aus dem Phase-eins-Abkommen. Für China dürfte es nach dem Ausbruch der Virusinfektion dennoch eine Herausforderung werden, alle Vereinbarungen termingerecht einzuhalten.

Nach dem Risk-on der vergangenen Tage wurden die Anleger am Freitagmorgen zurückhaltender. Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen steigt weiter, und es zeichnet sich kein Ende der Maßnahmen ab, mit dem seine Ausbreitung eingedämmt wird. Die wirtschaftlichen Folgen lassen sich immer noch nicht abschätzen, obwohl von Aufholeffekten nach Ende der Krise ausgegangenen werden kann.

Die Aktienmärkte in Asien gaben überwiegend leicht nach, erholten sich jedoch von ihren Tiefständen. Die US-Aktienfutures notierten nach Verlusten am frühen Morgen um die Nulllinie. Treasuries konnten geringe Renditerückgänge behaupten. Die Staatspapiere aus dem Euroraum sollten mit diesen Vorgaben kaum geändert zum Vortagsschluss in den Freitag starten. Vor dem US-Arbeitsmarktbericht dürfte die Handelsaktivität sowieso überschaubar ausfallen.

Außerdem wird der halbjährliche Bericht zur Geldpolitik an den Kongress am frühen Abend übermittelt. Dieser ist Basis für die Auftritte von Jerome Powell am Dienstag und Mittwoch vor beiden Kammern des US-Parlaments. Wahrscheinlich wird die Fed ihre abwartende Position hinsichtlich Geldpolitik noch einmal argumentativ untermauern. Einfluss auf die Treasury-Notierungen sind davon allenfalls am kurzen Ende möglich, wenn Erwartungen an Leitzinssenkungen weiter ausgepreist werden sollten.

Konjunkturdaten

Die Daten zur deutschen Handelsbilanz im Dezember fielen im Rahmen der Schätzungen aus, allerdings ging die Industrieproduktion der größten Volkswirtschaft Europas zum Jahresende überraschend deutlich zurück. Die schwachen Daten zu den Auftragseingängen der deutschen Industrie vom Vortag lassen - trotz der aufgehellten Stimmungsindikatoren - eine Belastung des Wachstums durch das produzierende Gewerbe erwarten.

Weitere Daten zur Industrieproduktion stehen aus Frankreich und Spanien an. Dort soll es im Jahresvergleich nicht ganz so düster aussehen wie in Deutschland. Mit erwarteten Anstiegen von 1% bzw. 2,1% im Vorjahresvergleich würde die Dynamik aber nicht sonderlich hoch ausfallen. Zudem steht bei dem Wert für Frankreich wegen der Streiks ein Fragezeichen. Nachhaltigeren Einfluss auf die Renditen dürften die Daten nicht haben. Sie sind bereits in den Wachstumswerte für das vierte Quartal enthalten. Daher ist allenfalls mit einer kurzen Reaktion zu rechnen, wenn sie schwach ausfallen.

Die wichtigste Informationen werden am Nachmittag mit dem US-Arbeitsmarktbericht bekannt gegeben. Erwartet wird ein Anstiieg der Beschäftigung außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors um 165.000 - weit weniger als der ADP-Bericht meldete. Auch die Flüsterschätzungen gehen nur von einem Zuwachs von 178.000 aus. Die Erwartungen an den Arbeitsmarktbericht stiegen nach Veröffentlichung des ADP-Berichts sukzessive.

Neben der Zahl der neuen Stellen werden vor allem der Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne sowie Entwicklung der Unterbeschäftigungsquote zu achten sein. Die Lohndynamik ließ in den vergangenen Monaten per Saldo deutlich nach. Eine Trendwende könnte die Kurse der Treasuries durchaus unter etwas stärkeren Abgabedruck bringen. Die erwarteten 3% im Vorjahresvergelich werden dazu jedoch nicht ausreichen. Erst Werte deutlich über 3% sollten zu Reaktionen an den Bondmärkten führen. Es muss deutlich werden, dass die Vollbeschäftigungssituation auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich zu höheren Löhnen führt.

Aktualisierungen von Bonitätseinschätzungen

Für den Freitagabend ist die Veröffentlichung der Ergebnisse von Ratingüberprüfungen für drei Euroländer geplant. DBRS will die Ergebnisse der Einschätzung zu Österreich veröffentlichen. Fitch plant, neue Informationen zur Kreditwürdigkeit Italiens zu veröffentlichen. Moody’s wird einen Blick auf Malta werfen.

Während Malta und Österreich über stabile Ausblicke auf ihre jeweiligen Bonitätsnoten verfügen, eine Änderung der Einstufung entsprechend unwahrscheinlich ist, ist der Ausblick auf die italienische Bonitätseinstufung negativ. Der negative Rating-Ausblick besteht seit 31. August 2018, so dass die Herabstufung durchaus möglich ist.

Sollte sich der Bonitätswächster zu diesem Schritt entschließen, läge das Rating dann mit BBB- ein Stufe über dem Sub Investment Grade-Bereich, vergleichbar mit der Einschätzung von Moody’s. Um die Ratingtermine herum gab es bei den italienischen Bonds immer wieder etwas stärkere Bewegungen, denn die Sorge, das Land könne seinen Investment Grade Status irgendwann einmal verlieren, schwingt mit.

Allerdings bemühte sich die Regierung in Rom darum, fiskalpolitisch nicht über alle Stränge zu schlagen. Das zusammen mit dem Abwarten, ob sich die Erwartungen der Regierung erfüllen, könnte die Bonitätswächter davon abhalten, das Rating zu verschlechtern. Außerdem besteht ja auch die Möglichkeit, dass sich Fitch gar nicht äußert.

Ganz ohne Wirkung würde eine Herabstufung auf den BTP-Renditen nicht sein. Sie dürften dann etwas steigen. Das Investment Grade bei allen vier großen Agenturen wäre jedoch immer noch nicht gefährdet. Und im Hinblick auf die Einbeziehung in das Anleiheankaufprogramm ist vor allem die höchste Bonitätseinschätzung des Landes relevant. DBRS billigt Italien ein BBB(H)-Rating mit stabilem Ausblick zu. Es bräuchte also drei Abstufungen, damit auch DBRS ein Rating im Sub Investment Grade-Bereich für Italien hätte.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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