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Ralf Dümmel investiert in Diabetes-Chips – die Marke Chipolos existiert wohl aber noch nicht

Gründer Igor Bukin ergattert für seine kohlenhydratarmen Chips einen der letzten Deals im DHDL-Staffelfinale. - Copyright: RTL / Bernd-Michael Maurer
Gründer Igor Bukin ergattert für seine kohlenhydratarmen Chips einen der letzten Deals im DHDL-Staffelfinale. - Copyright: RTL / Bernd-Michael Maurer

Mit bewusst wenig Brimborium tritt Igor Bukin den Investoren in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ am Montagabend entgegen. Das Fernsehstudio ist fast leergeräumt. Lediglich ein Bildschirm im Standby und zwei zugedeckte Podeste, darunter seine Chips-Alternative. „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“, sagt der Gründer passenderweise zur Begrüßung. Seine schonungslose Ehrlichkeit, weder Verkaufszahlen noch ein fertiges Food-Produkt präsentieren zu können, imponiert – und so geht Bukin nicht mit leeren Händen nach Hause.

Er bekommt einen Deal mit Investor Ralf Dümmel zu seinen Wunsch-Konditionen: 50.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile. „Ich hatte nur eine Story und eine Vision – und an die hat er geglaubt“, sagt Bukin hinterher. Daran scheint sich auch nach der Show nichts geändert zu haben, denn der Deal ist zustande gekommen, wie Gründerszene aus dem Firmenumfeld von Ralf Dümmel erfahren hat. Story und Vision gibt es offenbar auch noch - und zwar nur die. Produkte und Onlineshop? Alles bisher nicht vorhanden.

Der Gründer verfolgt das Ziel, Chips für Diabetiker groß rauszubringen. Seine Kreation, knusprige Bällchen auf Basis von Sojaprotein, die der Gründer „Chipolos“ nennt, enthalten laut Eigenaussage weniger als ein Gramm Kohlenhydrat auf 100 Gramm gerechnet. Zudem seien sie zuckerarm und sehr proteinreich, was den Snack auch „für Pumper“ interessant mache. Hingegen würde eine Tüte Kartoffelchips dem Gründer zufolge zwischen 40 und 70 Gramm Kohlenhydrate auf 100 Gramm beinhalten. „Viel zu viel für einen Diabetiker“.

Gründer ist selbst Diabetiker

Bukin weiß, wovon er spricht. Er selbst erhielt die Diagnose der Zuckerkrankheit vor 17 Jahren, erzählt er. In Deutschland leben rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes. Sechsmal sei er operiert worden, weil seine Augen drohten, zu erblinden. Rechts sieht der Gründer heute nur noch 20 Prozent. Dadurch, dass Diabetes Gefäße schädigt und so die Durchblutung der Netzhaut gestört werden kann, können zeitweise Sehstörungen bis hin zu dauerhafter Erblindung oft die Folge sein.

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Bukin hat deswegen seine Ernährung komplett umgestellt, isst keinen Zucker mehr und nimmt täglich nur noch 30 Gramm Kohlenhydrate zu sich, sodass sein Blutzuckerspiegel weniger schwankt. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt allgemein mehr als 50 Prozent der Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten zu sich zu nehmen. Bei Frauen und Männern im mittleren Alter entspricht das zwischen 230 und 300 Gramm Kohlenhydrate täglich.

Auf herzhafte Snacks wollte Bukin aber nicht ganz verzichten. Den Löwen erzählt er, mehrere Institute für die Herstellung und Rezepturentwicklung eines Diabetiker-Snacks angefragt zu haben. Diese hätten ihm aber abgesagt. Stattdessen sei Burkin auf einen Lebensmitteltechniker gestoßen, der mit Sojaproteinen experimentierte, bisher aber nicht auf die Idee gekommen war, daraus kohlenhydratarme Chips zu machen. Vom Land NRW erhielt Bukin das Gründerstipendium, bekam also ein Jahr lang monatlich 1.200 Euro für sein Projekt ausgezahlt. Das Geld habe Bukin dann komplett in die Produktentwicklung gesteckt, um etwa die richtige Würzmischung zu finden und ein Design zu entwerfen. Um damit in die Herstellung zu gehen, reichten die Fördermittel aber nicht: „Der kleinste Produzent wollte 6.000 Stück – da ist uns 2023 das Geld für ausgegangen“, erklärt Bukin vor den kauenden Investoren.

Den Investoren schmecken die Chipolos

Sie zeigen sich von den Chipolos begeistert. „Riecht wie normale Chips“, „eine gute Konsistenz“ und „lecker und leicht“ loben etwa Dagmar Wöhrl, Nils Glagau und Carsten Maschmeyer. Die anderen beiden, Tillmann Schulz und Ralf Dümmel, haben ihre Portion schnell verputzt. Trotzdem wendet Schulz ein: „Ich sehe den Markt schwer, wenn die ganz Großen das Produkt sehen, können sie es rein theoretisch auch nachbauen.“

Hingegen hält Dümmel die drohende Konkurrenz nicht ab: „Ja, das ist schwer. Aber sonst wärst du auch nicht hier, wenn es so einfach wäre,“ argumentiert er. Der Investor ist weiterhin willens bei Bukin einzusteigen. Als Grund nennt er den guten Geschmack: „Eigentlich schmeckt es nicht, wenn etwas 99 Prozent weniger Kohlenhydrate hat“, so Dümmel. Er habe das bei vielen Low-Carb-Gerichten feststellen können. Bei Chipolos sei das anders. Dümmel betont: „Alle haben gesagt, es schmeckt fantastisch – und das ist, glaube ich, erst mal die Basis. Ich sage dir ganz ehrlich: Solchen Typen wie dir muss man helfen.“

Auch Glagau bekundet Interesse, sich an Bukins Startup zu beteiligen, gibt seinem Löwen-Kollegen aber letztlich den Vortritt.

Produkt noch nicht online

Obwohl es tatsächlich zum Abschluss des Deals zwischen Bukin und Ralf Dümmel kam, ist bisher wenig über das Startup bekannt. Eine Website scheint nicht zu existieren. Weitere Angaben, wie die Entwicklung der Diabetes-Chips voranschreitet, geschweige denn, wann mit einer Markteinführung zu rechnen ist, machte Dümmel gegenüber Gründerszene nicht. Nur so viel lässt der Investor verlauten: „Die Herausforderungen, Chipolos, wie Igor diese präsentiert hat, in der gleichen Qualität, geschmacklich und mit 99 Prozent weniger Kohlenhydraten auf den Markt zu bringen, dauert leider länger, als von uns gedacht. Wir arbeiten weiter an der Umsetzung.“ Dümmel nennt Bukin schon jetzt ein „Vorbild für uns alle“. Er betont, sich auf den gemeinsamen Weg zu freuen. „Ich bin so stolz, dass Igor zur Löwenfamilie gehört.“

Auch der Gründer erklärt, dass obwohl sich Dümmel, sein Team und er „direkt nach dem Pitch“ zusammengesetzt hätten, um den Deal „fix zu machen“, sie für die Produktentwicklung noch mehr Arbeit und Zeit bräuchten. „Denn in der eigenen Küche zu produzieren ist ein anderes Level, als Chips industriell für den Handel herzustellen. Aber keine Sorge: Wir arbeiten auf Hochtouren dran“, so Bukin. Bleibt zu hoffen, dass der etablierte Handel dem Vorhaben des ambitionierten Gründers nicht zuvorkommt.