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Der Prozessfanatiker soll bei Siemens Energy ein neues Margenwunder schaffen

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Der Chef von Siemens Energy hat das heikle Kohleproblem gelöst. Nun will er sich ganz auf die Verbesserung der Profitabilität konzentrieren.

Bei Siemens Energy wissen die Mitarbeiter inzwischen, was ihrem CEO Christian Bruch wichtig ist. Als der Chef sie intern aufrief, Vorschläge zu machen, wie die Prozesse verbessert werden können, reichten sie mehr als 1000 Ideen ein. Derzeit wird bei jeder geprüft, ob sie umsetzbar ist.

Bruch wolle alles „schneller, besser, effizienter“ machen, sagt einer aus seinem Umfeld. Beim Ex-Mutterkonzern Siemens seien die Prozesse heilig. Doch der neue Chef habe für ein „Das haben wir schon immer so gemacht“ nur wenig übrig.

Es ist eine schwierige Mission, die Bruch da angetreten hat. Die erste Bilanz, die er am Dienstag auf seine eher nüchterne Art vorgelegt hat, war tiefrot. Wegen Abschreibungen und operativer Probleme macht das neue Unternehmen Verluste. Doch vor dem Börsenstart Ende September hatte Bruch den Kapitalmärkten zusätzliche Einsparungen von 300 Millionen Euro versprochen. Der CEO muss rasch liefern, wenn die Abspaltung von Siemens ein Erfolg sein soll.

Zumindest kann sich der 50-Jährige nun ganz auf die Profitabilität konzentrieren. Das heikle Thema Kohleenergie hat er auf seine typische, eher pragmatische Art gelöst: Siemens Energy nimmt keine neuen Aufträge für reine Kohlekraftwerke mehr an. Den profitablen Service wird das Unternehmen aber noch etliche Jahre weiterführen.

Bei seinem Ex-Arbeitgeber Linde hatte Bruch gezeigt, dass er ein Geschäft drehen kann. Der Anlagenbau, den er verantwortete, galt bei der Fusion mit Praxair als Kandidat für eine Abtrennung. Doch Bruch optimierte die Prozesse und verbesserte die Margen. Heute sagt Linde-CEO Steve Angel, er sei froh, dass man am Anlagenbau festgehalten habe.

Als Manager fordernd und manchmal ungeduldig

Bei Siemens Energy soll Bruch jetzt ein neues Margenwunder gelingen. Die Branche kannte er schon vor seinem Wechsel. Der Energietechnik-Ingenieur hatte vor Linde einige Jahre bei RWE gearbeitet und sich da mit Kraftwerksforschung, dezentraler Brennstoffzellentechnik und Kraft-Wärme-Kopplung beschäftigt. Bei einer Entwicklungspartnerschaft von RWE und Siemens war er einmal Verbindungsmann in den USA.

Als Manager ist Bruch fordernd, kann auch einmal ungeduldig sein. „Man sollte nicht unvorbereitet in ein Meeting mit ihm gehen“, sagt ein Siemens-Energy-Manager. Bruch lese sich tief in die Themen ein.

Die Gefahr bei so akribischen Führungskräften ist, dass sie Mikromanagement betreiben und das große Ganze aus den Augen verlieren. Bruch selbst spricht intern von einer „passion for details“, also einer Leidenschaft für Details, die wichtig sei. Doch das große Ganze will er nicht aus den Augen verlieren. „Wir wollen das anerkannteste Energietechnologieunternehmen der Welt werden.“

Auf dem Weg dahin lauern noch einige Fallstricke. Die Profitabilität wird Bruch wohl nur mit weiteren Stellenstreichungen und Standortschließungen verbessern können. Die Verhandlungen mit den bei Siemens mächtigen Arbeitnehmervertretungen laufen nicht einfach.

So ist es noch ein weiter Weg für Bruch. „Schritt für Schritt für Schritt“ vollziehe sich der Wandel von der Kohle zu den Erneuerbaren, sagte er am Dienstag. Und mit vielen kleinen Schritten will er auch die Profitabilität von Siemens Energy verbessern. Im laufenden Geschäftsjahr peilt er vor Sondereffekten eine operative Marge von 3,5 bis 5,5 Prozent an. Vielleicht können ja die ersten umgesetzten Mitarbeitervorschläge dabei helfen, dies zu erreichen.