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Was ein Lufthansa-Experte den USA-Geschäftsreisenden jetzt rät

Markus Orth führt Lufthansa City Center, Deutschlands größten Vermittler von Geschäftsreisen. Donald Trumps Reisebeschränkungen hält er für ein „Megadrama“.

Herr Orth, ab Freitag um Mitternacht verwehren die USA Festland-Europäern die Einreise. Sitzen Geschäftsreisende danach in Amerika fest, wenn Flüge in die USA wohl stark eingeschränkt werden?
Es geht zunächst um die Einreise. Somit besteht nach aktuellem Stand die Möglichkeit der Ausreise. Allerdings werden die Frequenzen der Airlines sicher reduziert. Daher sind unsere Büros als auch die Airlines bestrebt, sich um alle betroffenen Kunden sehr kurzfristig zu kümmern. Wir sehen gerade Flexibilität auf allen Seiten, doch es bleibt abzuwarten, wie der Flugplan in der nächsten Woche aussieht.

Was empfehlen Sie europäischen Geschäftsreisenden, die sich derzeit in den USA aufhalten?
Sofort Kontakt mit dem Reisebüro aufzunehmen. Bei uns stehen die Kollegen den Kunden 24/7 zur Verfügung. Seit drei Wochen arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Kunden aktiv zu informieren, umzubuchen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Offen bleibt der Luftverkehr zwischen den USA und Großbritannien. Ist dies angesichts der zu erwartenden Engpässe eine Alternative?
Ja, auf jeden Fall. Zusätzlich können alle Nicht-Schengen-Länder oder sonstige Drittländer, die von dieser Restriktion betroffen sind, als Ausweichroute genutzt werden. Die persönliche Rückfrage beim Travelmanager oder im Büro hilft. Die Lage ändert sich stündlich. Ich persönlich würde immer die Route über London nehmen. Gute Infrastruktur, stabile Flugverbindung und zur Not dann doch alternative Transportmittel.

Können Reisende nun Schadensersatz von den Airlines einfordern, falls sie nicht mehr befördert werden?
Derzeit sieht es schwer nach Force Majeure, also höherer Gewalt aus, wenn der US-Präsident die Grenzen dicht macht. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die rechtliche Situation darstellen wird. Da ist noch vieles ungeklärt und im Einzelfall zu beurteilen.

Kommen die Airlines auch für Kosten auf, die bei den nun absehbaren mehrtägigen Hotelaufenthalten in den USA entstehen?
Das ist im Einzelfall zu prüfen. Einige Airlines nehmen direkten Kontakt zu Kunden auf, die betroffen sind, um sicherzustellen, dass sie gut untergebracht sind.

Gibt es aus Ihrer Sicht grundsätzlich noch eine andere Empfehlung?
Ruhe bewahren, Geschäftstermine verschieben und ehrlich kommunizieren. Die Dienstreise wird nachgeholt, wenn die Gates wieder offen sind. Da ich überzeugt bin, dass die Notwendigkeit des persönlichen Kontakts in der globalen Welt nicht an Bedeutung verliert, bleibt jetzt nur die Option, Augmented-Reality-Meetings – etwa Videokonferenzen – für den Übergang zu nutzen.
Herr Orth, vielen Dank für das Interview.