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Renten am Morgen: EZB steht am Donnerstag unter Zugzwang

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: EZB steht am Donnerstag unter Zugzwang

(Bloomberg) -- Die Kurse der Staatsanleihen haben am Dienstag einer abnehmenden Risikoaversion trotzen können. Die Papiere aus dem Euroraum schlossen überwiegend mit leichten Renditerückgängen. Die Bundesanleihen bildeten bei den Kernländern das Schlusslicht. Die Rendite der 30-jährigen Papiere verharrte im positiven Bereich.

Die Semi-Kernländer führten die Gewinnerliste an. Als bekannt wurde, dass das italienische Schatzamt ein Konsortium mit der Platzierung einer neuen 10-jährigen Anleihe betraute, gab die Peripherie angeführt von Italien ihre Kursgewinne teilweise ab. Die Kurse italienischer Schuldpapiere drehten am langen Ende der Kurve sogar ins Minus.

Am kurzen Ende blieb es bei den BTPs jedoch bei Kursgewinnen. Hier wirft möglicherweise die nächste TLTRO-III-Refinanzierungsrunde ihre Schatten voraus. Schließlich können sich die Banken unter bestimmten Voraussetzungen zu -1% refinanzieren. Die aufgenommen Mittel können zur Kreditvergabe oder für Carry-Trades genutzt werden, und hier bietet das kurze Ende der italienischen Kurve die höchsten Renditen aller Staatsanleihen mit Investment Grade-Rating aus dem Euroraum.

Die Bekanntgabe der Daten zu den Anleiheankäufen der Europäischen Zentralbank im Zuge des APP und des PEPP hielt durchaus Überraschungen bereit. Mit Käufen von rund 22,8 Milliarden Euro in der Berichtswoche ließ die Dynamik bei den Käufen etwas nach.

Insgesamt beträgt das PEPP-Volumen nun 234,7 Milliarden Euro, die Auslastung des Programms liegt bei 31,3%. Vom Gesamtvolumen der bisherigen Käufe entfallen 186,6 Milliarden Euro oder 79,5% auf Staatsanleihen. Entsprechend dürfte die Diskussion um Aufstockung, Verlängerung und Wiederanlage von fällig gewordenen Beständen das dominierende Thema für die morgige Tagung des EZB-Rats sein. Liefert die EZB am Donnerstag keine Erhöhung des PEPP-Volumens, dürften massive Enttäuschungen vorprogrammiert sein.

Die Überraschungen steckten in der Zusammensetzung der Ankäufe. Erwartungsgemäß wurde bei den Ankäufen vom Kapitalschlüssed der EZB abgewichen. Die größten Nutznießer davon waren Italien und zu einem kleineren Teil Spanien. Ansonsten hielten sich die Abweichungen mit einer Ausnahme in Grenzen, denn sie gingen nicht Zulasten von Ankäufen von deutschen Staatsanleihen, sondern französischen Staatspapieren.

Trotzdem konnten sich die Spread von französischen gegenüber deutschen Staatsanleihen in den letzten Wochen tendenziell leicht einengen. Es sieht also danach aus, als ob die Investoren doch auf die Emissionsflut aus Deutschland im Rahmen der Konjunkturprogramme reagieren und sich etwas in Zurückhaltung bei Käufen des sichersten Assets aus dem Euroraum üben.

Und das Ende der Fahnenstange ist hinsichtlich zusätzlicher deutscher Verschuldung noch nicht erreicht. Der Koalitionsausschuss setzt am heutigen Mittwoch seine Beratungen über das nächste Konjunkturpaket fort. Am Ende könnte es zu einer abermaligen Ausweitung der Inanspruchnahme des Kapitalmarktes kommen.

Andere Länder dürften dem Beispiel Deutschland mit eigenen zusätzlichen Konjunkturprogrammen folgen. So plant Finnland, die Wirtschaft durch zusätzliche fiskalpolitische Stimuli zu unterstützen, wodurch sich die Nettokreditaufnahme um 5,3 Milliarden auf nunmehr 18,8 Milliarden Euro erhöhen wird. Auch von den kleineren Euroländern wird es zusätzliches Material geben. Die Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte wird weiteren Tests unterzogen.

Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel dürfte den Staatsanleihen aus dem Euroraum ein Auftakt mit Kursverlusten bevorstehen.

Der Tag mit Bloomberg: Weiter Börsenerholung; Fokus: Berlin, EZB

Die Peripherie dürfte es dabei nicht ganz so stark treffen wie die Kernländer. Allerdings dürften sich italienischen Bonds aufgrund der zu erwartenden Platzierung der neuen 10-jährigen BTP schwertun, mit der Performance der übrigen Peripherie mitzuhalten.

Konjunkturdaten

Nach einem leeren Datenkalender ist er am Mittwoch gut gefüllt. Bereits veröffentlicht wurden die Information zum Caixin Einkaufsmanagerindex für das chinesische Dienstleistungsgewerbe. Der Indikator sprang mit 55 Punkten im Mai deutlich über die Marke von 50 Punkten. Scheinbar normalisiert sich die Lage im Dienstleistungsbereich allmählich. Das dürfte durchaus zur guten Stimmung in Asien beigetragen haben.

Einkaufsmanagerindizes für das Dienstleistungsgewerbe stehen auch für einzelne Euroländer auf der Agenda. Dabei sind es weniger die bereits veröffentlichten Schnellschätzungen für Deutschland, Frankreich und den Euroraum, sondern die Daten aus Italien und Spanien, die von Interesse sind und die Bondkurse möglicherweise ein wenig bewegen können.

Nach den sehr schwachen Daten aus dem April soll es zu einer erheblichen Stimmungsverbesserung im Mai gekommen sein. Die Indikatoren werden dennoch tief im Rezessionbereich bleiben. Geld- und fiskalpolitische Unterstützung sind weiterhin gefordert.

Außerdem wird der deutsche Arbeitsmarktbericht für den Mai veröffentlicht, der gemäß der Prognosen der von Bloomberg befragten Volkswirte trotz Kurzarbeiterregleung allmählich Schleifspuren der wirtschaftlichen Krise zeigen soll. Auch aus anderen Euroländern werden Arbeitslosenquoten gemeldet, jedoch für den April.

Da es sich beim Arbeitsmarkt um einen nachlaufenden Indikator handelt, wird das komplette Ausmaß der Krise dort erst mit Verzögerung sichtbar. Auswirkungen auf die Anleihekurse werden die deutschen Arbeitsmarktdaten nur in dem Fall eines massiven Anstiegs der Arbeitslosenzahl haben. Das sollte die Bondkurse dann stützen.

Der ADP-Beschäftigungsbericht dürfte erneut katastrophal ausfallen. Zusammen mit der wöchentlichen Zahl an Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung ist somit ein erneut sehr schwacher US-Arbeitsmarktbericht am Freitag zu erwarten. Diese Daten zusammen mit einer nur gering erwarteten Anstieg des ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe dürfte die Kurse der Treasuries trotz Risk-on stützen.

Primärmarkt

Mit geplanten Emissionen am Kapitalmarkt werden die deutsche Finanzagentur sowie Lettland auftreten. Deutschland wird die aktuelle Bundesobligation um 4 Milliarden Euro aufstocken.

Abgesehen von der Erstemission und der letzten Aufstockung Ende Mai waren jeweils technische Unterdeckungen zu verzeichnen. Allerdings ist das Renditeniveau aktuell etwas höher als bei den vergangenen drei Aufstockungen, so dass es mit ein paar Renditezugeständnisse zu einer erfolgreichen Platzierung ohne erneute Unterdeckung kommen könnte.

Das noch rund zwei Jahre laufende lettische Papier dürfte sich problemlos unter die Anleger bringen lassen. Das Volumen der Aufstockung dürfte sich im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich befinden.

Außerdem mandatierte Italien am Dienstag ein Konsortium für die Platzierung einer neuen 10-jährigen Staatsanleihe mit einer Laufzeit bis zum 1. Dezember 2030. Die Platzierung dürfte am Mittwoch erfolgen, also einen Tag vor der Bekanntgabe der Ergebnisse der Tagung des EZB-Rats.

Möglicherweise möchte das italienische Schatzamt dem Risiko aus dem Weg gehen, dass die EZB mit Änderungen am PEPP noch wartet. Trotz des gewählten Zeitpunkts für die Platzierung dürfte es erneut ein großes Orderbuch geben, wobei die Höhe auch von den Zugeständnissen bei den Konditionen abhängig sein wird.

Auch die Europäische Union mandatierte eine Konsortium mit der Platzierung einer neuen Anleihe mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Das Volumen wird 500 Millionen Euro betragen. Die Mittel werden an die Ukraine als Kredit vergeben.

Außerdem wird das griechische Schatzamt fällige Geldmarktpapiere durch eine Neuemissionen mit halbjährlicher Laufzeit ersetzen. Die Emission soll mindestens 1 Milliarde Euro, bei Fälligkeiten in selber Höhe, umfassen. Platzierungsschwiergkeiten sind nicht zu erwarten. Die Laufzeit macht das Papier durch die EZB ankaufbar.

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