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Die Rally läuft weiter – aber das Risiko einer Korrektur wächst

·Lesedauer: 4 Min.

Die Anleger wollen weiter steigende Kurse sehen, die Stimmung klettert auf das höchste Niveau seit gut drei Jahren. Doch nun müssen neue Impulse her.

Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab. Foto: dpa
Die Profis sichern sich derzeit an den Märkten wie die Privatanleger ab. Foto: dpa

Anleger glauben fest an weiter steigende Kurse am deutschen Aktienmarkt: Die Stimmung ist so „bullish“ wie seit dem Herbst 2017 nicht mehr. Das zeigt die aktuelle Auswertung der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3600 Anlegern.

Zum Vergleich: Im Herbst vor drei Jahren, als die Stimmung sogar noch etwas positiver war, als sie derzeit ist, hatte US-Präsident Donald Trump die Unternehmensteuerreform angekündigt. Im Anschluss stiegen die Aktienmärkte um 13 Prozent.

Doch in den vergangenen drei Wochen ist der Dax bereits um 14 Prozent angesprungen. Ein reiner Vergleich der aktuellen Stimmungszahlen zeigt demnach: Der Impuls für steigende Kurse wurde bereits an der Börse „abgearbeitet“. Dieser Optimismus müsste noch weiter steigen, um diese Rally am Laufen zu halten.

„Das ist – rein stimmungstechnisch betrachtet – natürlich nicht leicht“, erläutert Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage auswertet. Seine Schlussfolgerung aus dem reinen Zahlenvergleich: „Das Risiko einer Korrektur wird größer.“

Doch es gibt einige Gründe, warum der Optimismus durchaus noch größer werden könnte. Für den ersten Schub hat die überraschende Meldung zum Covid-19-Impfstoff von Biontech gesorgt. Die Meldung katapultierte die Aktienmärkte weiter in die Höhe, in der vergangenen Woche um knapp fünf Prozent.

Weitere ähnliche Meldungen könnten folgen. Die Pharmafirmen Moderna und Curevac entwickeln Impfstoffe auf ähnlicher Basis wie Biontech, positive Testergebnisse sind nun auch von diesen Unternehmen zu erwarten. Gleichzeitig läuft eine ganze Reihe an Testphasen mit diversen Medikamenten zur Behandlung von Covid-19. Jede Veröffentlichung von positiven Testergebnissen dürfte die Stimmung weiter anheizen und die Kurse weiter steigen lassen.

Doch ein Blick auf die Lage in den USA zeigt ein anderes Bild: Dort hat sich die Zahl der infizierten Personen innerhalb von zehn Tagen verdoppelt. Was, wenn die Situation in den USA in einigen Regionen aus dem Ruder läuft? Präsident Trump will keinen Lockdown anordnen. „Es gibt durchaus Entwicklungen, die der Rally ein jähes Ende setzen könnten“, meint Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx.

Heibel erwartet aufgrund dieser beiden widersprüchlichen Signale zu Impfstoffen auf der einen und der Lage in den USA auf der anderen Seite einen weiteren holprigen Rallyverlauf. „Es wird viele Gelegenheiten geben, unliebsame Aktien aus dem Portfolio zu werfen und neue Lieblinge zu günstigen Kursen einzusammeln“, erwartet er.

Aktuelle Umfrageergebnisse

Das Anlegersentiment kann sich über diese fulminante Rally nicht so richtig freuen. Mit einem Wert von plus 3,1 ist die Stimmung gegenüber der Vorwoche (plus 3,8) leicht zurückgegangen. Gegenüber der fast erreichten Euphorie der Vorwoche ist die Stimmung wieder auf ein moderat positives Niveau gefallen.

Die Selbstgefälligkeit ist mit einem Wert von plus 0,7 Prozent weiterhin neutral. Die für die Corona-Monate typische Verunsicherung ist gewichen. Aber Selbstsicherheit, typisch für die Haltung der Anleger nach deutlichen Kursgewinnen, ist noch nicht zu erkennen: Zu überraschend kam der Kurssprung in der vergangenen Woche.

Der Zukunftsoptimismus ist vom hohen Niveau der Vorwoche nochmals angestiegen, um 1,2 Prozentpunkte auf plus 5,2 Prozent. Solch ein Anstieg bedeutet, dass die Rally durchaus weitergehen kann.

Doch die Investitionsbereitschaft ist von 3,8 auf einen Wert von nur noch 3,4 gefallen. Das ist ein noch immer solides Niveau, aber die hohen Werte der beiden Vorwochen haben sich abgebaut. „Entweder wurde inzwischen gekauft, oder, das glaube ich eher, den Anlegern sind die Kurse zum Kaufen nun zu hoch“, erläutert Heibel.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von minus drei eine leichte Absicherungsneigung an. Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, haben die Rally der vergangenen Woche ebenfalls genutzt, um ihre Put-Positionen auszubauen.

Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse steigt von niedrigem Niveau aus leicht an, in den USA werden die Long-Spekulationen in die Rally hinein nun offensichtlich langsam aufgelöst.

US-Fondsmanager haben kräftig Aktien gekauft, die Investitionsquote ist um 27 Prozentpunkte auf 96 Prozent gesprungen. Nun weiß man, wer die Kurse nach oben getrieben hat.

Erstmals seit Februar haben die Bullen im Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger wieder die Oberhand gewonnen, und zwar gleich mit 31 Prozent. „Das entspricht dem höchsten Wert, an den ich mich erinnern kann“, meint Sentimentexperte Heibel.

Der anhand technischer Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte zeigt mit 55 Prozent weiterhin eine neutrale Verfassung an. Kurzfristige technische Indikatoren für den US-Aktienmarkt zeigen eine stark überkaufte Marktverfassung an, was eine Korrektur signalisiert.

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