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Renten am Morgen: Emissionswelle via Syndikat ist im Anmarsch

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Emissionswelle via Syndikat ist im Anmarsch

(Bloomberg) -- Nach den teils kräftigen Kursverlusten in der Vowoche haben Staatsanleihen aus den Kernländern am Montag eine Verschnaufpause eingelegt. Bis zum Handelsschluss blieben über die gesamten Zinskurven, die allesamt vom langen Ende her etwas flacher wurden, Renditerückgänge übrig. Der Aufwärtstrend der Renditen der Bundesanleihen ist trotz des leichten Rückgangs intakt.

Die Staatspapiere aus der Peripherie konnten mit der Performance der Kernländer nicht mithalten. Die Kurse spanischer und vor allem griechische Bonds gaben nach, was auf die Mandatierung von Platzierungskonsortien für neue Staatsanleihen zurückzuführen sein dürfte.

Trotz der damit einhergehenden Spreadausweitung gegen die Anleihen aus den Kernländern am Montag ändert das wenig am grundsätzlichen Trend weiterer zu erwartender Spreadeinengungen der Peripherie zu Kernländern. Schließlich bleibt die Europäische Zentralbank über ihre Anleihekäufe aktiv. In der abgelaufenen Woche wurden im Rahmen des PEPP erneut rund 25,5 Milliarden Euro an Staatsanleihen und Geldmarktpapieren angekauft. Dazu kamen weitere rund 9,9 Milliarden Euro über das PSPP. Insgesamt beliefen sich die Ankäufe also mehr als 34 Milliarden Euro.

Als weitere Voraussetzung für eine anhaltende Verringerung der Kreditrisikoaufschläge der Peripherie ist die Einigung auf die Bedingungen für die Wiederaufbaufonds der Europäischen Kommission. Eine schnelle Übereinkunft mahnte auch die Notenbankpräsidentin in ihrem Auftritt vor Vertretern des Europäischen Parlaments an.

Hier kommt dem Treffen von Ecofin heute besondere Bedeutung zu. Zumindest dürften nach Ende des Treffens die Sollbruchstellen für den Wiederaufbaufonds auf dem Tisch liegen, so dass an einem Kompromiss gearbeitet werden kann. Sollten diese Bruchstellen zu weit von den Vorschlägen der EU-Kommission entfernt liegen, dürfte sich das zumindest kurzfristig negativ auf die Renditeentwicklung der Peripheriebonds auswirken.

Außerdem sicherte die Notenbankchefin zu, bei der Lösung des Problems mit dem Urteil des BVerfG zu unterstützen. Diese Aussagen sollten zur Beruhigung der Investoren beitragen, obwohl nur noch bis Anfang August Zeit bleibt, die entsprechende Dokumente für das BVerfG zu erarbeiten. Das Risiko, die Bundesbank könne sich nicht mehr am APP beteiligen, dürfte sich verringert haben.

Am heutigen Dienstag beginnt die Tagung des FOMC. Am Montag stellte die US-Notenbank in Aussicht, dass die Kriterien für eines ihrer Kreditprogramme bald gelockert werden, so dass mehr kleinere und mittlere Unternehmen einen Zugang zu dieser Fazilität erhalten. Dabei handelt es sich um eine zusätzliche Maßnahme, die US-Wirtschaft zu stützen.

Mit Blick auf die geldpolitischen Entscheidungen dürften es von den US-Notenbanker wenig Neues geben. Ihre Geldpolitik ist bereits ultra-expansiv. Entsprechend schwer dürfte es dem US-Notenbankpräsidenten, Jerome Powell, am Mittwochabend fallen, für weitere positive Impulse für die Treasuries zu sorgen.

Die Vorgaben für den Start in den Handel mit Staatsanleihen aus dem Euroraum sind uneinheitlich. Die US- und europäischen Aktienfutures notierten um ihren Vortragsschluss. Die Treasuries konnten ihre Gewinne aus dem US-Handel am Dienstagmorgen ausbauen. Gestern fanden sich bei einer Rendite für 10-jährige T-Notes um 0,93% trotz deutlich zulegender US-Aktienkurse Käufer.

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Das sollte den Staatsanleihen aus den Kernländern zu Handelsbgeinn zu leichten Kursauftrieb verhelfen. Allerdings dürften die zahlreichen geplanten und syndizierten Emissionen von verschiedenen Euroländern tendenziell auf die Performance drücken, so dass die Bondkurse bereits relativ schnell nach der Öffnung nachgeben dürften.

Erst mit Abschluss der Transaktionen könnte es wieder Kursgewinne geben, wobei das jedoch auch von der Höhe der Renditezugeständnise bei der Platzierung abhängig sein wird.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsdaten werden erneut keinen Einfluss auf das Handelsgeschehen an den Bondmärkten nehmen. Die deutschen Außenhandelsdaten aus dem April werden ebenso wie die Daten aus dem Mai sehr schwach ausfallen. Wesentliche Absatzmärkte waren geschlossen. Die deutsche Produktion kam im April weitestgehend zum Erliegen.

Auch der endgültige Wert für das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum für das erste Quartal wird nichts Überraschendes bereit halten. Die Wirtschaft schrumpfte deutlich.

Immerhin soll sich die Stimmung der US-Kleinunternehmen leicht verbessert haben. Das dürfte auf due ersten Lockerungsmaßnahmen zurückzuführen sein. Bewegung in die Treasury-Kurse dürften die Information jedoch nicht bringen.

Primärmarkt

Am Dienstag sind zahlreiche syndizierte Emissionen zu erwarten, denn sowohl Irland als auch Griechenland sowie Spanien mandatierten Banken mit der Platzierung neuer Anleihen.

Das irische Schatzamt sagte die geplante Emission am 11. Juni Zugunsten einer Neuemission einer 10-jährigen Staatsanleihe ab. Griechenland wird ebenfalls eine neue 10-jährigen Benchmark anbieten. Spanien entschied sich für eine Laufzeit von 20 Jahren. Durch die unterschiedlichen Risikoprofile der Emittenten dürften sich die Platzierungen nicht allzu stark gegenseitig beeinflussen.

Die Orderbücher dürften bei entsprechenden Renditezugeständnissen groß ausfallen. Neue Rekorde sind aufgrund der zahlreichen Emissionen nicht zu erwarten. Immerhin dürfte die Platzierung der Bonds durch einen wesentlichen Faktor unterstützt sein: Sie werden allesamt positive Platzierungsrenditen aufweisen. Nichtsdestotrotz dürften die Zinskurven der einzelnen Länder am langen Ende in Abhängigkeit vom Renditezugeständnis bei der Platzierung unter Angabedruck stehen.

Neben zahlreichen Geldmarktpapieren werden sowohl die deutsche Finanzagentur als auch das niederländische Schatzamt mit geplanten Aufstockungen aktiv.

Die Finanzagentur wird erstmalig den bis 2027 laufenden Bond um 3 Milliarden Euro aufstocken. Die Niederlande wird das umlaufende Volumen der aktuellen 10-jährigen Staatsanleihe ebenfalls um 3 Milliarden Euro erhöhen.

Den Aufstockungen und Neuemissionen aus den Kernländern dürfte im Lauf der Woche Zugute kommen, dass am Freitag eine deutsche Kassenobligation mit einem Volumen von 12 Milliarden Euro fällig wird. Dadurch sollten auch syndizierte Emissionen aus den Kernländern guter Nachfrage erfreuen.

Außerdem gab Italien am Montag bekannt, mit einem neuen Privatanlegerbond - BTP Futura - zwischen den 6. und 10. Juli auf die Kleinanleger zuzugehen. Im Gegensatz zu der BTP Italia, be der es sich um eine inflationsindexierte Anleihe handelt, wird der BTP Futura ein Kuponbond mit im Ablauf steigenden Kupons sein. Nach dem Erfolg mit der Emission der letzten BTP Italia, bei der Kleinanleger rund 14 Milliarden Euro zeichneten, dürfte die italienische Regierung wohl auf einen ähnlichen Zuspruch für das neue Produkt hoffen.

Geldmarkt

Vom belgischen Schatzamt werden zwei Geldmarktpapiere mit drei und elf Monaten angeboten, mit denen zusammen 2,4 Milliarden Euro erlöst werden sollen. Finnland geht mit 9- und 11-Monatsschätzen mit einem Gesamtvolumen von 1 Milliarde Euro auf die Investoren zu. Spanien will bis zu 7 Milliarden Euro mit Papieren mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten erzielen. Slowenien wird insgesamt drei Laufzeiten von drei bis 19 Monaten anbieten.

Immerhin gibt es im Lauf der Woche zahlreiche Geldmarktfälligkeiten: Von Finnland werden 2,35 Milliarden Euro zurückgezahlt, von Spanien am Freitag 7,8 Milliarden Euro und 100 Millionen Euro von Slowenien am Donnerstag.

Am Abend wird das US-Schatzamt neben Cash Management Bills die aktuelle 10-jährige T-Note um 29 Milliarden Euro aufstocken. Die Platzierung der 3-jährigen Papiere verlief am Montag problemlos. Im Vorfeld der Auktion der Langläufer dürften die Investoren jedoch ein paar Renditezugeständnisse einfordern, was das lange Ende der US-Kurve unter etwas Abgabedruck setzen sollte.

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