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Prognosen, Zahlen und Fakten zur Wahl in Baden-Württemberg

Mendelson, Ben
·Lesedauer: 10 Min.

Am 14. März wird in Baden-Württemberg gewählt. Die Prognosen, Wahl-O-Mat, Kandidaten und Koalitions-Optionen – lesen Sie alles Wichtige zur Landtagswahl 2021.

Der grüne Ministerpräsident will auch nach der Wahl am 14. März 2021 im Amt bleiben. Foto: dpa
Der grüne Ministerpräsident will auch nach der Wahl am 14. März 2021 im Amt bleiben. Foto: dpa

In Baden-Württemberg gibt es nach fünf Jahren 2021 wieder eine Landtagswahl. Mit der Wahl beginnt das sogenannte „Superwahljahr 2021“, weil sechs Landtagswahlen und die Bundestagswahl anstehen.

Derzeit regiert Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) das nach der Bevölkerung drittgrößte Bundesland Deutschlands. Kretschmann ist seit zehn Jahren an der Macht und strebt nun seine dritte Amtszeit an.

Doch welche Parteien und welche Spitzenkandidaten treten außerdem bei der Wahl in Baden-Württemberg an? Wann genau wird gewählt und wie sehen die Umfragen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg aus? Alle wichtigen Informationen zur Landtagswahl 2021 finden Sie hier.

Umfragen und Infos – das müssen Sie zur Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg wissen

Wann wird 2021 in Baden-Württemberg der Landtag neu gewählt?

Am Sonntag, den 14. März 2021 wird der 17. Landtag in Baden-Württemberg gewählt. Die Wahl läuft damit parallel zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz.

Wer regiert aktuell in Baden-Württemberg?

Seit 2016 regiert Winfried Kretschmann zusammen mit der CDU das Bundesland. Der 72-Jährige ist seit zehn Jahren im Amt und der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands. In seiner ersten Amtszeit regierte Kretschmann bereits mit der SPD als Juniorpartner. Die Partei hat allerdings bei der letzten Landtagswahl starke Verluste erlebt. Stellvertretender Ministerpräsident ist aktuell Innenminister und CDU-Landeschef Thomas Strobl.

Wer Baden-Württemberg nach der Wahl regieren wird, ist derzeit unklar. Auf Basis der Umfragen ist anzunehmen, dass unter Kretschmann die Grünen erneut stärkste Kraft werden. Mit wem er dann koalieren würde, will sich der Ministerpräsident noch offen halten. Nur die Koalition mit der rechtspopulistischen AfD hat er ausgeschlossen.

Wie ist die Ausgangslage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg?

Als Winfried Kretschmann 2011 zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, wirkte das wie das Ende der CDU-Ära. Denn er war sowohl der erste Ministerpräsident der Grünen als auch erster Regierungschef seit 1953, der einer anderen Partei als der CDU angehört. Mittlerweile gehört Kretschmann zu den dienstältesten Ministerpräsidenten Deutschlands.

Ein Wahlsieg von Kretschmanns Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 gilt als wahrscheinlich. Bei nahezu allen Umfragen hatte die Partei die höchste Zustimmung.

Offen ist, welche Koalition Baden-Württemberg nach der Landtagswahl 2021 regieren wird. Denn 2018 brach eine Koalitionskrise zwischen CDU und Grünen aus, weil sie bei der geplanten Wahlrechtsreform keine Einigung gefunden haben. Daher wird die Koalitionssuche erst nach Verkündung des amtlichen Endergebnisses beginnen. Umfragen zufolge gibt es aber bereits Anzeichen dafür, wer mit wem koalieren könnte.

Umfrage – Wie sehen die Wahlumfragen für die Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 aus?

Verschiedene Umfrageinstitute wie Infratest dimap, die Forschungsgruppe Wahlen oder Insa geben vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg einen Eindruck von den Machtverhältnissen der Parteien.

Die jüngste Insa-Wahlumfrage vom 13. Februar 2021 zeigt folgendes Bild:

  • Grüne: 31 Prozent

  • CDU: 28 Prozent

  • SPD: 11 Prozent

  • AfD: 11 Prozent

  • FDP: 10 Prozent

  • Linke: 4 Prozent

  • Sonstige: 5 Prozent

Laut dieser Umfrage wären daher drei Koalitionen realistisch:

  • Grüne + CDU: eine Fortführung der sogenannten „Kiwi“-Koalition

  • Grüne + SPD + FDP: eine „Ampelkoalition“, wie es sie derzeit in Rheinland-Pfalz gibt

  • CDU + SPD + FDP: eine sogenannte „Deutschland“-Koalition

Diese grundsätzliche Tendenz bilden alle Umfrageinstitute derzeit ab. Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen schätzen den Abstand zwischen den Grünen als stärkster Kraft und der CDU allerdings größer ein. Beim Rennen um den dritten Platz zeichnet sich ein enges Duell zwischen SPD und AfD ab. Die Linke dürfte es nach allen aktuellen Umfragen erneut nicht schaffen, in den Stuttgarter Landtag einzuziehen. Sie wird vermutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Welche Parteien treten bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021 an?

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg treten 21 Parteien an. Zum ersten Mal steht die ökologisch orientierte „Klimaliste“ sowie die stark umstrittene Partei „W2020“, die sich aus dem Umfeld der „Querdenken“-Bewegung rekrutiert hat, auf der Liste. Folgende Parteien stehen zur Wahl:

  • Bündnis 90/Die Grünen

  • CDU (Christlich Demokratische Union)

  • AfD (Alternative für Deutschland)

  • SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)

  • FDP (Freie Demokratische Partei)

  • Die Linke

  • ödp (Ökologisch-Demokratische Partei)

  • Piraten (Piratenpartei Deutschland)

  • Die Partei (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative)

  • Freie Wähler

  • Menschliche Welt

  • Bündnis C - Christen für Deutschland

  • DKP (Deutsche Kommunistische Partei)

  • dieBasis (Basisdemokratische Partei Deutschland)

  • DiB (Demokratie in Bewegung)

  • Eine für Alle - Partei

  • Klimaliste Baden-Württemberg

  • DieHumanisten

  • Partei für Gesundheitsforschung

  • W2020 (Partei WIR2020)

  • Volt Deutschland

Wer sind die Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg?

Für die Parteien treten bei der Wahl in Baden-Württemberg unterschiedliche Spitzenkandidaten an, die im laufenden Wahlkampf um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler werben. Die Kandidaten und Kandidatinnen für BaWü:

  • Grünen-Spitzenkandidat: Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht für die Grünen ins Rennen. Kretschmann sieht sich als Vertreter des konservativen Flügels der Grünen. Er regierte zunächst fünf Jahre mit dem Koalitionspartner SPD. Seit der Landtagswahl 2016 koaliert er mit der CDU. Kretschmann strebt seine dritte Amtszeit als Regierungschef in Baden-Württemberg an.

  • CDU-Spitzenkandidatin: Für die CDU tritt Susanne Eisenmann als Spitzenkandidatin an. Sie ist die erste Frau, die von der CDU in Baden-Württemberg als Spitzenkandidatin nominiert wurde. Seit 2016 gehört sie als Bildungsministerin zum zweiten Kabinett Kretschmann. Anlässlich der Wahl zum Parteivorsitz der Bundes-CDU unterstützte Eisenmann Friedrich Merz.

  • AfD-Spitzenkandidat: Für die AfD tritt der Fraktionschef Bernd Gögel als Spitzenkandidat an. Der 66-jährige Logistikunternehmer setzte sich erst Ende Januar in der Stichwahl gegen Emil Sänze durch. Die Wahl des AfD-Spitzenkandidaten gelang erst in der vierten Abstimmung. Sänze gilt als Anhänger des offiziell aufgelösten völkischen AfD-„Flügels“ und als Gegenspieler des Spitzenkandidaten Bernd Gögel.

  • SPD-Spitzenkandidat: Die Sozialdemokraten nominierten Andreas Stoch als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Stoch war im ersten Kabinett Kretschmann Bildungsminister. Seit der herben Wahlniederlage 2016 ist er SPD-Fraktionsvorsitzender. 2018 wurde der Jurist außerdem zum Landesvorsitzenden der SPD Baden-Württemberg gewählt.

  • FDP-Spitzenkandidat: Die Liberalen schicken Hans-Ulrich Rülke ins Rennen. Rülke sitzt seit 2006 im Landtag und war zehn Jahre später erstmals Spitzenkandidat der FDP. Zur Landtagswahl 2021 nominierte die Partei Rülke erneut für das Amt. Er vertritt aktuell die kleinste Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg.

  • Linken-Spitzenkandidatin: Die Linkspartei nominierte Sahra Mirow als Spitzenkandidatin. Die gebürtige Lübeckerin kam für ihr Studium nach Heidelberg und sitzt dort seit 2014 für die Linkspartei im Gemeinderat. Mirow ist die jüngste Spitzenkandidatin unter den großen Parteien. Ihr werden die geringsten Chancen ausgerechnet: Bislang scheiterte die Linkspartei stets am Einzug in den Baden-Württemberger Landtag.

Wann werden die Wahllokale in Baden-Württemberg geöffnet?

Die Wahllokale zur Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg werden am 14. März 2021 zwischen 8 Uhr und 18 Uhr geöffnet. In diesem Zeitraum kann jeder Wahlberechtigte am Wahltag seine Stimme abgeben und somit über den künftigen Landtag in Baden-Württemberg entscheiden.

Wie gestaltet sich das Wahlsystem in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg muss der Wahltermin gemäß Landesverfassung und Landtagswahlgesetz auf einen Sonntag oder auf einen gesetzlichen Feiertag fallen. Die Verteilung der Sitze des Landtags in Baden-Württemberg erfolgt nach dem sogenannten Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren. Durch die Sitzverteilung nach Sainte-Laguë/Schepers sollen kleinere Parteien weniger benachteiligt werden.

Das Verfahren gilt in Baden-Württemberg seit der Landtagswahl 2011, nachdem die zuvor regierende CDU-FDP-Koalition eine Reform des Wahlgesetzes beschlossen hatte.

Gibt es bei der Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg Erst- und Zweitstimmen?

Nein, in Baden-Württemberg gibt es keine Zweitstimmen beziehungsweise Landeslisten. Alle Wahlberechtigten haben also nur eine Stimme, die sie einem Kandidaten oder einer Kandidatin in ihrem Wahlkreis geben können. In jedem Wahlkreis zieht die Person mit den meisten Stimmen direkt in den Stuttgarter Landtag ein. Zugleich werden die Erststimmen aber auch landesweit zusammengezählt, um den Anteil an Sitzen zu errechnen, der einer Fraktion zusteht.

Über das Wahlrecht wurde in Baden-Württemberg in den letzten Jahren gestritten: 2018 gab es eine Koalitionskrise, weil sich CDU und Grüne nicht auf eine zuvor vereinbarte Reform des Wahlgesetzes einigen konnten. Im Wahlkampf vor der Landtagswahl 2021 fordern Grüne und FDP, in Baden-Württemberg das Zweitstimmen-Wahlrecht einzuführen. FDP und SPD wollen zudem Reformen anstoßen, um einen höheren Frauenanteil im Parlament zu erreichen.

Wie funktioniert die Sitzverteilung bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg?

Der Landtag in Baden-Württemberg besteht grundsätzlich aus mindestens 120 Abgeordneten. Derzeit hat das Landesparlament 143 Sitze. 70 Sitze gehen an die Direktkandidaten, die in ihren Wahlkreisen jeweils die meisten Stimmen erhalten. 50 weitere Sitze sind sogenannte Zweitmandate, die dafür sorgen sollen, dass alle Parteien proportional zu ihrem landesweiten Stimmenanteil im Landtag vertreten sind.

Erlangt eine Partei landesweit zehn Prozent der Stimmen aber kein einziges Direktmandat, stehen ihr zehn Prozent der 120 Sitze zu. Diese Partei würde daher zwölf Zweitmandate bekommen.

Die Anzahl der Sitze im Parlament kann sich erhöhen, wenn eine Partei mehr Direktmandate gewinnt als ihr nach dem Gesamtstimmenanteil zustehen würden. Diese Direktmandate werden als Überhangmandate bezeichnet. Damit diese Partei aber nicht überproportional im Parlament vertreten wäre, bekommen alle anderen Fraktionen daraufhin Ausgleichsmandate, um das Übergewicht einer Fraktion durch Überhangmandate auszugleichen.

Viele Parteien halten eine Wahlrechtsreform für überfällig. Andernfalls drohe das Parlament, immer größer zu werden, was auch immer höhere Kosten für den Staat verursachen würde. Wenn beispielsweise die CDU weiterhin viele Direktmandate holt, ihr Stimmenanteil insgesamt aber stagniert, müssten alle anderen Fraktionen noch mehr Ausgleichsmandate als bisher bekommen.

Wer ist bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg wahlberechtigt?

Jeder deutsche Staatsbürger, der das 18. Lebensjahr vollendet hat, kann abstimmen. Voraussetzung ist, dass er oder sie seit mindestens drei Monaten den Hauptwohnsitz in Baden-Württemberg hat oder sich dort gewöhnlich aufhält.

Wie viele Wahlkreise gibt es?

In Baden-Württemberg existieren insgesamt 70 Wahlkreise.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2021 – kann ich per Briefwahl abstimmen?

Ja, bei der Landtagswahl ist eine Abstimmung per Brief möglich. Wähler können einfach ihre Wahlbescheinigung anfordern. Dazu müssen sie bei der jeweiligen Gemeinde des Hauptwohnsitzes des Wahlberechtigten zuvor ein Wahlschein beantragt werden. Das erfolgt entweder persönlich oder schriftlich per Brief, E-Mail oder Fax. Die Wahlunterlagen werden anschließend per Post zugesendet. Die ausgefüllten Unterlagen müssen spätestens am Wahlsonntag bis 18 Uhr beim Wahlamt vorliegen, damit die per Briefwahl abgegebene Stimme gültig ist.

Wann war die vergangene Landtagswahl in Baden-Württemberg?

Die letzte Landtagswahl in Baden-Württemberg (Wahl zum 16. Landtag Baden-Württembergs) fand am 13. März 2016 statt.

Wie war das Ergebnis der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg?

Im Wahljahr 2016 wurden die Grünen in Baden-Württemberg stärkste Kraft, weil die CDU herbe Verluste verzeichnen musste. Auch die zuvor mitregierende SPD verlor über zehn Prozentpunkte und wurde nur viertstärkste Kraft. Im Detail gab es folgendes Ergebnis bei der Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg:

  • Grüne: 30,3 Prozent / 47 Sitze

  • CDU: 27 Prozent / 42 Sitze

  • AfD: 15,1 Prozent / 23 Sitze

  • SPD: 12,7 Prozent / 19 Sitze

  • FDP: 8,3 Prozent / 12 Sitze

  • Linke: 2,9 Prozent / 0 Sitze

  • Alfa: 1 Prozent / 0 Sitze

  • ödp: 0,7 Prozent / 0 Sitze

  • Piraten: 0,4 Prozent / 0 Sitze

  • Sonstige: 1,6 Prozent / 0 Sitze

Wie hoch war die Wahlbeteiligung bei der letzten Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg?

Die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg lag 2016 bei 70,4 Prozent der Wahlberechtigten. Damit konnte die Wahlbeteiligung bei den letzten beiden Landtagswahlen erhöht werden - 2006 hatten gerade mal 53,4 Prozent der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg an der Landtagswahl teilgenommen.

Gibt es einen Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2021?

Ja, es gibt das Tool, das persönliche Präferenzen mit den Forderungen der antretenden Parteien abgleicht, auch zur diesjährigen Landtagswahl in Baden-Württemberg. Nutzen Sie jetzt den Wahl-O-Mat zur Landtagswahl 2021 in Baden-Württemberg.

Sie sitzt im Kabinett von Winfried Kretschmann, ist bei der Landtagswahl aber seine Kontrahentin: Kultusministerin Eisenmann (CDU). Foto: dpa
Sie sitzt im Kabinett von Winfried Kretschmann, ist bei der Landtagswahl aber seine Kontrahentin: Kultusministerin Eisenmann (CDU). Foto: dpa
Am 14. März 2021 wählen die Bürger eine neue Landesregierung in Baden-Württemberg. Foto: dpa
Am 14. März 2021 wählen die Bürger eine neue Landesregierung in Baden-Württemberg. Foto: dpa