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Reimanns kaufen sich bei Kylie Jenners Kosmetik-Firma ein

Der Kosmetikkonzern der deutschen Milliardärsfamilie Reimann setzt auf jüngere Kundinnen und kauft dazu für 600 Millionen Dollar die Mehrheit am Beauty-Imperium der Influencerin Kylie Jenner.

Reality-TV-Star Kylie Jenner hat ihre Kosmetik-Marke für 600 Millionen Dollar an den von einer deutschen Milliardärsfamilie kontrollierten Konzern Coty verkauft. Zu Coty gehören bereits Make-Up-Marken wie Max Factor und Bourjois Paris, die mit geschäftlichen Problemen kämpfende Firma will aber gerade in einem Umbau neue Zielgruppen erschließen.

Die 22-jährige Internet-Berühmtheit Kylie Jenner gehört zur durch Reality-TV bekannt gewordenen Kardashian-Familie und vermarktet seit 2015 Schmink- und Hautpflegeprodukte unter der Marke Kylie Cosmetics. Damit hat sie laut Coty in den vergangenen zwölf Monaten 177 Millionen Dollar eingenommen. Dem Magazin „Forbes“ zufolge war Jenner 2018 die jüngste Selfmade-Milliardärin.

Coty tut sich nach mehreren schwierigen Jahren schwer, sein Geschäft wieder in Schwung zu bringen. Coty leidet schon länger unter der misslungenen Übernahme von Wella und anderer Kosmetikmarken des Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble im Jahr 2016. Anfang Juli hatte das Unternehmen Aktionäre mit einer rund drei Milliarden schweren Abschreibung geschockt. Der Grund: Seine unterdurchschnittlichen Massenmarktlabels kämpften gegen heiße neue Marken. Konkurrenten wie L’Oreal SA, Estee Lauder Cos. und Shiseido Co. haben in den letzten Jahren Milliarden von Dollar ausgegeben, um jüngere Verbraucher anzulocken.

Im Juli skizzierte der Vorstandsvorsitzende Pierre Laubies dann seine Turnaround-Pläne: Er überarbeitete die Managementstruktur und versprach, Coty werde sich darauf konzentrieren, die Margen zu verbessern und den Verschuldungsgrad zu senken und gleichzeitig die Kosten zu senken. Das Management soll dafür von London nach Amsterdam, der Hauptsitz bleibt jedoch in New York.

Coty erwägt zudem den Verkauf seiner professionellen Haar- und Nageletiketten – Marken, die an Salons wie Wella und OPI verkauft werden – ein Geschäft, das in diesem Jahr voraussichtlich einen Umsatz von etwa 2,7 Milliarden US-Dollar erzielen wird. Die brasilianischen Aktivitäten des Unternehmens werden ebenfalls auf einen möglichen Deal überprüft.

Um wieder in die Spur zu finden, will sich das Unternehmen auf deutlich weniger Marken konzentrieren – und jüngere Käufer anlocken. Die Reimanns versprechen sich deshalb gerade von dem Jenner-Deal, dass er Coty den notwendigen frischen Wind bringen wird.

Jenner startete ihr Kosmetikgeschäft im Jahr 2015 mit einer Reihe von Lippen-Kits, die flüssigen Lippenstift mit Bleistift-Lippenstift kombinieren. Seitdem hat ihr Unternehmen verschiedenes Make-up entwickelt, wie Lidschatten-Paletten und gepresste Puder-Rouge sowie Hautpflegeprodukte wie Augencreme und feuchtigkeitsspendende Gesichtsmasken.

Der Deal, bei dem Coty die Mehrheit mit 51 Prozent übernimmt, bewertet die Firma insgesamt mit 1,2 Milliarden Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten kam Kylie Cosmetics auf Umsätze von rund 180 Millionen Dollar, wie Coty am Montag bei Bekanntgabe des Kaufs mitteilte.

Das Vermögen der Familie Reimann wird auf rund 33 Milliarden Euro geschätzt. Sie war mit dem Reinigungs- und Waschmittel-Konzern Benckiser reich geworden. An der in London gelisteten Reckitt Benckiser („Calgon“, „Kukident“) hält sie noch 15 Prozent. In den vergangenen Jahren hatte sie ihre Kapitalanlagen stark diversifiziert, unter anderem mit dem Einstieg in den US-Kosmetik- und Parfümkonzern Coty. Erst in diesem Jahr erhöhte die JAB Holding der Milliardärsfamilie ihren Anteil am Coty-Konzern 40 auf 60 Prozent erhöht.