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Reise-Chaos: Mein Flug von Berlin nach Griechenland hatte mehr als drei Stunden Verspätung und ich musste fünf Stunden am Flughafen warten

Eine Wartehalle im Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).  - Copyright: picture alliance/dpa | Annette Riedl
Eine Wartehalle im Flughafen Berlin-Brandenburg (BER). - Copyright: picture alliance/dpa | Annette Riedl

Egal ob Kolleginnen, Promis, Geschäftsleute oder Influencer – keiner ist derzeit von dem Reise-Chaos sicher, das sich in diesen Sommertagen in Deutschland und sogar europaweit abspielt. Der Autor Micky Beisenherz schrieb sich vergangene Woche den Reise-Frust in seiner "Stern"-Kolumne von der Seele: "Fahren Sie Auto!" Andere Prominente wie Kai Diekmann oder Julia Jäkel nutzen die sozialen Netzwerke Twitter und Linkedin, um ihre chaotischen Reise-Erfahrungen mit der Deutschen Bahn und an deutschen Flughäfen zu dokumentieren, wie Business Insider berichtete. Nicht nur kommt es überall zu massiven Flugverspätungen und langen Wartezeiten, viele Flüge fallen ganz aus. Die Lufthansa streicht im Juli allein 900 Flüge aus München und Frankfurt und auch Easyjet streicht 1000 Flüge aus Berlin.

Auch mir erging es nicht anders, als ich vergangenen Sonntagmorgen von Berlin aus in den Sommerurlaub fliegen wollte. Es sollte auf die griechische Insel Kos gehen. Wir hatten uns vor allem für das Reiseziel entschieden, da die Flugzeiten von Berlin aus optimal waren: 9 Uhr morgens hin, 13 Uhr Ankunft. 19 Uhr zurück, sechs Tage später. So könnten wir die Tage vor Ort maximal auskosten, so der naive Gedanke.

Als wir am Reisetag um 5:30 Uhr aufwachten, um rechtzeitig zweieinhalb Stunden vor Boarding am Flughafen zu sein – man hatte ja bereits von endlosen Warteschlangen am Chaos-Flughafen BER gehört – kam bereits die schlechte Nachricht. Per SMS-Update teilte uns die Fluggesellschaft Eurowings mit, dass unser Flug fast drei Stunden Verspätung haben würde und statt um 9 erst um 11:55 Uhr starten würde. Ein toller Start in den langersehnten Urlaub. Ich wollte mich schon wieder hinlegen, als ich noch das "Kleingedruckte" zu dem Flugstatus auf der Website von Eurowings las: "Bitte beachten Sie, dass obwohl Ihr Flug verspätet sein mag, Sie dennoch wie geplant pünktlich am Check-In und am Abfluggate erscheinen müssen. Eurowings bittet alle Passagiere, den Status ihres Fluges regelmäßig zu überprüfen." Na toll, also nichts mit Ausschlafen, stattdessen fünf Stunden am Flughafen warten. Einen Grund oder eine Erklärung für die Verspätung erhielten wir übrigens nicht.

Welche Rechte habe ich bei einer Flugverspätung?

Auf dem Weg zum Flughafen googelte ich dann nach Fluggastrechten: Laut EU-Fluggastrechteverordnung 261 von 2004 haben Fluggäste von Airlines mit Sitz in der EU ab drei Stunden Verspätung ein Anrecht auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro, je nach Flugstrecke. Das stimmte mich ärgerlich, war die Verspätung doch genau auf zwei Stunden und 55 Minuten angesetzt – vermutlich genau, um eben unter dem Entschädigungsanspruch zu bleiben.

Ich fand aber noch eine interessante Information: Ab zwei Stunden Wartezeit muss die Fluggesellschaft für die Versorgung mit Getränken und Snacks am Flughafen aufkommen. Eurowings übernimmt laut Website bis zu 20 Euro pro Person pro Tag.

Am Flughafen angekommen gingen wir also direkt zum Check-In-Schalter, um uns solche Verpflegungs-Gutscheine abzuholen. Das kannte ich bereits von früheren Flügen. Zunächst versuchte mich der Mitarbeiter mit der lila-blau-gemusterten Eurowings-Krawatte jedoch abzuweisen: "Erst ab drei Stunden haben Sie Anrecht auf Verpflegung." Unwissen oder Dreistigkeit? Erst, als ich ihn auf die entsprechende EU-Verordnung hinwies, rief er einen Vorgesetzten an und stellte mir ein Dokument aus, das die Verspätung dokumentierte. Verpflegungs-Gutscheine könne er mir jedoch nicht ausstellen, da er angeblich nicht bei Eurowings, sondern beim Flughafen angestellt sei. Ich solle die Bons aufheben und die Kosten hinterher bei der Airline einreichen.

Das Bodenpersonal arbeitet im Schneckentempo

In der Schlange zum Sicherheits-Check warteten wir rund 30 Minuten – was für Berlin noch relativ schnell war. Trotzdem war es frustrierend zu sehen, wie ineffizient die Strukturen und die Mitarbeiter-Aufteilung an den Sicherheitsschleusen ist. So standen zum Beispiel zwei Mitarbeiter nebeneinander an dem Band, auf dem man sein Gepäck in Kisten steckt und kümmerten sich im Schneckentempo zu zweit eine Person, anstatt jeweils eine abzufertigen. Nebenbei unterhielten sie sich darüber, was es zuletzt zum Mittagessen gab. "Immer nur Kartoffeln", beschwerte sich der männliche Mitarbeiter mit Berliner Dialekt. Eine Frau stand eigentlich nur herum und schnackte mal mit den Abfertigern am Band, mal mit den drei Mitarbeitern am Body-Scanner. Nach Unterbesetzung und Personalmangel sah dies für mich ganz und gar nicht aus. Eher nach ineffizienter Einsatzplanung.

Nach fast fünf Stunden Wartezeit begaben wir uns gegen 11 Uhr zum Gate – es gab doch keine Veränderungen mehr an der neuen Abflugzeit. Gegen 11:15 Uhr etwa trudelte dann auch die Crew ein. Gegen 11:30 Uhr ging das Boarding los, um 11:55 Uhr saßen wir alle abflugbereit im Flieger. Nur der Pilot war noch nicht da. Über eine Lautsprecherdurchsage erfuhren wir dann auch den Grund für die Verspätung: Der erste Pilot war krankheitsbedingt ausgefallen, die Vertretung auf Standby ebenfalls krank – also musste ein Ersatzpilot aus Köln eingeflogen werden. Auf den mussten wir nun noch etwa 20 Minuten warten. Gegen 12:20 Uhr flogen wir schließlich los.

Um 16:15 Ortszeit (mit einer Stunde Zeitverschiebung) öffneten sich endlich die Türen des Fliegers auf Kos.

Mittlerweile war ich aber schon fast vergnügt, da wir die magische Grenze von drei Stunden Verspätung dann doch überschritten hatten – und uns damit eine Entschädigung von rund 300 bis 400 Euro zusteht. Ich werde nun, zurück aus dem Urlaub, das offizielle EU-Formular für Fluggastbeschwerden ausfüllen und zunächst bei der Airline selbst einreichen. Sollte Eurowings nicht antworten oder meine Beschwerde nicht erfolgreich sein, kann ich mich immer noch an eine der zahlreichen Legal-Tech-Plattformen im Internet wenden. Plattformen wie Flightright kaufen den Kunden ihre Forderungen entweder ab (Sofort-Entschädiger) oder setzen sie gegen Entgelt bei den Gesellschaften durch (Inkasso-Portale).

Endlich am Strand angekommen, war dann alles nur noch halb so wild. Mit den Füßen im Wasser und dem Gedanken, dass ich möglicherweise mit einem Plus im Portemonnaie aus diesem Urlaub zurückkehren würde, kam dann auch endlich die Entspannung.

Endlich auf Kos angekommen, konnte unsere Autorin auch langsam abschalten. - Copyright: privat
Endlich auf Kos angekommen, konnte unsere Autorin auch langsam abschalten. - Copyright: privat
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