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Die Reichweitenangst bei E-Autos hat sich vielleicht bald erledigt

Neue Akkutechnologien gelangen mehr und mehr in den Alltag von E-Auto-Fahrern. - Copyright: Getty Images / Matt Cardy
Neue Akkutechnologien gelangen mehr und mehr in den Alltag von E-Auto-Fahrern. - Copyright: Getty Images / Matt Cardy

Zwei Dinge treiben Menschen um, wenn sie vom Verbrenner auf ein E-Auto umsteigen: der Preis des Fahrzeugs und die Reichweite. Pro Tag legen Bundesbürger eine Fahrtstrecke von durchschnittlich um die 30 Kilometer zurück. Demnach müsste also jedes aktuell verfügbare E-Auto höchstens einmal die Woche an die Steckdose. Dabei ist es nicht mal nötig, den Akku immer auf 100 Prozent zu laden. 80 Prozent genügen, zumal viele Fahrzeuge eine Ladung von 30 auf 80 Prozent in weniger als einer halben Stunde schaffen. Das lässt sich bequem während des Wocheneinkaufs erledigen.

Dennoch plagt viele Menschen die Furcht, mit dem E-Auto liegen zu bleiben oder eine längere Fahrt für Stunden unterbrechen müssen, weil der Akku wieder vollgeladen werden muss. Die Autohersteller nutzen die Ängste geschickt als Verkaufsargument. Sie werben mit besonders großen Reichweiten für ihre Fahrzeuge. Der E-Auto-Pionier Tesla wird zum Beispiel nicht müde, darauf hinzuweisen, dass seine Long-Range-Modelle allen anderen E-Autos noch immer überlegen sind.

Der Überbietungswettbewerb der Hersteller bei den Reichweiten führt jedoch in ein Dilemma. Größere Akkus lassen sich nur in größere Autos einbauen, von Kunden gefragt sind aber kleinere Mittelklasse-Modelle um 30.000 Euro. Dazu kommt, dass die Akkus weiter sehr teuer sind. Je mehr Watt man in eine Batterie presst, desto höher steigt der Preis. Zudem sind die Kunden preissensibel: Sie entscheiden sich bereits gegen ein Modell, wenn es 1.000 Euro mehr als bei der Konkurrenz kostet.

1.200 Kilometer mit einer Ladung

Was ist nun die Lösung für dieses Problem? Die Antwort steckt in den Batteriepacks der Fahrzeuge selbst, genauer: In der Chemie der Zellen. An dieser Stelle kommen Startups ins Spiel. Der Autoindustrie fehlt immer noch die Expertise für den Bau von Akkus. Viele Hersteller haben diese Arbeit an spezialisierte Fertigungsunternehmen ausgelagert, Doch deren Forschung ist langsam und kommt bisher nicht auf die gewünschten Ergebnisse. Die Autohersteller, mittlerweile unter Zeitdruck, schauen sich also zunehmend auf dem Startup-Markt um und sind inzwischen auch fündig geworden.

Beispiel Our Next Energy: Das US-Startup gehört im Moment zu den Unternehmen, die besonders viel Aufmerksamkeit erregen. Die Entwickler des Batterieherstellers haben im vergangenen Jahr ihre Akkus in einen Tesla montiert und mit dem neuen Energiespeicher eine Reichweite von ziemlich beeindruckenden 1.210 Kilometern erreicht. Laut des Unternehmens hat man dies erreicht, indem die Energiedichte in den Akkus im Vergleich zum originalen Akkus verdoppelt werden konnte.

Die – selbstverständlich geheime – Technologie des Startups hat BMW so beeindruckt, dass sich die Bajuwaren 2020 in das Startup eingekauft haben. 20 Millionen Dollar hat One Next Energy erhalten, unter anderem von BMWi Ventures, dem Beteiligungsarm des Autoherstellers. Das erste Ergebnis der Investition ist ein Akku für den hauseigenen SUV-Stromer BMW iX, dessen Reichweite mit von ursprünglich 640 Kilometern auf nun 965 Kilometer steigen soll.

Besser als Tesla?

Auch in Europa gibt es Startups, die die Reichweite der E-Autos verlängern wollen. Innolith aus der Schweiz etwa setzt sich ebenfalls mit der Energiedichte der Zellen auseinander. Bis zu 1.000 Wattstunden pro Kilo will das Unternehmen im Test schon geschafft haben. Zum Vergleich: die Energiedichte eines Tesla-Akkus liegt derzeit bei rund 250 Wattstunden pro Kilo. Ob diese Energiedichten auch in der Massenproduktion erreichen werden können? Zurzeit hält sich das Schweizer Unternehmen noch zurück. Immerhin finden sich schon Akkus mit 300 Wattstunden im Sortiment. Das würde die Reichweite eines Teslas von 630 auf rund 750 Kilometern erhöhen.

Technologisch einen anderen Weg geht das US-Startup SolidEnergy Systems, kurz SES. Es setzt auf eine Feststoffbatterie, in der die Energie statt durch eine Flüssigkeit durch ein festes leitfähiges Material geleitet wird. Der von SES entwickelte Energiespeicher soll nach Firmenangaben gleich 500 Wattstunden pro Kilo leisten, was die Reichweite eines Teslas also verdoppeln würde. Das im letzten Jahr nach einem Börsengang mit 3,6 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen muss die Leistungsfähigkeit seiner Technologie im Regelbetrieb allerdings noch unter Beweis stellen.

Dennoch zeigen die Beispiele: Die Autoindustrie allein wird nicht mehr für den nächsten großen Technologiesprung sorgen. Es sind Startups, die neue Batterien entwickeln, das E-Auto gestalten und dafür sorgen, dass die berühmte Reichweitenangst bald der Vergangenheit angehört. 1.000 Kilometer weit mit einem Elektroautos fahren, ganz ohne Ladestopp – das ist schon bald Realität.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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