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Projekt „Silbersee“: Frankreichs Regierung sieht Schutzbedarf bei Firmen

Das französische Wirtschaftsministerium reagiert auf Kritik an dem Staatsfonds, der Frankreichs Konzerne vor aktivistischen Investoren schützen soll.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzministerium ist überzeugt, dass es mit seinem neuen Staatsfonds den Wünschen der Privatwirtschaft entspricht. Der milliardenschwere Fonds „Lac d’argent“ („Silbersee“) unter Obhut der staatlichen Investitionsbank BPI soll Frankreichs Firmen vor unliebsamen Investoren schützen.

Eine Sprecherin des Ministeriums bekräftigte gegenüber dem Handelsblatt am Mittwoch: „Es gab in der jüngsten Vergangenheit mehrere Bitten von großen Unternehmen, die eine Notwendigkeit sehen, besser gegen aktivistische Investoren geschützt zu werden.“

Bei der „Französischen Vereinigung der Privatunternehmen“ (Afep) hatte das tags zuvor noch ganz anders geklungen. Sie äußerte gegenüber dem Handelsblatt, dass sie sich an dem Fonds nicht beteiligen werde und auch nicht die Bitte geäußert habe, dass ein staatlicher Fonds sich am Kapital ihrer Mitgliedsfirmen beteiligen solle.

Auf die Kritik reagierte das Ministerium jetzt. Unter anderem stellte es stärker als anfangs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire selber heraus, dass der Fonds „wie ein Privatunternehmen geführt“ werde. Der Minister hatte noch die staatliche Initiative in den Vordergrund gerückt.

Mittlerweile scheint die Befürchtung aufzukommen, das könne private Investoren abschrecken, Anteile am Fonds zu zeichnen.

Start im April geplant

„Silbersee“ soll im April an den Start gehen, mit zunächst vier Milliarden Euro. Angestrebt ist ein Volumen von zehn Milliarden Euro. Eine Milliarde Euro kommt vom Staatsfonds Mubadala der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), wie Le Maire am Montag sagte. Das sei anfangs der einzige Staatsfonds, der sich an Silbersee beteiligen werde.

Derselbe Betrag komme von der Staatsbank BPI, die nach Aussage ihres Chefs Nicolas Dufourcq den Fonds führen wird. Zunächst werde in „15 französische Aktiengesellschaften“ des CAC 40 investiert. Der Fonds werde „von der einzigartigen Erfahrung der BPI in der Governance großer Gesellschaften profitieren“.

Noch einmal eine Milliarde Euro will die BPI durch die Aufnahme neuer Verbindlichkeiten einbringen, und schließlich sollen institutionelle Investoren die vierte Milliarde zuschießen. Von denen ist bislang nur der französische Versicherer Axa bekannt, der dem Handelsblatt seine Teilnahme bestätigt hatte.

Das Wirtschaftsministerium ist nun darauf erpicht, Silbersee eher als eine private Initiative darzustellen. „Der Fonds wird wie ein privates Unternehmen geführt, im Vordergrund steht die Rendite“, hieß es. Das steht allerdings etwas im Widerspruch zu der Aussage des Ministers und des BPI-Chefs, es gehe vor allem darum, zahlreiche große Aktiengesellschaften fest in Frankreich zu verankern.

Seitdem aktivistische Investoren in Frankreich ihren Einfluss ausbauen, besteht in der Regierung die Furcht, sie könnten große Aktiengesellschaften destabilisieren. Der Hedgefonds Muddy Waters beispielsweise hatte mit einer aggressiven Kommunikation auf die hohe Verschuldung der Casino-Gruppe von Jean-Charles Naou‧ri hingewiesen und damit einen Kurssturz bei dem Einzelhandelsunternehmen ausgelöst. Allerdings konnte Muddy Waters keine Fehlinformation nachgewiesen werden.

Afep-Generaldirektor François Soulmagnon sagte dem Handelsblatt: „Wenn es dem Staat darum geht, den Abschied großer Unternehmen aus Frankreich zu verhindern, kann er das einfacher haben, indem er eine ‚goldene Aktie‘ erwirbt.“ Das im vergangenen Jahr verabschiedete „Pacte“-Gesetz eröffne die Möglichkeit dazu. Dieses Gesetz verfolgt eigentlich das konträre Ziel: Es enthält die Privatisierung der Lottogesellschaft und der Pariser Flughäfen. Doch ein wenig beachteter Teil sieht in der Tat vor, dass der Staat künftig auf einfachere Weise sogenannte goldene Aktien erwerben kann, mit denen er die Beteiligung eines bestimmten Investors oder den Verkauf von Unternehmensteilen verhindern kann.