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Reaktionen auf Anleihekaufprogramm: „Glaubwürdigkeit der EZB wiederhergestellt“

Ökonomen reagieren überwiegend positiv auf das Anleihekaufprogramm der EZB. Gleichzeitig sehen sie die Grenzen der Wirksamkeit.

Die Notenbank setzt ihre ganze Macht ein. Foto: dpa

Der Chefökonom der Commerzbank, Jörg Krämer, bringt es auf den Punkt. Zu dem in der Nacht beschlossenen unbegrenzten Kaufprogramm der EZB schreibt er: „Das wird den Anleihen der hochverschuldeten Staaten helfen.“

Allerdings würde man die EZB überfordern, wenn man erwarte, sie allein könne den Kursrutsch an den Aktienmärkten beenden. Damit die Märkte sich beruhigen, müsste es seiner Meinung nach sichtbare Fortschritte bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie geben.

Frederik Ducrozet von der Schweizer Privatbank Pictet, formuliert es etwas anders: „Keine Grenzen mehr. Die Glaubwürdigkeit ist wiederhergestellt.“

Die EZB hatte in einer nächtlichen Telefonkonferenz ein Programm zum Ankauf von Anleihen im Volumen von 750 Milliarden Euro bis Jahresende beschlossen. Bei Bedarf kann das Programm aber so lange verlängert werden, wie die Coronakrise es erforderlich macht. Dabei machte die EZB deutlich, dass selbst gesetzte Beschränkungen weitgehend gelockert werden – bei der Frage, was sie kauft und welche Sicherheiten sie für Kredite akzeptiert.

So wird die Zentralbank zum Beispiel auch griechische Staatsanleihen einbeziehen, deren Bonität bisher als zu gering eingestuft wurde. Sie kann künftig auch sogenannte Commercial Papers kaufen, das sind kurzlaufende Zinspapiere von Unternehmen außerhalb des Bankensektors. Und sie wird bei der Kreditvergabe gegen Sicherheiten darauf achten, dass die Banken in vollem Umfang diese Kredite auch nutzen können.

Die Notenbank hatte bereits zuvor ein umfangreiches Programm längerfristiger Kredite an die Geschäftsbanken beschlossen, um ein Einfrieren der Liquidität zu verhindern.

Lagardes „Whatever it takes“

Die EZB und ihre Präsidentin Christine Lagarde standen zuletzt enorm unter Handlungsdruck. Die US-Notenbank (Fed) hatte ein großzügiges Programm nach dem anderen beschlossen, darunter auch den Kauf von Commercial Papers und zuletzt sogar die Unterstützung des Geldmarkts. Dabei wurde deutlich, dass sie damit zwar die Funktionsfähigkeit der Märkte erhalten, aber nicht den Absturz der Börsenkurse verhindern kann.

Analyst Ebrahim Rahbari von der Citigroup kommentiert: „Insgesamt schließt die EZB so zur Fed auf. Sie tut, was sie kann, einschließlich der Unterstützung höherer Regierungsausgaben. Aber sie wird ebenso wenig wie die Fed in der Lage sein, die Sorgen im Bereich der Kreditvergabe, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Gesundheit auszuräumen.“

Die EZB hatte bislang nur am 12. März ein relativ kleines Ankaufprogramm für Anleihen beschlossen. Außerdem hatte Lagarde durch eine ungeschickte Äußerung zunächst den Eindruck erweckt, die Notenbank sehe sich nicht in der Pflicht, Euro-Ländern in Not bei der Refinanzierung zu helfen. Das setzte vor allem italienische Staatsanleihen unter Druck.

In den Märkten war tagelang eine steigende Sorge um den Zusammenhalt der Euro-Zone zu spüren. Dieses Problem scheint zunächst abgewendet. Greg Fuzesi, Ökonom von JP Morgan, findet: „Das ist der Versuch, die kürzlichen Kommunikationsfehler auszugleichen.“

Nach Einschätzung der Ökonomen der Deutschen Bank hat Lagarde dagegen ihr „Whatever it takes“ abgeliefert. Mit dieser Formulierung hatte ihr Vorgänger Mario Draghi 2012 für den Zusammenhalt der Euro-Zone gesorgt. Er sagte, die EZB werde dafür im Rahmen ihres Mandats alles Nötige tun, um den Euro zu erhalten – „was immer kostet“.