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Recherche-Projekt: Beispiele zeigen, welche Gefahr von perfekt gefälschten Politiker-Videos ausgehen kann

·Lesedauer: 3 Min.
Journalistenschüler und Tech-Studierende von Axel Springer haben sich acht Wochen lang mit dem Thema Deepfakes beschäftigt.
Journalistenschüler und Tech-Studierende von Axel Springer haben sich acht Wochen lang mit dem Thema Deepfakes beschäftigt.

Die Fenster sind verhangen, als Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) den Raum im Axel-Springer-Hochhaus betritt, in dem wir unser Interview führen. Nur eine Lampe spendet Licht, taucht den Raum in grelles Blau. Die Stimmung ist mystisch. Kubicki nimmt Platz, rückt seine Lesebrille zurecht. Wir drücken ihm ein iPad in die Hand und sind gespannt. Play.

Auf dem Tablet sieht Kubicki ein Video von sich selbst. Darin spricht er sich für die Vermögenssteuer aus, befürwortet eine Impfpflicht im Kampf gegen Corona und teilt kräftig gegen den eigenen Parteichef Christian Lindner aus. Es sind Sätze, die der FDP-Politiker so wohl niemals sagen würde – und auch noch nie gesagt hat. Bei dem Video handelt es sich um ein Deepfake.

Deepfakes reihen sich ein in die Jahrhunderte alte Geschichte der Fälschungen und ist gewissermaßen die Weiterentwicklung der Photoshop-Technologie – für Videos. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) kann man Menschen alle möglichen Sätze in den Mund legen, solange man nur genug Videomaterial von der Person hat.

Was bedeuten Deepfakes für unsere Gesellschaft?

Im Rahmen eines interdisziplinären Projekts haben wir Journalistenschüler zusammen mit Tech-Studierenden von Axel Springer versucht herauszufinden, wie weit fortgeschritten die Technologie bereits ist.

Und übergeordnet: Was Deepfakes für unsere Gesellschaft in Zukunft bedeuten könnten – gerade in Hinblick auf die Bundestagswahl. Dafür haben wir Deepfakes von mehreren Politikern erstellt, natürlich mit deren Zustimmung.

Darunter auch ein Fake von Wolfgang Kubicki. Wir haben die Politiker mit den Videos konfrontiert und ihre Reaktionen eingefangen. So konnten wir uns ein ungefiltertes Bild davon machen, ob die Technologie schon so ausgereift ist, dass Politiker darin eine ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie sehen.

Gefahr für die Demokratie

Das wohl prominenteste Beispiel für Deepfakes im Netz ist das Video des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, der vermeintlich in vulgärer Sprache gegen seinen Nachfolger Donald Trump ausholt. An der Produktion dieses Videos haben rund ein Dutzend Experten viele Wochen lang gearbeitet.

Im Laufe unseres Projekts haben wir festgestellt, dass es noch gar nicht so einfach ist, ein Deepfake-Video in einer Qualität zu erstellen, in der es eine breite Masse für real hält – zum Glück, denn für die Demokratie könnte es ein Paukenschlag sein, wenn beispielsweise kurz vor einer Wahl ein Deepfake-Video auftauchen würde mit Aussagen, die die jeweiligen Politiker nie getroffen haben. Einmal in die Welt gesetzt, lässt sich ein Deepfake kaum noch einfangen.

Kubicki: "Wenn das perfektioniert wird, wäre es ein Riesenproblem"

Dass die Technologie – zumindest was deutsche Audiodateien betrifft – noch nicht ganz ausgereift ist, stellt auch Kubicki fest. In seinem gefakten Video bemerkt er, dass die Lippenbewegung nicht ganz zum Text passt. Doch ist ihm auch das Potential bewusst, das in dieser Technologie steckt. Seine Stimme erkennt er eindeutig wieder. „Wenn das perfektioniert wird, wäre es ein Riesenproblem“, sagt er. „Das könnte sowohl meine Existenz ruinieren, als auch meine Position in der Partei massiv schwächen“.

Es sei ihm ein großes Anliegen, das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses Thema zu wecken. Denn er ist sich sicher, dass rund 90 Prozent der Menschen gar nicht weiß, dass so etwas überhaupt möglich ist. Er versichert, das Thema in den Bundestag zu tragen und zu versuchen, die Straftatbestände bezüglich Deepfakes künftig genauer zu fassen, damit Staatsanwaltschaften schneller einschreiten können.

Das Projekt beinhaltet eine rund 20-minütige Dokumentation, Reportagen, Expertengespräche und einen Podcast – zu finden unter www.thedeepfake.report

https://www.youtube.com/watch?v=rNn8O9kf05o

Anmerkung: Die Free Tech Academy vereint die Journalistenschule der Axel-Springer-Akademie mit dem Springer Tech-Programm. Die Autoren sind Schüler der Free Tech Academy.

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