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Renten am Morgen: Anlagedruck ist da, Kursdruck nur temporär

Dirk Gojny
·Lesedauer: 6 Min.

(Bloomberg) -- Für die Kurse der Staatsanleihen aus dem Euroraum ging es Dienstag erneut abwärts. Sie konnten sich dem Sog der Treasuries trotz der Abschirmung durch die Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank nicht entziehen. Erst im Verlauf des späten US-Handels nach Abschluss der Platzierung der Aufstockung der 10-jährigen T-Notes gingen die Renditen der Treasuries auf breiter Front etwas zurück.

Die durationsschweren Emissionen aus dem Euroraum dürften ebenfalls für Druck auf die Notierungen der Papiere aus den Kern- und Semi-Kernländern gesorgt haben. Ein Mangel an Nachfrage nach Staatspapieren aus dem Euroraum ist jedoch nicht festzustellen. Immerhin kamen für die neue 10-jährigen belgische Staatsanleihe Gebote von mehr als 50 Milliarden Euro zusammen, so dass die Emissionsrendite von anfänglich Swap Mitte -5 Basispunkte auf Swap Mitte -7 Basispunkte reduziert werden konnte.

Wahrscheinlich ist der Druck auf die Bondnotierungen vor allem über die Futures aufgekommen, so dass die Spotpreise angepasst werden mussten. Die Nachfrage nach dem belgischen Bond spricht nämlich gegen umfangreiche Verkäufe von Positionen.

Die Peripherie musste dagegen deutlichere Kursverluste verkraften. Der wesentliche Treiber hinter diesen Renditeanstiegen war Italien. Die Regierungskrise in Rom ist nun doch an den Finanzmärkten angekommen, was den BTPs Renditeanstiege in der Spitze von rund zehn Basispunkten bescherte.

Obwohl das Kabinett die Pläne für die Maßnahmen zur Inanspruchnahme des Aufbaufonds am frühen Mittwochmorgen billigte, steht die Koalition von Ministerpräsident Giuseppe Conte auf Messers Schneide. Italia Viva will heute entscheiden, ob es weiterhin an Bord der Koalition bleibt oder nicht. Die Entscheidung soll am späten Nachmittag bekanntgegeben werden. Dabei könnte sich die von Italia Viva geforderte Inanspruchnahme von Mitteln des ESM, die von der 5* Bewegung vehement abgelehnt wird, als Bruchstelle erweisen.

Die Unsicherheit, wie es mit der Regierung in Rom weitergehen wird, könnte also über den heutigen Tag anhalten. Das wird den Kursen der italienischen Bonds vorerst zusetzen. Vermutlich wird die Europäische Zentralbank verstärkt eingreifen müssen, um den Renditeanstieg zu dämpfen.

Obwohl sich die Bonds aus Griechenland und von der iberischen Halbinsel der BTP-Bewegung am Dienstag nicht entziehen konnten, sollten sie sich in den kommenden Tagen weitestgehend unbeeindruckt von den Bewegung der BTPs zeigen. Es handelt sich schließlich um ein politisches Problem Italiens.

Außerdem könnte der Renditeanstieg in Italien als Gelegenheit genutzt worden sein, ein paar Gewinne in der übrigen Peripherie mitzunehmen. Nach Abschluss der Platzierungen von der iberischen Halbinsel könnten die höheren Renditen durchaus Schnäppchenjäger anlocken. Positive Renditen zumindest am langen Ende der Zinskurve sind im Euroraum rar.

Die Aussagen der US-Notenbanker am Dienstag machten deutlich, dass sie sich hinsichtlich künftiger konjunktureller Perspektiven einig sind: Der Aufschwung wird im Laufe des Jahres mit dem Fortschreiten der Impfungen an Fahrt gewinnen. Allerdings bleiben zahlreiche Risiken. Keine klare Linie gibt es hingegen zum Tapering. Eric Rosengren und James Bullard, der sich heute auch äußern wird, sehen für eine Tapering-Diskussion zurzeit keine Notwendigkeit. Andere Notenbankvertreter können sich dagegen eine Reduzierung des Volumens an Anleihekäufen im Verlauf des Jahres vorstellen.

Mit Lael Brainard, Richard Clarida (stimmberechtigt) und Patrick Harker werden sich weitere US-Notenbanker zu Wort melden. Vielleicht bringen ihre Aussagen eine klarere Linie in die Tapering-Diskussion. Das letzte Wort dazu wird jedoch der Notenbankpräsident haben. Jerome Powell dürfte die Gelegenheit am Donnerstag ergreifen, um seine Position klar zu machen. Doch selbst wenn er sich gegen eine baldige Reduzierung der Anleiheankäufe ausspricht und zur Vorsicht im Hinblick auf die ökonomischen Perspektiven der USA warnt, wird er den Tapering-Geist nicht mehr in die Flasche zurückschicken.

Die Staatsanleihen aus den Kernländern dürften trotz des Risk-on in Asien mit Kursgewinnen in den Handelstag starten. Schließlich legten die Treasury-Kurse nach europäischen Handelsschluss zu und bauten ihre Gewinne im asiatischen Handel etwas aus. Der Reflation Trade pausiert, mehr aber auch nicht.

Der Tag mit Bloomberg: US-Stimuli, Futures niedriger, Öl fest

In der Peripherie dürften die Kurse der italienischen Staatsanleihen unter Abgabedruck bleiben. Die übrige Peripherie dürfte sich spätestens nach Abschluss der Platzierungen wieder der Investorengunst erfreuen. Außerdem wird der Auftritt der EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, zu bachten sein, obwohl sie wahrscheinlich keine neuen Botschaften für die Investoren hat.

Konjunkturdaten

Da bereits zahlreiche Daten zur Industrieproduktion aus einzelnen Ländern des Euroraum für den November veröffentlicht wurden, dürften die aggregierten Eurolanddaten kaum für Überraschungen gut sein. Bei den italienischen Produktionsinformationen dürfte sich bereits wieder die Verschärfung des Lockdown bemerkbar gemacht haben. Erheblichen Einfluss auf die Renditeentwicklung werden die neuen Zahlen nicht nehmen.

Mit dem Anziehen der Inflationserwartungen wird den realisierten Inflationszahlen in den USA wahrscheinlich mehr Bedeutung beigemessen werden. Im Dezember wird sich die Preisdynamik ein wenig beschleunigt haben. Die Marke von 2% wird gemäß der Prognosen jedoch nicht annähernd erreicht werden. Die Inflationserwartungen wird das kaum dämpfen. Entsprechend wird die Aufwärtsbewegung der Renditen der Treasuries intakt bleiben.

Im Beige Book wird kaum etwas Überraschendes zu lesen sein. Die wirtschaftliche Aktivität dürfte sich im Berichtszeitraum abgekühlt haben, was aber im Widerspruch beispielsweise zu den jüngst veröffentlichten ISM Indikatoren steht. Allerdings wies der private Verbrauch nicht zuletzt aufgrund der eingetrübten Situation am Arbeitsmarkt Bremsspuren auf. Insgesamt dürfte der Bericht aus den einzelnen Fed Distrikten die Notwendigkeit eines weiteren Konjunkturprogramms untermauern. Tendenziell dürfte so eine Interpretation zurzeit renditetreibend wirken.

Primärmarkt

An geplanten Emissionen stehen die Platzierung einer neuen Bundesobligation durch die deutsche Finanzagentur sowie die Aufstockungen durch das portugiesische Schatzamt auf der Agenda. Die Bundesobligation wird ein Startvolumen von 5 Milliarden Euro aufweisen.

Bei einer im kurzen und mittleren Bereich inversen deutschen Zinskurve und einer zu erwartenden Platzierungsrendite um die -0,69% wird die Anleihe auf eine überschaubare Nachfrage treffen. Das dürfte bei den portugiesischen Aufstockungen anders aussehen. Obwohl mit Laufzeiten von 2030 und 2035 an das lange Ende der Zinskurve gegangenen wird, dürfte es allein aufgrund des geringen geplanten Emissionsvolumens von bis zu 1,25 Milliarden Euro sowie positiver Renditen zu einer sehr guten Nachfrage kommen.

Während die Obl-Auktion die deutschen Kurve am kurzen Ende eher belasten sollte, dürften die Platzierung der beiden portugiesischen Aufstocker ohne Renditezugeständisse erfolgen - insbesondere nach dem Renditeanstieg am Dienstag.

Spanien mandatierte am Dienstag ein Konsortium für eine neue 10-jährige Staatsanleihe. Durch die jüngsten Renditeanstiege dürfte der Bond sogar noch einen Kupon größer als 0% und damit eine positive Platzierungsrendite aufweisen. Die Zugeständnisse bei der Platzierung werden werden sich aufgrund des Renditeanstiegs am Dienstag in sehr engen Grenzen halten. Dennoch dürfte es ein Orderbuch mindestens im hohen zweistelligen Milliarden Euro-Bereich geben.

Nach dem jüngsten Renditeanstieg am langen Ende der US-Kurve griffen die Anleger bei der Aufstockung der der 10-jährigen T-Notes am Dienstagabend zu. Der Reflation Trade rückte zumindest kurzfristig in den Hintergrund. Dennoch dürfte die Anhebung des umlaufenden Volumens des 30-jährigen T-Bonds nur mit Konzessionen möglich sein. Das wird aufgrund des rekordhohen Aufstockungsvolumens von 24 Milliarden Dollar notwendig werden. Entsprechend dürfte das lange Ende der Zinskurve unter anhaltendem Kursdruck stehen.

MEHR:

Fed Talk of Taper Rekindles Specter of Wrenching 2013 Tantrum

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