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Renten am Morgen: Bonds sollten Risk-on wegen Lockdown trotzen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Am Mittwoch sind vor allem die Staatsanleihen der bonitätsschwächeren Euroländer - allen voran griechische und italienische Staatspapiere - unter Abgabedruck geraten. Die Kursverluste führten bei griechischen Bonds zu Renditeanstiegen von mehr als zehn Basispunkten am langen Ende der Zinskurve.

Auf der italienischen Kurve traf es vor allem die mittleren bis langen Laufzeiten etwas stärker, was auf die am heutigen Donnerstag anstehenden Anleiheaufstockungen zurückzuführen sein könnte.

Trotz des Risk-off behaupteten die Staatsanleihen aus den Kernländern nur einen kleinen Teil ihrer Kursgewinne am Mittwoch. Erneut zeigte es sich, dass die Luft für weitere Renditerückgänge der 10-jährigen Bundesanleihen jenseits der -0,6% noch dünn ist. Weitere Kurseinbrüche bei risikobehaftenen Anlagen sowie geldpolitische Lockerungen dürften notwendig werden, damit es mit den Renditen abwärts gehen kann.

Die jüngsten ökonomischen Entwicklungen dürften der Europäischen Zentralbank genügend Argumente für eine Lockerung der Geldpolitik liefern. Abwarten werden die Notenbanker dennoch mindestens bis zum Vorliegen der aktualisierten Projektionen im Dezember.

Dann könnte es auf Basis hochfrequenter Daten absehbar sein, in wie weit die in Kraft getretenen Schritte zur Eindämmung der Virusinfektion auf das Wachstum durchgeschlagen sind. Außerdem dürfte die Notenbank darauf schauen, wie die einzelnen Regierungen und die Europäische Union mit der Situation umgehen, ob also hinsichtlich Fiskalpolitik nachgelegt wird.

Für ein günstiges Refinanzierungsumfeld kann die EZB weiterhin sorgen, auch ohne das Quantative Easing auszuweiten. Das ungenutzte PEPP-Volumen ist für umfangreiche Eingriffe hoch genug.

Wahrscheinlich werden die Notenbanker ihre Handlungsbereitschaft signalisieren und den nächsten geldpolitischen Schritt vorbereiten. Möglicherweise lässt die EZB-Präsidentin bereits durchblicken, welche Instrumente dazu genutzt werden sollen. Schließlich bestünde auch die Möglichkeit, die Ankaufvolumina des PSPP auszuweiten. Da das Programm an den Kapitalschlüssel gebunden ist, könnte dessen Ausweitung im EZB-Rat eher konsensfähig sein, obwohl zahlreiche EZB-Vertreter ihre Präferenz für das PEPP betonten. Sollten die europäischen Notenbanker davon absehen, weitere Lockerungen klar vorzubereiten, wird es Enttäuschung geben. Deutlich anziehenden Renditen wären dann die Folge.

Die US- und europäischen Aktienfutures zeigten im frühen asiatischen Handel ebenso eine Gegenbewegung zu den Kursverlusten vom Mittwoch wie die Treasury-Kurse zu den Gewinnen vom Vortag.

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Doch mit den für Deutschland und Frankreich beschlossenen Lockdowns bis Ende November bzw. Anfang Dezember trüben sich die wirtschaftlichen Perspektiven in Europa erheblich ein, obwohl sich die Regierungen bemühen werden, die finanziellen Schäden abzufedern und sich zurzeit keine erneute Unterbrechung der Lieferketten abzeichnet.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften zwar mit leichten Kursverlusten in den Donnerstag starten. Zudem werden die Investoren vor den Ergebnissen der Tagung des EZB-Rats sowie der Pressekonferenz zurückhaltend bleiben. Im weiteren Tagesverlauf sind jedoch nach der EZB-Pressekonferenz eher Renditerückgänge wahrscheinlich.

Die Peripherie dürfte den Handel dagegen mit leichten Kursgewinnen als Gegenreaktion auf die Verluste vom Mittwoch beginnen. In Portugal drohen aufgrund der inzwischen starken Ausbreitung des Virus ebenfalls Lockdown-ähnliche Schritte.

BTPs sollten aufgrund der Anleiheaufstockungen leicht underperformen. Für die weitere Bewegung der Peripherierenditen wird es darauf ankommen, wie deutlich die EZB weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen heute vorbereitet.

Konjunkturdaten

Donnerstag und Freitag ist der Datenkalender vor allem mit Schnellschätzungen für Konsumentenpreisdaten sowie den Wachstumswerten für das dritte Quartal prall gefüllt.

Die vorläufigen Preisdaten aus Spanien und Deutschland am Donnerstag sowie aus Frankreich, Italien, Portugal und dem gesamten Euroraum dürften im Vormonatsvergleich ganz ordentlich angezogen sein, im Vorjahresvergleich sollen sie gemäß der Schätzungen der von Bloomberg befragten Volkswirte rückläufig ausgefallen sein.

Der EZB werden die Daten weitere Munition für einer Lockerung der Geldpolitik liefern, da ihr Preisziel weit entfernt liegt. Sofern der Preisauftrieb im Jahresvergleich tatsächlich schwach war, sollten die Bondkurse etwas Auftrieb erhalten.

Die BIP-Daten für das dritte Quartal werden den Rentenmärkten dagegen wahrscheinlich nur kurz Impulse geben. Zweistellige Wachtsumsraten werden die Regel und nicht die Ausnahme sein, weil das die Reaktion auf den Einbruch im zweiten Quartal ist und die erneute Verschärfung der Rahmenbedingungen zur Bekämpfung der Auswirkungen der Pandemie erst im Oktober wieder auf den Weg gebracht wurde.

Selbst der erwartet hohe Anstieg der US-Wirtschaftsleistung ist aufgrund des Einbruchs im Vorquartal zu relativieren und kein Anlass zum Feiern.

Aufgrund der sukzessive zunehmenden Einschränkungen im öffentlichen Leben steht inzwischen sowieso das vierte Quartal im Fokus. Die Sorgen vor einem erneut schwachen Quartal dürften mit jeder Maßnahme zunehmen, die in Richtung Lockdown geht.

Die Stimmungsindikatoren aus Italien und der Europäischen Kommission aus dem Oktober sollten schwächer als im Vormonat ausfallen. Die jüngsten Schritte zur Eindämmung der Pandemie dürften bereits ihren Niederschlag gefunden haben.

Die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten werden nahezu untergehen, obwohl sich die Lage weiterhin nur sehr langsam verbessert.

Zusammengenommen sollten sowohl die Wirtschaftsdaten vom Donnerstag als auch vom Freitag keinen Anlass für steigende Renditen bieten. Die Wirtschaft bleibt auf die Unterstützung von Fiskal- und Geldpolitik angewiesen. Zugleich können sich die meisten Länder keine höheren Zinszahlungen leisten, da ansonsten ihre Schuldentragfähigkeit nicht gewährleitet ist. Die Notenbanker werden entsprechend dazu beitragen, die Renditen niedrig zu halten.

Primärmarkt

Das italienische Schatzamt wird mit drei geplanten Aufstockungen an die Kapitalmarktanleger herantreten. Das umlaufende Volumen der aktuellen 5- und 10-jährigen Benchmarks soll um bis zu 2,5 bzw. 3 Milliarden Euro angehoben werden. Zusätzlich wird der bis Dezember 2023 laufende Floater um bis zu 1 Milliarden Euro aufgestockt. Das Emissionsvolumen ist mit bis zu 6,5 Milliarden Euro insbesondere im Hinblick auf die umfangreichen Fälligkeiten zu Beginn und am Ende der laufenden Woche überschaubar.

Obwohl BTPs etwas angeschlagen sind, dürfte die Platzierung nur mit leichten Zugeständnissen erfolgen. Am Mittwoch stiegen die Renditen zwischen fünf und zehn Jahren etwas stärker an als der Rest auf der italienischen Zinskurve. Es sieht also danach aus, als ob bereits ein paar Renditezugeständnisse eingefordert wurden.

Am Abend wird das Treasury die Wochenrefinanzierung mit der Neuemission einer 7-jährigen T-Note am Kapitalmarkt abschließen. Die Anleihe soll 53 Milliarden Dollar in die Staatskasse spülen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit an den Finanzmärkten dürften die länger laufenden Papier trotz sehr hohem Emissionsvolumen auf ausreichend Nachfrage treffen, obwohl die Nachfrage nach dem 5-jährigen Papier am Mittwoch unterdurchschnittlich ausfiel. Die Zugeständnisse vor der Platzierung dürften überschaubar ausfallen.

Bonitätsaktualisierungen (Freitag)

Am Freitag steht die Veröffentlichung der Ergebnisse der Prüfung der Bonität von drei Euroländern auf der Agenda. DBRS Morningstar plant die Bekanntgabe der Einschätzung zu Italien. Fitch wartet mit den Ergebnissen zu Finnland auf. Die Niederlande werden das Ergebnis der Prüfung durch Moody’s erfahren.

Während die Einstufungen von Finnland und den Niederlanden einen stabilen Ausblick aufweisen, ist dieser bei Italien negativ. Allerdings vergibt DBRS Morningstar bisher mit BBB(H) auch das beste Rating für Italien aller vier großen Bonitätswächter. Der negative Ausblick wurde am 8. Mai vergeben, sodass eine Herabstufung nicht unbedingt zu erwarten ist.

Erfolgt sie dennoch auf BBB, so wird das ohne Folgen für die Renditen der BTPs bleiben. Die Einstufung läge dann auf der gleichen Stufe wie diejenige S&P Globals und wäre damit immer noch eine Stufe besser als diejenigen von Fitch bzw. Moody’s, die das Land mit BBB- bzw. Baa3 und jeweils stabilem Ausblick bewerten.

Hinweis in eigener Sache: Die Renten am Morgen pausieren bis zum Montag, den 16. November. Die nächste Ausgabe erscheint am 17. November.

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