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Renten am Morgen: Chinesische Daten sorgen für Risk-on-Stimmung

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Chinesische Daten sorgen für Risk-on-Stimmung

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum und mit ihnen die US-Treasuries haben den Handel am Freitag nahezu unverändert beendet. Der am späten Nachmittag auftretenden Renditeanstieg wurde bis zum Handelsschluss weitestgehend egalisiert. Die etwas stärker als prognostizierten Verbraucherpreisanstiege im Euroraum im November blieben damit ohne Wirkung. Von der 2% sind sowohl Kern- als auch Gesamtrate weit entfernt.

Der Auftakt zum Weihnachtsgeschäft scheint zumindest im Online-Bereich in den USA ein voller Erfolg gewesen zu sein. Die Online-Einkäufe legten am Black Friday kräftig zu. Außerdem waren die Konsumenten bereits an Thanksgiving in Einkauflaune.

Damit scheint sich die ausgezeichnete Stimmung der US-Verbraucher im Einkaufsverhalten widerzuspiegeln. Heute geht es mit dem Cyber Monday in die nächste Runde, so dass man in einigen Tagen wohl ein erstes Resumee ziehen kann, wie gut es lief. Das gilt allerdings nicht nur für die USA, sondern auch für Europa.

Neue Informationen zu Fortschritten bei den chinesisch-amerikanischen Handelsgesprächen gab es am Wochenende nicht. China besteht gemäß Global Times jedoch auf einer Rücknahme der US-Zölle für eine erste Handelsvereinbarung. Ein Aussetzen der am 15. Dezember in Kraft tretenden Zölle reicht der chinesischen Administration nicht aus. Es sieht also danach aus, als ob es größere Hürden für eine Einigung gibt.

Der Montag wird im Risk-on-Modus starten. Die Wirtschaftsdaten aus China vom Samstag und vom frühen Montagmorgen werden von den Investoren mit Erleichterung aufgenommen werden.

Der Wert des Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe überschritt im November mit 50,2 Punkten die Marke von 50 Punkten leicht und schlug zugleich die Schätzungen. Die Stimmung im Dienstleistungssektor hellte sich gleichfalls etwas mehr auf als erwartet.

Die Caixin-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zeigte am Montagmorgen ein ähnliches Bild. Mit Werten leicht über 50 Punkten ist das produzierende Gewerbe in China wieder auf einen leichten Wachstumspfad eingeschwenkt.

Die fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen dürften an dieser Entwicklung einen Anteil haben. Das Eis bleibt jedoch dünn, denn nach wie vor drohen höhere US-Schutzzölle, sollte es zu keiner ersten Handelsvereinbarung kommen. Bis zum 15. Dezember sind es nunmehr weniger als zwei Wochen.

Nichtsdestoweniger reagierten die Anleger im frühen asiatischen Handel erleichtert. Das ist an den steigenden Aktienkursen sowie US-Aktiemarkt-Futures ebenso abzulesen wie an den Renditen der US-Treasuries, die ab den mittleren Laufzeiten deutlich zulegen.

Die Rendite der 10-jährigen T-Notes überschritt die 1,8%. Die Zinskurve wurde deutlich steiler. Das dürfte den Staatsanleihen aus den Kern- und Semikernländern zu Handelsbeginn Kursverluste bescheren.

Bei den deutschen Staatsanleihen könnte der Ausgang der Urwahl der SPD am vergangenen Samstag eine Rolle spielen, da das von den SPD-Mitgliedern favorisierte Duo Nobert Walter-Borjans / Saskia Esken den Koalitionsvertrag in einigen Punkten nach verhandeln möchte und die Große Koalition in Frage stellen könnte.

Genaueres wird es jedoch erst auf dem Parteitag am kommenden Wochenende geben, auf dem das Duo an die Parteispitze gewählt werden und die Grundsatzthemen beschlossen werden sollen, die mit dem Koalitionspartner neu verhandelt werden sollen.

Letztlich dürfte das die Anleger ein wenig verunsichern, wovon vorerst die Bund-Peers profitieren sollten. Leichte Spreadeinengungen von niederländischen, österreichischen oder finnischen Staatsanleihen sind möglich. Aufgrund des umlaufenden Volumens an Anleihen könnte auch OATs profitieren.

Von einem Risk-on sollte gerade die Peripherie durch Renditerückgänge profitieren. Bis zur Veröffentlichung der Markit Einkaufsmanagerindizes dürften die Anleger jedoch eher Vorsicht walten lassen.

Aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Gesamtsituation könnten die Kurse der portugiesischen Staatsanleihen ihre Peers zumindest zu Handelsbeginn outperformen.

Irlands Anleihen dürften heute kaum auf ihre Rating-Anhebung vom späten Freitagabend reagieren, denn sie bleiben vor allem von den Nachrichten rund um die Form des Brexit und den Wahlumfragen in Großbritannien getrieben. S&P Global hatte die Bonitätseinschätzung von Irland von “A+” auf “AA-” angehoben, der Ausblick blieb stabil.

Der Auftritt der EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, vor dem Europäischen Parlament wird ebenfalls genau verfolgt werden. Vermutlich wird sie betonen, dass für den Euroraum keine Rezession in Sicht sei, die zahlreichen Risikofaktoren es jedoch notwendig machen, dass die lockere Geldpolitik von einer ebenso lockeren Fiskalpolitik begleitet werden muss.

Lagarde wird also die Euroländer direkt benennen, die fiskalisch mehr tun müssen. Zugleich wird sie versichern, dass der geldpolitische Instrumentenkasten gut gefüllt ist, um gegebenenfalls auch geldpolitisch aktiv zu werden. Unter welchen Umständen das der Fall sein wird, dürfte sie jedoch offen lassen. Insgesamt ist also nichts Neues von ihrem Auftritt zu erwarten.

Konjunkturdaten

Auch im Euroraum stehen datenseitig Einkaufmanagerindizes im Mittelpunkt. Es werden die Markit Daten unter anderem für das verarbeitende Gewerbe aus Italien, Spanien, den Niederlanden sowie endgültige Werte für Deutschland, Frankreich und den Euroraum veröffentlicht.

Eine durchgreifende Verbesserung der Werte erwarten die von Bloomberg befragten Volkswirte nicht. Für Italien und Spanien wird sogar eine erneute, wenn auch nur geringfügige Verschlechterung prognostiziert. Das sollte sich tendenziell stützend auf die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum auswirken.

Zugleich dürfte jedoch die Frage nach den künftigen Wachstumsperspektiven aufgeworfen werden, was insbesondere Italien betrifft, denn ohne eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität wird die Verschuldung des Landes thematisiert werden.

Am Nachmittag werden die Investoren vor allem auf den ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe schauen, dessen Wert sich im November auf 49,2 Punkte verbessert haben soll. Damit läge er fast wieder in einem Bereich, der auf Stagnation in der Industrie hindeutet. Sollte er doch schwächer ausfallen, so dürfte das den Kursen der Treasuries erheblichen Auftrieb geben. Die Bauausgaben sollten dagegen wenig Beachtung finden.

Primärmarkt

Gleich zu Wochenbeginn wird es eine Kapitalmarkttransaktion geben. Litauen wird mit der Aufstockung der bis 17. April 2024 laufenden Anleihe auf die Investoren zugehen. Das Volumen wird erfahrungsgemäß gering ausfallen, so dass die Emission die Anleger vor keine Aufnahmeprobleme stellen wird.

Ansonsten werden lediglich Geldmarktpapiere angeboten. Die Niederlande wird bis zu 2 Milliarden Euro an 6-Monatspapieren platzieren. Aus Frankreich werden 3, 5, und 12 Monate laufende Schätze mit einem Gesamtvolumen von 4,8 Milliarden Euro angeboten.

Während die Platzierung der Geldmarktpapiere aus den Niederlanden ohne Unterstützung durch Fälligkeiten auskommen müssen, werden französische Schätze am 4. Dezember in Höhe von 4,6 Milliarden Euro fällig. Entsprechend werden dem Geldmarkt 200 Millionen Euro durch die Emission entzogen, was verkraftbar sein sollte.

Am Abend wird das US-Schatzamt ebenfalls am Geldmarkt aktiv. Es werden 3- und 6-Monats-T-Bills mit einem Gesamtvolumen von 78 Millarden Dollar angeboten, was 6 Milliarden Dollar weniger sind als in der Vorwoche.

Fällig werden am 3. Dezember 95 Milliarden Dollar an Geldmarktpapieren. Dazu kommen 91,4 Milliarden Dollar zuzüglich Zinszahlungen an fällig gewordenen Treasuries. Entsprechend werden die Geldmarktpapiere problemlos zu platzieren sein.

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Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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