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Reisekonzern FTI sichert sich 235 Millionen Euro Staatshilfe

·Lesedauer: 2 Min.

Der drittgrößte Reiseveranstalter Europas nimmt zum zweiten Mal seit Ausbruch der Pandemie Staatshilfe in Anspruch. Auch Konzerntöchter werden verkauft.

Der seit November geltende Teil-Lockdown und die weltweite Zunahme von Corona-Risikogebieten haben den Konzern erneut in Finanznot gebracht. Foto: dpa
Der seit November geltende Teil-Lockdown und die weltweite Zunahme von Corona-Risikogebieten haben den Konzern erneut in Finanznot gebracht. Foto: dpa

Der Münchener Reiseveranstalter FTI Group erhält 235 Millionen Euro Kredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF), den das Bundeswirtschaftsministerium zur Linderung der Corona-Folgen eingerichtet hat. Das bestätigte Firmengründer Dietmar Gunz dem Handelsblatt.

Die weltweiten Reisewarnungen des Auswärtigen Amts im Frühjahr hatten das Geschäft von Deutschlands größtem familiengeführten Reisekonzern nahezu auf null gesetzt, sodass FTI schon im April einen Notkredit mit Unicredit aushandelte. Der Bund und das Land Bayern gewährten dazu Bürgschaften.

Der seit November geltende Teil-Lockdown und die weltweite Zunahme von Corona-Risikogebieten haben den Konzern offenbar erneut in Finanznot gebracht. Mit fast vier Milliarden Euro Jahresumsatz galten die Münchener zwar hinter Tui und DER Touristik als die Nummer drei in Deutschland, die Gewinnmarge blieb aber in den vergangenen Jahren gering.

Dass der WSF, der bereits Tui mit 150 Millionen Euro unterstützt, nun auch FTI unter die Arme greift, verdankt der Konzern nach eigenen Angaben auch einer weiteren Finanzspritze des ägyptischen Mitinvestors Samih Sawiris. Schon im April hatte dessen Luxemburger Firma SOSTNT das Eigenkapital aufgestockt – und damit vor Gunz die Mehrheit im Konzern übernommen.

„Auch jetzt war Sawiris Entscheidung für die Gruppe mit entsprechender finanzieller Unterstützung mit ausschlaggebend für die erfolgreiche Antragstellung des WSF“, erklärte Gunz.

Das gewährte Darlehen sei Teil eines Maßnahmen- und Finanzierungspakets, das FTI zur Bewältigung der Coronakrise in Angriff genommen habe. Es umfasst laut Gunz neben der Beantragung des Darlehens ein straffes Kostenmanagement, Restrukturierungsmaßnahmen und Prozessoptimierungen.

Unter anderem trennt sich die FTI Group von der Veranstaltungstochter LAL Sprachreisen, die einst der Gründungskern des Konzerns war. Verkauft wird außerdem das Flugreisen-Onlineportal fly.de sowie das Kreuzfahrtschiff „Berlin“.

Die in Berlin ansässige Firma touristic24, ein Servicecenter für telefonische Reiseberatung und -buchung, wurde bereits geschlossen. Auch andere Teilbereiche der FTI Group, die zuletzt in Berlin angesiedelt wurden, sind inzwischen aufgelöst.

Um die Personalkosten zu senken, hat der Konzern Kurzarbeit für nahezu alle Mitarbeiter eingeführt und im Juli Stellen gestrichen. Außerdem wurde eine Vereinbarung des Managements zum freiwilligen Verzicht auf einen Teil des Gehalts getroffen.

„Mit dem neuen Darlehen und dem von uns ergriffenen Maßnahmenpaket im Rücken konzentrieren wir uns nun mit ganzer Kraft auf die nächsten Monate“, erklärte FTI-Geschäftsführer Ralph Schiller. Man habe in den klassischen Feriendestinationen im Eigenanreise- und Pauschalbereich bereits „einige erfreuliche Vorausbuchungszahlen“ und rechne zusätzlich für das erste Halbjahr 2021 noch mit einem starken Kurzfristgeschäft.

Eine Beteiligung des WSF am Konzern-Eigenkapital, wie sie bei Lufthansa und Tui möglich ist, soll es bei FTI nicht geben, erklärte Schiller auf Anfrage. Im Übrigen habe die Hausbank dem zusätzlichen Kredit schon zugestimmt.