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Renten am Morgen: Bondkurse trotz Handelsdeal/Tory-Sieg gestützt

Dirk Gojny

(Bloomberg) -- Die Staatsanleihen aus dem Euroraum haben sich den deutlichen Renditeanstiegen der Treasuries am Montag lange Zeit entziehen können. Als sich die Rendite der 10-jährigen T-Notes am späten Nachmittag in Richtung 1,9% bewegte, blieb das dann doch nicht ohne Auswirkung auf die Pendants aus dem Euroraum.

Hierzulande stiegen die Renditen am langen Ende der Kurve leicht an. Kern- und Semi-Kernanleihen lagen bei dem Renditeanstieg in etwa gleich auf, während die Renditen auf der iberischen Halbinsel etwas weniger zulegten. Durch die feste Verankerung der Renditen am kurzen Ende der Kurven wurde diese durchweg steiler.

Italienische Staatsanleihen konservierten dagegen ihre Kursverluste bis zum Handelsende. Die Sorgen vor einer erneuten römischen Regierungskrise aufgrund der Maßnahmen zur Stützung der Banca Popolare di Bari ließen die Anleger bei BTPs vorsichtig bleiben. Letztlich dürften die Regierungsparteien jedoch kein Interesse daran haben, die Regierung auseinander fallen zu lassen, da sie bei Neuwahlen teilweise herbe Verlusten einzustecken hätten.

Die Hoffnung, wonach sich die wirtschaftlichen Perspektiven durch den Abschluss einer ersten Handelsvereinbarung zwischen den USA und China aufhellen werden, gewann am Montag die Oberhand. Das lässt sich am besten an den steigenden Aktienkursen ablesen, die im asiatischen Handel am Dienstagmorgen ihre Fortsetzung fanden.

Aus Sicht von Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe, handle es sich bei dem Abkommen um einen brüchigen Waffenstillstand. “Weder stehen der Vertragstext noch die Vertragsunterzeichnung fest. Zentrale Knackpunkte des Handelsstreits sind nicht ausgeräumt worden,” führte er in einer Email vom Montagabend erläuternd aus. “Da China auf dem Weg zur Superwirtschaftsmacht kaum noch aufzuhalten ist und die USA ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt weiter bedroht sehen werden, scheint ein Dauerkonflikt für die kommenden Jahre vorprogrammiert,” so der Chefvolkswirt.

Nachdem der Stillstand in Sachen Brexit im britischen Parlament durch den deutlichen Wahlsieg der Konservativen aufgelöst ist, so dass das zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ausgehandelte Abkommen endlich das britische Parlament passieren sollte, droht jedoch an anderer Stelle Ungemach.

Der britische Premierminister plant eine Gesetzesänderung, die eine Verlängerung der Brexit-Übergangsfrist über Ende 2020 hinaus unmöglich macht. Sollte das Gesetz so umgesetzt werden, müssten sich die Briten und die EU bis Ende 2020 auf ein Handelsabkommen einigen. Ansonsten besteht erneut das Risiko eines ungeregelten Ausscheidens Großbritanniens aus der EU.

Dadurch wäre der Zeitdruck auf die Verhandlungen sehr groß, denn üblicherweise dauert es einige Jahre, bis ein Handelsabkommen abgeschlossen ist. Das Thema eines harten Ausstiegs der Briten aus der EU bleibt auf der Agenda für das kommende Jahr.

Die Anleger zeigen sich zurzeit zwar erleichtert, dass die unmittelbaren konjunkturellen Risiken aus Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie dem Brexit erheblich geringer geworden sind. Sie bleiben jedoch bestehen, was tendenziell für weiterhin niedrige Renditen sowie immer wieder aufkeimender Nachfrage nach sicheren Anlagealternativen sorgen soll.

Zum Start des Handels mit Staatsanleihen aus dem Euroraum ist zum einen die Bewegung der Treasuries zu verarbeiten, die im späteren US-Handel einen Teil ihrer Tagesverluste aufholen konnten und die auch im asiatischen Handel weitere, wenn auch nur leichte Kursgewinne verbuchten. Zum anderen konnten die asiatischen Aktienmärkte kräftig zulegen.

Daher sollten die Renditen der Bonds aus den Kern- und Semi-Kernländern zu Handelsbeginn zwar leicht sinken. Wenn sich jedoch das Risk-on in den europäischen Kapitalmärkten im Lauf des Vormittags durchsetzt, drohen erneut Renditeanstiege vor allem am langen und ultra-langen Ende der Kurve. Die Peripherie dürfte von einer Risk-on-Bewegung insofern profitieren, als dass sie gegen die Kern und Semi-Kern eine Outperformance zeigen sollte.

Die portugiesischen Staatsanleihen könnten zusätzlich von der Nachricht profitieren, wonach die Regierung in Lissabon von einem Schuldenstand gemessen am Bruttoinlandsprodukt von deutlich weniger als 120% im Jahr 2020 ausgeht. Die Regierung peilt 116% an. Das Land wird auch mit diesem Wert zu den an der Wirtschaftsleistung gemessenen Verschuldung zu den am stärksten mit Schulden belasteten Ländern des Euroraums gehören. Die Bewegung ist aber abwärts gerichtet. Schließlich kommt das Land von Werten leicht jenseits von 135.

Konjunkturdaten

Am Dienstagvormittag werden Außenhandelsdaten aus Italien und dem Euroraum für den Oktober veröffentlicht. Die Informationen aus dem Euroraum könnten von der US-Administration erneut zum Anlass genommen werden, aus US-Sicht fairere Handelsbeziehungen einzufordern. Einfluss auf die Renditeentwicklung dürften die Daten nicht haben.

Neue Informationen über den Zustand des Immobilienmarktes werden mit der Zahl an Neubaubeginnen und Baugenehmigungen aus den USA für November bekannt gegeben. An dem anhaltend hohen Niveau der Daten dürfte sich kaum etwas ändern. Der Bau und in seinem Fahrwasser der private Verbrauch - letzterer trotz enttäuschender Einzelhandelsumsatzdaten - sollten letztlich überzeugen bleiben. Das geringe Niveau der Hypothekenzinsen trägt dazu sicher bei.

Zusätzlich werden Industrieproduktions- und Kapazitätsauslastungsdaten veröffentlicht. Die monatlichen Daten zur Industrieproduktion schwanken stark. Ein Blick auf die Produktionsdaten im Vorjahresvergleich zeigt jedoch, dass sie seit Oktober 2018 rückläufig sind und die Produktion im Oktober 2019 um mehr als 1% gegenüber dem Vorjahr schrumpfte. Nach diesen Daten befindet sich das verarbeitende Gewerbe im Abschwung. Sofern sich dieser im November fortgesetzt hat, sollte es die Treasury-Kurse stützen.

Primärmarkt

Weder von Ländern des Euroraums noch vom US-Treasury gibt es heute Emissionsaktivitäten am Kapitalmarkt. In den kommenden Tagen wird lediglich das US-Schatzamt aktiv werden. Abgesehen von Italien beendeten alle anderen Euroländer ihre Kapitalmarktemissionen für das laufende Jahr.

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Kontakt Reporter: Dirk Gojny in Frankfurt dgojny2@bloomberg.net

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