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Renten am Morgen: An den Bondmärkten dominieren die Virussorgen

Dirk Gojny
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben ihre Kursgewinne am Donnerstag bis zum Handelsschluss behaupten können, obwohl sich die Stimmung für risikobehaftete Assets erheblich verbessert hat. Die Bondanleger schienen die ökonomischen Risiken, die aus zusätzlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der nahezu ungebremsten Zunahme der Zahl der Viruserkrankungen in Europa entstehen könnten, stärker zu bewerten als die Hoffnung auf zusätzlichen fiskalischen Stimulus in den USA.

Entsprechend gingen die Renditen sowohl in den Kern- als auch Semi-Kernländern sowie der Peripherie zurück. Die Peripheriebonds bleiben aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeld sowie ihres Renditevorteils gegenüber Kern- und Semi-Kernländern gefragt. Das ist auch an der Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen zu erkennen, bei denen die Rendite der 10-jährigen Papiere ein Allzeittief markierte.

Die Staatspapiere von der iberischen Halbinsel konnten nach einer etwas schwächeren Performance gegenüber ihren Peers in den vergangenen Tagen am Donnerstag von der Kürzung des spanischen Emissionsvolumens im laufenden Jahr um 12% oder 15 Milliarden Euro profitieren. Die verbleibenden Emissionen im laufenden Jahr werden also deutlich kleiner ausfallen. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme des Landes wurden erst einmal wieder ausgeblendet. Sie bleiben jedoch bestehen. Der nächste große Stolperstein für die Minderheitsregierung wird das Aufstellen des Haushalts sowie das Organisieren einer Mehrheit im Parlament sein.

Auch die irischen Bondkurse legten deutlich zu. Nach Abschluss der drei Anleiheaufstockungen, die auf eine sehr gute Nachfrage trafen, ging es mit den Renditen deutlich abwärts. Dass immer noch nicht klar ist, ob sich die Europäische Union und Großbritannien auf eine Handelsabkommen verständigen, spielt zurzeit allenfalls eine untergeordnete Rolle für die irische Renditeentwicklung. Vermutlich stellen sich die Finanzmärkte allmählich auf ein Szenario ein, wonach der Handel zwischen EU und Briten am dem kommenden Jahr aus Basis von WTO-Regeln abgewickelt wird.

Zugleich manchen insbesondere die jüngsten Renditerückgänge in der Periperie deutlich, wie wichtig nicht nur die Unterstützung durch die Anleihekäufe durch die EZB, sondern auch durch die EU ist. Ohne SURE oder die Aussicht auf die Mittel aus dem Aufbaufonds würden die umfangreichen Maßnahmen zur Stützung der wirtschaftlichen Aktivität in den kommenden Jahren für viele EU-Länder kaum finanzierbar. Sollten daher Zweifel aufkommen, dass der Aufbaufonds erheblich zeitlich nach hinten verschoben wird, dürfte das zu merklich anziehenden Spreads nicht nur für Staatspapiere aus der Peripherie führen.

Kurz vor Handelsschluss in den USA gaben die Treasury-Kurse etwas kräftiger nach. Der US-Finanzminister teilte der Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, mit, dass ein umfassendes Konjunkturprogramm im Interesse des US-Präsidenten sei. Zuvor hatte Pelosi ein Konjunkturpaket nur für Fluggesellschaften abgelehnt. Trotz dieses Angebots ist es wenig wahrscheinlich, dass sich Demokraten und Republikaner noch bis zur Wahl auf eine zusätzliche fiskalische Unterstützung der US-Wirtschaft einigen werden. Die Positionen lagen nach den letzten Verhandlungsrunden immer noch deutlich auseinander. Außerdem gibt es bei den Republikanern Widerstand gegen hohe Mehrausgaben, wie sie die Demokraten fordern. Die US-Notenbanker setzen sich aber weiterhin für fiskalische Maßnahmen ein, da zusätzliches QE vielleicht nicht ausreichend wirkt.

Die Staatsanleihen aus dem Euroraum sind einen weiteren Tag in dem Spannungsfeld zwischen sich erneut aufhellender Stimmung an den Kapitalmärkten und den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie gefangen. Da die gute Stimmung an den Finanzmärkten vor allem auf der Hoffnung zu beruhen scheint, es könne in den USA noch vor der Wahl ein umfassendes Fiskalpaket geben, dürften die Bondanleger eher zur Vorsicht neigen.

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Die Papiere aus den Kernländern dürften kaum geändert in den Handel am Freitag starten. Die Peripherie sollte ihre Outperformance zum Handelsstart ebenfalls fortsetzen können. Aufgrund der sehr guten Performance italienischer und auch griechischer Bonds sind kleiner Gewinnmitnahmen zum Wochenausklang durchaus wahrscheinlich.

Konjunkturdaten

Mit dem Caixin Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe wurde am frühen Morgen bereits der erste Indikator veröffentlicht, der auf etwas Aufmerksamkeit an den Finanzmärkten stieß. Der Wert des Indikators stieg auf 54,8 Punkte an. Das Dienstleistungsgewerbe befindet sich demnach im Aufschwung. Zumindest in China schein die wirtschaftliche Aktivität an Fahrt zu gewinnen.

Aus dem Euroraum werden die Daten zur Industrieproduktion aus Italien und Frankreich die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zumal die deutschen Daten enttäuschend ausfielen. Im Monatsvergleich soll die Industrieproduktion im August in beiden Ländern angezogen sein. Dennoch bliebe das große Manko einer immer noch erheblich rückläufigen Produktion im Vorjahresvergleich.

Während besser als geschätzt ausfallende Daten kaum Wirkung auf die Bondrenditen entfalten dürfte, sollten ähnlich schwache Daten wie aus Deutschland die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum etwas anziehen lassen, da in diesem Fall die Sorgen vor einer erneuten Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität zunehmen.

Die übrigen Wirtschaftsdaten - auch die Informationen aus den USA - werden keine Reaktionen an den Bondmärkten hervorrufen. Sie gehören in die zweite Reihe.

Primärmarkt

Am Freitag wird Italien mit Kurzläufern bei den Investoren vorstellig. Das Land wird bis zu 7 Milliarden Euro mit Schätzen mit einer Laufzeit von einem Jahr einwerben. Die Transaktion wird aufgrund von Fälligkeiten in der kommenden Woche von rund 10 Milliarden Euro problemlos von statten gehen.

Bonitätsaktualisierungen

Aus dem Euroraum steht lediglich die Aktualisierung der Bonitätseinschätzung von Lettland durch Fitch auf der Agenda. Das Rating ist seit April 2020 mit einem negativen Ausblick versehen. Eine Änderung der Bonitätseinstufung ist ein halbes Jahr nach der Änderung des Ausblicks nicht zu erwarten. Die Auswirkungen dürften sowieso kaum spürbar sein.

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©2020 Bloomberg L.P.