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Rechtsfrage: Wer muss zahlen, wenn Kinder Autos zerkratzen?

Beim Spielen oder durch einen Unfall kann es zu Kratzern im Autolack kommen – doch wer haftet dafür? (Bild: Getty Images)

Wenn Kinder beim Spielen Kratzer im Autolack verursachen, ist es für den Besitzer des Wagens meist sehr ärgerlich. Doch wer muss für den Schaden aufkommen – haften wirklich immer die Eltern?

Natürlich sollen Kinder spielen und toben dürfen – dass dabei auch manchmal etwas zu Bruch geht oder anderweitig Schaden nimmt, kommt vor und ist nur schwer zu vermeiden. Wenn beispielsweise ein Auto zerkratzt wird, weil das Fahrrad umfällt, kann in wenigen Sekunden ein teurer Lackschaden entstehen. Allerdings ist es auch nachvollziehbar, dass geschädigte Nachbarn, Freunde oder gänzlich Fremde ihren Schaden ersetzt bekommen möchten. Dabei gilt allerdings zu beachten: Eltern haften nicht zwangsläufig für ihre Kinder und auch diese haften erst ab einem bestimmten Alter beziehungsweise unter ganz besonderen Umständen.

Haftpflicht beachten

Grundsätzlich gilt: Kinder unter sieben Jahren haften laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch gar nicht. Bis zehn Jahre ist dies auch im Straßenverkehr der Fall. Ab sieben Jahren ist entscheidend, inwiefern das minderjährige Kind die Situation abschätzen konnte – je älter es ist, desto wahrscheinlicher ist es also, dass ein Kind selbst für den entstandenen Schaden haften muss. Doch wie soll dieser beglichen werden? Minderjährigen steht schließlich oft noch kein Geld zur Verfügung. Wird gerichtlich verfügt, dass ein Kind zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet ist, kann dieser noch 30 Jahre lang eingefordert werden – frühestens aber, wenn das Kind selbst ein Einkommen vorweisen kann.

Wurde die Aufsichtspflicht missachtet?

Für Schäden durch Kleinkinder kann allerdings auch die Aufsichtsperson haftbar gemacht werden. Dies ist der Fall, wenn die Aufsichtspflicht in grobem Maße missachtet wurde.
Entscheidend sind dabei das Alter, die jeweilige Situation und auch der Entwicklungsstand des Kindes. Je unvernünftiger ein Kind handelt, desto mehr Aufmerksamkeit muss ihm geschenkt werden. Grundsätzlich dürfen aber auch schon Kinder ab vier Jahren ohne ständige Überwachung im Garten spielen – alle 15 bis 30 Minuten nach ihnen zu schauen, reiche laut derzeitiger Rechtsprechung aus, um der Aufsichtspflicht nachzukommen.

Eltern dürfen ihre Aufsichtspflicht nicht verletzen. (Bild: Getty Images)

Haftpflichtversicherung abschließen

Die gute Nachricht für Eltern: Kinder sind automatisch über die eigene Privathaftpflichtversicherung mitversichert. In vielen Fällen kann der Schaden also über die Versicherung reguliert werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass entweder Kind oder Eltern haften müssen. Ist dies nicht der Fall, kann sich die private Haftpflichtversicherung weigern, den Schaden zu begleichen, und der Geschädigte bleibt auf den Kosten sitzen.

Unser Tipp: Haftpflichtversicherungen speziell für Familien können besondere Klauseln enthalten, durch die eine Zahlung trotzdem garantiert ist. Zudem kann sich jeder mit der eigenen privaten Haftpflichtversicherung schützen. Haben Eltern beispielsweise keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen oder sie können oder müssen den Schaden nicht begleichen, kann die sogenannte Forderungsausfall-Klausel des Geschädigten greifen. Es empfiehlt sich deshalb, den eigenen Haftpflicht-Tarif daraufhin zu prüfen.

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