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Quartalsbilanz: Apple verdient zwei Milliarden Dollar weniger

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger

Auch in Cupertino laufen die Gelddruckmaschinen mal langsamer: Im abgelaufenen Juni-Quartal konnte der wertvollste Konzern der Welt die Analystenschätzungen zwar übertreffen, verdiente unterm Strich aber mehrere Milliarden Dollar weniger. Apple-CEO Tim Cook erfreut Anleger allerdings mit einem optimistischen Ausblick. Die Aktie legt wieder einmal zu.

Jubelstimmung ohne Ende: Das Gefühl kennen nicht nur iPhone-Besitzer, sondern auch Apple-Aktionäre (Foto: © Apple)
Jubelstimmung ohne Ende: Das Gefühl kennen nicht nur iPhone-Besitzer, sondern auch Apple-Aktionäre (Foto: © Apple)

Apple hat bei Vorlage seiner Geschäftsbilanz für das zweite Kalenderquartal 2022, das bereits das dritte des laufenden Geschäftsjahres des Kultkonzerns aus Cupertino ist, die Erwartungen der Wall Street erneut weitgehend übertroffen.

In den 91 Tagen zwischen Anfang April und Ende Juni erlöste der iKonzern mit 82,95 Milliarden Dollar nur noch 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. CEO Tim Cook konnte die Analystenschätzungen, die noch bei 82,81 Milliarden Dollar gelegen hatten, damit aber dennoch hauchdünn schlagen.

Gewinn gibt um mehr als 2 Milliarden Dollar nach

Das Konzernergebnis entwickelte sich ebenfalls über den Erwartungen: Die Konsensschätzungen, die noch bei einem Gewinn je Aktie von 1,16 Dollar gelegen hatten, wurden mit einem Profit je Anteilsschein von tatsächlich 1,20 Dollar knapp übertroffen. Gegenüber dem Vorjahresquartal, als der iPhone-Hersteller noch 1,30 Dollar je Aktie verdient hatte, ging der Profit je Anteilsschein damit jedoch um etwa 8 Prozent zurück.

Unterm Strich gaben die Gewinne nach langer Zeit wieder einmal nach: Nach 21,74 Milliarden Dollar im zweiten Kalenderquartal des Vorjahres wies der Techpionier aus Cupertino in den zweiten drei Monaten 2022 nunmehr einen Nettogewinn von genau 19,44 Milliarden Dollar aus – ein Minus von 11 Prozent.

iPhone-Absätze legen weiter zu

Als Lebensversicherung des iKonzerns erwies sich wieder einmal das iPhone, mit dem Apple weiter wächst, wenn auch nur noch einstellig.

Nach 39,57 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum konnte Apple mit seinem iPhone im Juni-Quartal nunmehr 40,66 Milliarden Dollar umsetzen – eine Absatzsteigerung von knapp 3 Prozent, während die Wall Street gar mit einem Umsatzrückgang auf 38,33 Milliarden Dollar gerechnet hatte.

Internetdienste wachsen schwächer als erwartet

Weiter punkten konnte Apple ebenfalls mit seinem Hoffnungsträger für die Zukunft. Die Servicesparte verbuchte weiter zweistellige Umsatzzuwächse, die jedoch weniger dynamisch ausfielen: Die Erlöse zogen von 17,45 auf 19,60 Milliarden Dollar an – ein Plus von 12 Prozent, das marginal unter den Analystenschätzungen von 19,7 Milliarden Dollar lag.

Das Geschäft mit iTunes, dem App Store, Apple Music, der iCloud, Apple Care, Apple Pay, Lizenzgebühren (wie durch Googles vorinstallierte Suche auf iOS-Geräten), dem Gaming-Angebot Apple Arcade und dem Streaming-Dienst Apple TV+, das längst zum zweitgrößten Unternehmensbereich angewachsen ist, macht inzwischen bereits 24 Prozent der gesamten Konzernerlöse und fast die Hälfte der iPhone-Absätze aus.

Wearables-Sparte erstmals mit Rückgängen

Zum Wachstumstreiber in Apples Bilanz avancierte in den vergangenen Jahren der relativ junge Geschäftsbereich “Wearables, Home and Accessories”, hinter dem sich in erster Linie das Geschäft mit der Apple Watch und den boomenden Drahtlos-Kopfhörern AirPods sowie dem smarten Lautsprecher HomePod verbirgt. (Ältere Apple-Produkte wie der iPod oder Apple TV sind ebenfalls in dem Segment zusammengefasst.)

Nach Jahren der dynamischen Zuwächse muss das jüngste Apple-Segment nun jedoch erstmals mit Umsatzrückgängen kämpfen. Weil die letzten Upgrades der Apple Watch Series 7 und des AirPods-Segments marginaler als in den Vorjahren ausfielen, gingen die Umsätze der Wearables-Sparte im zweiten Kalenderquartal deutlich zurück: Das Umsatzminus betrug 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf nunmehr nur noch 8,08 Milliarden Dollar. Die Analystenschätzungen, die noch bei 8,86 Milliarden Dollar gelegen hatten, wurden damit erstaunlich deutlich verfehlt.

Mac- und iPad-Umsätze rückläufig

Ebenfalls nicht mehr auf Wachstumskurs befindet sich Apples älteste Konzernsparte: die Mac-Unit. Das Computergeschäft hatte dank der Auffrischung der MacBooks in den vergangenen Quartalen noch deutlich angezogen – der Effekt scheint nun jedoch aufgebraucht. Nach Umsätzen von 8,23 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum erlöste Apple mit seiner Mac-Sparte nunmehr nur noch 7,38 Milliarden und verfehlte damit die Konsensschätzungen der Wall Street sehr deutlich. Analysten hatten nämlich mit Zuwächsen auf 8,70 Milliarden Dollar gerechnet.

Auch die iPad-Sparte, deren Absätze in Zeiten der Pandemie in den vergangenen zwei Jahren massiv zugelegt hatten, entwickelte sich erneut schwächer als im Vorjahreszeitraum. Nach 7,36 Milliarden Dollar erlösten Apples Tablet-Macs im zweiten Geschäftsviertel 2022 nunmehr 7,22 Milliarden Dollar – ein Minus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Analysten hatten indes mit einem noch stärkeren Rückgang auf 6,94 Milliarden Dollar gerechnet.

Aktie legt nachbörslich zu

Nachdem die Anteilsscheine in den vergangenen Handelstagen im Sog der Techbörse Nasdaq wieder deutlich zugelegt hatten, baute die Apple-Aktie in Reaktion auf das neue Zahlenwerk nachbörslich das Kursplus um weitere 3 Prozent auf 162 Dollar aus.

Maßgeblichen Anteil daran hatte Apple-CEO Tim Cook, der im Anschluss der Bilanzbekanntgabe erklärte, Apples Umsatzwachstum werde sich im September-Quartal wieder „beschleunigen“. Einen konkreten Ausblick vermied Apple allerdings.

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