Deutsche Märkte schließen in 4 Stunden 20 Minuten
  • DAX

    12.797,00
    -16,03 (-0,13%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.452,42
    +4,11 (+0,12%)
     
  • Dow Jones 30

    31.097,26
    +321,86 (+1,05%)
     
  • Gold

    1.807,40
    +5,90 (+0,33%)
     
  • EUR/USD

    1,0428
    +0,0001 (+0,0104%)
     
  • BTC-EUR

    19.174,74
    +130,80 (+0,69%)
     
  • CMC Crypto 200

    420,84
    +0,70 (+0,17%)
     
  • Öl (Brent)

    110,30
    +1,87 (+1,72%)
     
  • MDAX

    25.548,28
    -288,97 (-1,12%)
     
  • TecDAX

    2.885,36
    -9,16 (-0,32%)
     
  • SDAX

    11.875,10
    -55,50 (-0,47%)
     
  • Nikkei 225

    26.153,81
    +218,19 (+0,84%)
     
  • FTSE 100

    7.232,65
    +64,00 (+0,89%)
     
  • CAC 40

    5.963,98
    +32,92 (+0,56%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.127,84
    +99,14 (+0,90%)
     

Regierung beschließt den Bau von Flüssiggas-Terminals, um Abhängigkeit von Russland zu reduzieren: Worum geht es dabei genau?

LNG-Terminal im Hafen von Rotterdam
LNG-Terminal im Hafen von Rotterdam

Die Bundesregierung strebt eine Flüssiggas-Offensive an: Nachdem sich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für die Förderung von Flüssiggas in Deutschland ausgesprochen hat, verkündete Bundeskanzler Scholz (SPD) den Bau zweier Flüssiggas-Terminals. Mittlerweile ist klar: Ingesamt sollen vier schwimmende Terminals von der Bundesregierung angemietet und betrieben werden.

Die Ampel-Koalition reagiert damit auf die russische Invasion der Ukraine, denn Deutschland soll dadurch zukünftig nicht mehr von Russlands Energielieferungen abhängig sein. Bislang gibt es diese Flüssiggas-Terminals nur in den Niederlanden, im Hafen Rotterdam. Diese Terminals nehmen importiertes Flüssiggas von Schiffen an, was danach in Deutschland verteilt wird.

Was würde das Flüssiggas in Deutschland verändern? Und wie unterscheidet es sich von dem Erdgas, welches wir bereits aus dem Ausland importieren? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist Flüssiggas?

Flüssiggas ist eine Umschreibung für flüssiges Erdgas oder auch Liquified Natural Gas (LNG). Es wird als Erdgas durch das "Fracking"-Verfahren aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen und in ein LNG Gas-Terminal geleitet. Hier wird es auf minus 162 Grad Celsius abgekühlt, sodass es von der Gas- in die Flüssigform übergeht.

Was sind die Vorteile von flüssigem Erdgas?

Der wichtigste Vorteil ist, dass flüssiges Erdgas deutlich besser transportiert werden kann. Im flüssigen Zustand verringert sich das Gesamtvolumen des Gases um das Hundertfache. So kann es effizient auf Schiffen, Zügen oder auch LKWs exportiert werden. Der Transport ist also nicht von der Installation einer Pipeline abhängig. Allerdings ist durch diesen aufwendigeren Transport LNG bisher teurer als Gas, das über eine Pipeline importiert wird. Die momentan hohen Gaspreise in Europa ändern dieses Kostenverhältnis zumindest aktuell: Die Preise von Gas, das über Pipelines transportiert wird, liegen deutlich über dem Preis von LNG-Lieferungen.

Hat die Gewinnung von Flüssiggas auch Nachteile?

Die Abkühlung von Erdgas bringt einen eigenen, großen Energieaufwand mit sich. Circa zehn bis 25 Prozent des Energiegehaltes von Flüssiggas wird in diesem Prozess verbraucht. Zudem ist Flüssiggas zu 98 Prozent ein Methangas, sodass die Entweichung dieses Treibhausgases durch die Herstellung von LNG gefördert wird. Das ist auch einer der Gründe, warum das "Fracking"-Verfahren für die Erdgas-Gewinnung aus dem Boden ohnehin schon stark umstritten und in Deutschland sogar verboten ist.

Was genau hat die Bundesregierung vor?

Der Bau von Import-Terminals für Flüssiggas aus dem Ausland ist schon seit längerem geplant. Zuletzt scheiterten Baupläne daran, dass Investoren fehlten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich bereits vor einem Jahr, damals noch als Finanzminister, positiv zu der finanziellen Unterstützung solcher Terminals in Deutschland. Als Reaktion auf die russische Invasion der Ukraine sollen vier Terminals angemietet und betrieben werden. Durch sie soll Deutschland zukünftig unabhängiger von Russland als Gaslieferant sein.

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte bereits signalisiert, dass er den Bau von LNG-Terminals vorantreiben und fördern möchte. Habeck erklärt seine Entscheidung ebenfalls mit geopolitischen Gründen: Deutschland solle nicht mehr von Russlands Energielieferungen abhängig sein. Er fängt sich dadurch vor allem Kritik aus seiner eigenen Partei ein, denn hier wird das Fracking-Verfahren und der Bau dieser Terminals schon seit längerem abgelehnt.

Gibt es schon konkrete Pläne für die Verwendung von Flüssiggas in Deutschland?

Insgesamt vier Terminals will die Bundesregierung mieten und betreiben, um darüber zunächst Flüssiggas (LNG) aus Ländern wie den USA, Kanada, Katar und Algerien zu importieren. Auf lange Sicht soll über die Terminals auch grüner – also klimaneutral hergestellter – Wasserstoff importiert werden. So soll Deutschland möglichst schnell unabhängig von russischen Erdgasimporten gemacht werden. Das erste Terminal soll Ende des Jahres in Betrieb gehen.

Was sollen die Pläne der Bundesregierung kosten?

Die Bundesregierung will in den kommenden zehn Jahren jährlich 274 Millionen Euro ausgeben, um schwimmende Terminals zum Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) zu mieten und zu betreiben. Das geht aus einem Bereinigungsantrag an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor, der Business Insider vorliegt.

Dem Antrag zufolge sollen die sogenannten „schwimmenden Speicher- und Regasifizierungseinheiten“ in diesem Jahr Miet- und Betriebskosten von 200 Millionen Euro zubuche schlagen. Bis zum Jahr 2032 sollen dann jährlich Kosten von 274 Millionen Euro anfallen. Insgesamt würden die Terminals bis dahin also knapp drei Milliarden Euro kosten.

Inwiefern würde Flüssiggas der momentanen Wirtschaftslage helfen?

Der Bau der Terminals würde einige Jahre dauern, sodass importiertes Flüssiggas die momentan sehr angespannte Lage der deutschen Energiepreise nicht entspannen würde. Mittelfristig soll das flüssige Erdgas aber helfen, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu minimieren und deutsche Energie-Ressourcen zu diversifizieren. Das würde bedeuten, dass zukünftig Energiepreise stabiler wären.

Was sagen Kritiker zu der Flüssiggas-Offensive der Ampel-Koalition?

Kritik kommt vor allem von den Grünen sowie mehreren Klimaschutzorganisationen. Sie argumentieren, dass man mit dem Bau der LNG-Terminals eine fossile Infrastruktur verfestige. So sagt der Landesvorsitzende der niedersächsischen Grünen, Hanso Janßen, dem "Spiegel", dass der LNG-Neubau "energiepolitisch verfehlt" sei. Es solle lieber direkt über Importstrukturen für grünen Wasserstoff nachgedacht werden. Schleswig-Holsteins grüner Energiewendeminister Jan Phi­lipp Albrecht meint, die Terminals müssten "von Anfang an auf den Handel emissionsfreier Gase wie etwa grüner Wasserstoff" ausgerichtet sein. Insgesamt solle man sich also lieber auf Wasserstoff als auf Flüssiggas konzentrieren, wenn es nach den Kritikern aus dem grünen Lager ginge.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. Februar 2022 aktualisiert. Er wurde am 16. Februar 2022 veröffentlicht.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD)
Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.