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Renten am Morgen: Carry und Spreadkompression stehen im Fokus

Dirk Gojny
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Renten am Morgen: Carry und Spreadkompression stehen im Fokus

(Bloomberg) -- Bis zum Handelsschluss am Dienstag haben die Staatsanleihen aus dem Euroraum ihre Renditerückgänge gehalten. Am langen Ende der Kurven gab es die stärksten Gewinne, so dass sich die Zinskurven etwas abflachten. Die Anleihen von der iberischen Halbinsel konnten etwas deutlichere Gewinne einfahren.

Die Kurse der italienischen Staatsanleihen drehten im Verlauf des Handels vom negativen in positives Terrain. Die Befürchtungen, die Form der Stützung der Banca Popolare di Bari könne zu einer Regierungskrise in Rom führen, scheinen unbegründet zu sein.

Allen an der Regierung beteiligten Parteien wird klar sein, dass eine Regierungskrise in Neuwahlen münden kann. Und die jüngsten Umfragen machen deutlich, dass die aktuellen Regierungsparteien als Verlierer vom Feld gehen würden - insbesondere die Fünf-Sterne-Bewegung. Damit die Koalitionsregierung ins Wanken gerät, müsste es erheblich mehr politische Unstimmigkeiten geben.

Eine nicht besonders hohe Hürde liegt mit der Abstimmung über den Haushalt für 2020 im italienischen Unterhaus noch vor der Regierung. Die dortige Mehrheit der Regierungsparteien sollte ausreichen, um die Zustimmung zu erreichen. Da die BTPs weiterhin die höchste Carry der Staatsanleihen im Euroraum aus dem Investment-Grade-Bereich aufweisen, dürfte die Aussicht auf ein paar politisch ruhigere Tage die Anleger in BTPs locken.

Die anhaltenden Proteste gegen die Pläne einer Rentenreform der französischen Regierung ließen die Investoren mit Blick auf die französischen Staatsanleihen bisher eher kalt.

Weder der französische Notenbankpräsident noch das Statistikamt des Landes erwarten bisher größere negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, was vermutlich beruhigend auf die Anleger wirkt. Halten die Streiks jedoch über Weihnachten an und ziehen sich - wie von einigen Gewerkschaftsvertretern angedroht - in das neue Jahr hinein, dürfte es doch noch zu einer Belastung des Wirtschaftswachstums kommen, auch wenn es nach Ende von Streiks meist Nachholeffekte gibt.

Da Frankreich wegen seiner Haushalts- und Verschuldungsentwicklung von der Europäischen Kommission bereits ermahnt wurde, zöge eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Perspektiven eine Eintrübung der fiskalischen Situation nach sich. Eine Spreadausweitung der OATs gegen Bunds ist dann möglich.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern des Euroraums dürften kaum geändert in den Mittwoch starten. Die Vorgaben aus Asien mit leicht rückläufigen Treasury-Renditen sowie nachgebenden Aktienkursen deuten zwar auf Renditerückgänge zur Eröffnung hin. Allerdings dürften die europäischen Staatspapiere die Aufwärtsbewegung der Renditen der Treasuries nach europäischem Handelsschluss zum Teil noch nachvollziehen.

Mit etwas Ruhe an der Handelsfront ständen die Zeichen auf ruhige Handelstage an den Bondmärkte, die für Carry sprechen, wäre da nicht der Brexit. Durch die vom britischen Premierminister angestrebte harte Deadline für die Verhandlungen über ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union von Ende 2020 bleibt das Risiko des ungeordneten Austritts der Briten bestehen. Das sollte die Bonds der Kernländer tendenziell jedoch stützen.

Konjunkturdaten

Während die deutschen November-Erzeugerpreisdaten zu Handelsbeginn ignoriert wurden, werden die Anleger das Ifo-Geschäftsklima auf Zeichen einer Belebung der wirtschaftlichen Aktivität untersuchen. Die von Bloomberg befragten Volkswirte erwarten eine sowohl von der Aufhellung der Perspektiven als auch der aktuellen Lage getriebene Verbesserung des Gesamtwertes im Dezember um 0,5 Punkte. Die Bodenbildung würde sich bei Eintreffen der Prognose fortsetzen.

Die Kurse der Anleihen aus den Kern- und Semikernländern sollten das mit leichten Verlusten quittieren. Allerdings sollte die etwas schwächer als geschätzt ausgefallene Schnellschätzung des deutschen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe nicht ganz außer Acht gelassen werden.

Trotz unterschiedlicher Grundgesamtheiten für die Ermittlung der Indikatoren ist eine Enttäuschung beim Ifo, die über das verarbeitende Gewerbe in den Indikator hinein spielt, möglich.

Im Verlauf des Tages werden mit den endgültigen Konsumentenpreisdaten, Erzeupreisdaten aus Portugal und dem Verbrauchervertrauen aus Belgien zwar weiteren Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Sollte die Änderung der Konsumentenpreise nicht erheblich von der Schnellschätzung abweichen, wird sie keinen Einfluss auf die Bewegung der Renditen nehmen. Gleiches gilt für die anderen Daten, da sie eher der zweiten Reihe zuzuordnen sind.

Primärmarkt

Das US-Schatzamt wird am Mittwochabend den aktuellen 2-jährigen Floater um 18 Milliarden Dollar aufstocken. Von Fälligkeiten wird die Platzierung nicht unterstützt werden. Die nächsten Treasury-Rückzahlungen erfolgen erst am 31. Dezember. In der Zwischenzeit werden lediglich T-Bills fällig. Mit Floatern dürfte die Aufnahmebereitschaft der Anleger jedoch nicht ernsthaft getestet werden, so dass sie problemlos platziert werden dürften.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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