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Der Prozess gegen Sam Bankman-Fried beginnt: Was ihr über den mutmaßlichen FTX-Betrug wissen müsst

Der Prozess gegen den FTX-Gründer Sam Bankman-Fried geht los. - Copyright: Chelsea Jia Feng/Insider
Der Prozess gegen den FTX-Gründer Sam Bankman-Fried geht los. - Copyright: Chelsea Jia Feng/Insider

Der ehemalige Krypto-Milliardär Sam Bankman-Fried muss sich nun dem Gericht stellen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Kunden der Kryptobörse FTX betrogen zu haben. Er hatte das Unternehmen aufgebaut und bis zu seinem Untergang vergangenen Jahres geführt.

Laut Staatsanwaltschaft vermischte Bankman-Fried Gelder von FTX, wo er CEO war, und Alameda Research, einem Hedgefonds, den er ebenfalls kontrollierte. Als die fragwürdige Verbindung an die Öffentlichkeit kam, versuchten Kunden ihr Geld von der Kryptobörse abzuziehen. Das Unternehmen musste wenig später Insolvenz anmelden.

Der Untergang von FTX markierte für viele Amerikaner wohl auch den letzten Nagel im Sarg der Möglichkeit, dass Kryptowährung ein legitimes Finanzinstrument sein könnte.

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Für viele galt FTX als ein reguliertes Kryptounternehmen, was durch seine Verbindungen zu prominenten Sprechern und legitimen Finanzinstituten bewiesen wurde. Bankman-Fried hatte hart gearbeitet und Dutzende von Millionen Dollar ausgegeben, um sich bei Politikern einzuschmeicheln und zu versuchen, die Krypto-Regulierung mitzugestalten.

FTX war mehr als 30 Milliarden Euro wert

Auf seinem Höhepunkt wurde FTX mit 32 Milliarden Dollar (etwa 30,5 Milliarden Euro) bewertet, wurde von elitären Risikokapitalfirmen unterstützt, hatte die Namensrechte für das Basketballstadion der Miami Heat und schaltete auffällige Werbespots mit den Promis Tom Brady, Gisele Bündchen, Stephen Curry, Naomi Osaka, Larry David und Kevin O'Leary von "Shark Tank", dem amerikanischen Ableger von "Die Höhle der Löwen" .

Sam Bankman-Fried, jetzt 31 Jahre alt, war vor allem unter seinem Spitznamen SBF bekannt.

Der Ex-Mogul plädierte auf "nicht schuldig" in Bezug auf alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe und argumentierte, dass die Staatsanwälte und die Anzugträger, die FTX nach dem Zusammenbruch übernommen hatten, sein Handeln falsch verstanden hätten. Mit mehr Zeit, so behauptet er, hätte er die Dinge in den Griff bekommen und alle Beteiligten entschädigen können.

In Medieninterviews und einem Substack-Beitrag sagte er, dass er nicht verstanden habe, in welchem Ausmaß Gelder zwischen FTX und Alameda Research verflochten waren. Er schob die Schuld auf Caroline Ellison, die ehemalige Geschäftsführerin von Alameda Research und seine Ex-Freundin, mit der immer wieder in Beziehungen war.

Es wird auch erwartet, dass er seinen Fall der Öffentlichkeit durch "Going Infinite: The Rise and Fall of a New Tycoon" (Aufstieg und Fall eines neuen Tycoons), dem neuen Buch von Michael Lewis, das am 3. Oktober, dem Tag des Prozessbeginns, erschien.

Bankman-Frieds Haftbedingungen haben die Prozessvorbereitung erschwert

Bei seinem ersten Erscheinen vor Gericht in Manhattan nach seiner Verhaftung erlaubte ein Richter SBF, aus dem Gefängnis zu bleiben, unter einigen Bedingungen. Unter anderem, dass er mit Ausnahme von Gerichtsterminen in New York bei seinen Eltern in deren Haus in Palo Alto, Kalifornien, bleiben muss.

Sollte er gegen diese Auflagen verstoßen, würden er und seine Familie sowie zwei Kautions-Bürgen mit 250 Millionen Dollar (238 Millionen Euro) zur Kasse gebeten werden.

US-Bezirksrichter Lewis Kaplan, der das Strafverfahren überwacht und die Kautionsbedingungen für SBF festgelegt hat, erließ weitere Einschränkungen, als der Angeklagte sich an seine Freilassungsbedingungen hielt. Anfang dieses Jahres nutzte er Messaging-Apps mit automatischer Löschung und verschlüsselten Textfunktionen. Er installierte auch ein VPN, angeblich um Fußballspiele zu sehen.

FTX-Gründer Sam Bankman-Fried wird Betrug vorgworfen. - Copyright: REUTERS/Jane Rosenberg
FTX-Gründer Sam Bankman-Fried wird Betrug vorgworfen. - Copyright: REUTERS/Jane Rosenberg

Im August entschied Kaplan, dass Bankman-Fried endgültig zu weit gegangen war. Er nahm Bankman-Fried ins Gefängnis, nachdem die Staatsanwaltschaft ihn der Zeugenbeeinflussung beschuldigt hatte, als er der "New York Times" Tagebucheinträge von seiner Ex-Freundin Ellison zuspielte. Kaplan sagte, Bankman-Fried habe zweimal versucht, potenzielle Geschworene zu beeinflussen: einmal mit den Tagebucheinträgen und ein zweites Mal, als er dem FTX-General Counsel über eine verschlüsselte Messaging-App Nachrichten schickte.

Seit seiner Einweisung in das Metropolitan Detention Center in Brooklyn, das für seine schlechten Haftbedingungen berüchtigt ist, argumentieren Sam Bankman-Frieds Anwälte, dass die Haftanstalt Bankman-Frieds vegane Ernährung nicht respektiert und ihn zwingt, von Brot, Wasser und Erdnussbutter zu leben.

Im September erklärten seine Anwälte in Gerichtsakten, dass er keinen ausreichenden Internetzugang hat, um sich auf seinen Prozess vorzubereiten. Zweimal pro Woche darf er die Haftanstalt verlassen und in ein Gerichtsgebäude in Manhattan gehen, wo ihm ein Laptop und fünf Stunden zur Verfügung stehen, um Informationen über den Fall zu prüfen. Seine Anwälte haben argumentiert, dass das Internet und auch der Akku des Laptops nicht ausreichen würden.

Bankman-Fried muss sich in diesem Prozess gegen sieben Anklagen wehren

Bundesstaatsanwälte der US-Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk in New York hatten im Dezember zunächst acht Anklagepunkte gegen Bankman-Fried erhoben, hauptsächlich wegen Betrugs und Verschwörung zur Geldwäsche.

Der Krypto-Mogul stimmte seiner Auslieferung von den Bahamas zu, wo er verhaftet wurde und wo er FTX von einer Villa aus betrieb, in der er mit anderen Mitarbeitern lebte.

In den vergangenen Monaten hat die Staatsanwaltschaft mehrere Anklageschriften eingereicht, in denen weitere Vorwürfe erhoben werden.

Laut der jüngsten Anklageschrift will die Staatsanwaltschaft beweisen, dass Bankman-Fried insgesamt sieben Straftaten begangen hat, darunter Drahtbetrug, Verschwörung zum Wertpapierbetrug und Verschwörung zur Geldwäsche.

Die Auswahl der Geschworenen für Bankman-Frieds Prozess in diesen sieben Anklagepunkten hat am Dienstag, den 3. Oktober, begonnen. Der Prozess wird voraussichtlich insgesamt fünf Wochen dauern.

Sam Bankman-Fried wird in Manhatten (New York City) der Prozess gemacht. - Copyright: REUTERS/Eduardo Munoz
Sam Bankman-Fried wird in Manhatten (New York City) der Prozess gemacht. - Copyright: REUTERS/Eduardo Munoz

Im Februar hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben und behauptet, dass Sam Bankman-Fried auch gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen habe, indem er politische Spenden über zwei andere FTX-Führungskräfte leitete. Sein Ziel, so schrieb die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, war es, "sein persönliches Ansehen in Washington D.C. zu verbessern, das Profil von FTX zu schärfen und sich bei Kandidaten einzuschmeicheln, die zur Verabschiedung von Gesetzen beitragen könnten, die FTX oder Bankman-Frieds persönliche Ziele begünstigen, einschließlich von Gesetzen, die die Regulierungsaufsicht über FTX und seine Branche betreffen".

Bankman-Frieds Anwälte erhoben Einspruch gegen die Anklage und argumentierten, dass diese nicht durch das Auslieferungsabkommen zwischen den Bahamas und den USA abgedeckt sei. Es sei unfair, wenn er mit einer Reihe von Anklagen ausgeliefert werde und ihm dann, sobald er auf amerikanischem Boden gelandet sei, eine andere Reihe von Anklagen vorgelegt werde, die nicht im Vertrag enthalten seien.

Die Staatsanwälte haben die Regierung der Bahamas um eine Verzichtserklärung gebeten, damit sie die Anklage trotzdem erheben können.

Während die bahamaischen Gerichte die Angelegenheit klären, legte Kaplan fünf Anklagepunkte im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Wahlkampffinanzierung beiseite, um sie in einem separaten Prozess zu verhandeln, der für den 11. März nächsten Jahres angesetzt ist. Die Staatsanwaltschaft hat einen dieser Anklagepunkte inzwischen fallen gelassen.

Obwohl die Vorwürfe im Zusammenhang mit den politischen Spenden vorerst vom Tisch sind, wollen die Staatsanwälte weiterhin Beweise für diese vorlegen, um andere Vorwürfe in dem Prozess zu beweisen.

Die Anwälte auf beiden Seiten des Falles sind mächtig

Für seine Verteidigung hat Bankman-Fried Mark S. Cohen engagiert, einen erfahrenen Anwalt für Wirtschaftskriminalität, der zuvor als Bundesstaatsanwalt tätig war. Ihm zur Seite steht Christian Everdell, der zum Team der Staatsanwaltschaft im Strafverfahren gegen Joaquín "El Chapo" Guzmán gehörte und zuvor als Verteidiger Ghislaine Maxwell in ihrem Prozess gegen den Sexhandel vertrat. (Die Geschworenen stimmten für eine Verurteilung Maxwells, die eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt.)

Acht Staatsanwälte wurden mit dem Fall betraut. Geleitet werden sie von Danielle Sassoon, einer ehemaligen Rechtsreferentin am Obersten Gerichtshof der USA.

Kaplan, der vorsitzende Richter in Bankman-Frieds Prozess, ist kein Unbekannter in hochkarätigen Fällen.

Anfang dieses Jahres leitete er den Zivilprozess wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung von E. Jean Carroll gegen den ehemaligen Präsidenten Donald Trump (die Geschworenen stimmten zu Carrolls Gunsten und erklärten, dass Trump ihr fünf Millionen Dollar Schadenersatz schulde) und wird im Januar einen zweiten Prozess wegen ähnlicher Ansprüche leiten.

Kaplan wurde vom ehemaligen Präsidenten Bill Clinton ernannt und hat bereits Fälle im Zusammenhang mit Umweltkatastrophen, der Gambino-Familie, Guantanamo Bay-Häftlingen und Vergewaltigungsvorwürfen gegen Prinz Andrew betreut.

Der FTX-Gründer Sam Bankman-Fried. - Copyright: AP Photo/Mary Altaffer
Der FTX-Gründer Sam Bankman-Fried. - Copyright: AP Photo/Mary Altaffer

Neben dem Strafverfahren gegen Bankman-Fried haben die Folgen des Zusammenbruchs von FTX zu einer Fülle komplizierter Gerichtsverfahren und juristischer Manöver geführt. Investoren und Einleger haben versucht, so viel Geld wie möglich zurückzubekommen, und die Anwälte haben mehr als 100 Millionen Dollar an Stunden in Rechnung gestellt, während sie das Chaos aufräumten.

Die Börsenaufsichtsbehörde hat ein Zivilverfahren gegen Sam Bankman-Fried eingeleitet, in dem ihm vorgeworfen wird, "einen massiven, jahrelangen Betrug inszeniert zu haben", und in einem anderen Verfahren werden die Eltern von SBF - die prominenten Professoren der Stanford University Joseph Bankman und Barbara Fried - beschuldigt, Millionen von Dollar von FTX abgezweigt zu haben.

Die Anwälte, die die FTX-Schuldner in ihrem Konkursverfahren vertreten, haben an den Anhörungen im Vorfeld des Verfahrens teilgenommen und diese wie Falken beobachtet, um so viele Informationen wie möglich zu erhalten. Sie werden wahrscheinlich auf die Beweise achten, die die Staatsanwälte in der Verhandlung vorlegen, die dazu beitragen können, versteckte Geldquellen zu identifizieren und die künftige Rechtsstreitigkeiten beeinflussen könnten.

Sam Bankman-Fried darf in den Zeugenstand

Die Staatsanwälte werden ihren Fall zuerst vortragen. Ellison, die sich im Dezember der Betrugsvorwürfe schuldig bekannt und begonnen hat, mit den Ermittlern zu kooperieren, wird die Hauptzeugin des Prozesses sein.

FTX-Mitbegründer Gary Wang - dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, den Code entwickelt zu haben, der den heimlichen Geldfluss zwischen FTX und Alameda Research ermöglichte - und Nishad Singh - der frühere technische Leiter von FTX und Alameda, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, illegale politische Spenden weitergeleitet zu haben - haben sich ebenfalls in mehreren Anklagepunkten des Betrugs und der Verschwörung schuldig bekannt und arbeiten mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Ein vierter FTX-Manager, Ryan Salame, bekannte sich im September des Betrugs und der Wahlkampffinanzierung für schuldig, scheint aber nicht mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.

Im US-Strafrechtssystem, in dem Angeklagte als unschuldig gelten, bis ihre Schuld bewiesen ist, liegt die Beweislast bei den Staatsanwälten. Gute Strafverteidiger bemühen sich in der Regel, Löcher in den Fall zu reißen, anstatt ihre Mandanten in den Zeugenstand zu rufen und eine andere Version der Ereignisse vorzutragen.

Bislang scheint Sam Bankman-Fried jedoch bereit zu sein, den Rat seiner eigenen Anwälte zu missachten. Während einer der Anhörungen, die auf das Durchsickern von Ellisons Tagebucheinträgen durch seinen Klienten folgten, sagte Cohen dem Richter müde, dass Bankman-Frieds Strategie, sich bei der Presse beliebt zu machen - auch wenn sie durch den ersten Verfassungszusatz geschützt sei und ihn vor dem Gefängnis bewahren sollte - nicht gut sei.

"Das könnte eine gute Strategie sein, das könnte eine schlechte Strategie sein", sagte Cohen in der Anhörung im Juli, "angesichts der Tatsache, dass die Geschichten über ihn weiterhin negativ sind, schlage ich vor, dass es eine schlechte Strategie wäre."

Angesichts des Eifers von Bankman-Fried, seinen Fall sowohl der Öffentlichkeit als auch den Geschworenen darzulegen, besteht eine gute Chance, dass er sich für den Zeugenstand entscheidet, um seine Version der Geschichte zu erzählen.

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