Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 26 Minuten

Banken fordern niedrigere Eigenkapitalanforderungen für Klima-Investments

·Lesedauer: 3 Min.

Die deutschen Privatbanken wollen verstärkt klimafreundliche Investitionen tätigen. Damit das funktioniert, fordern sie nun ein Entgegenkommen.

Der Bankenverband will alle seine Mitgliedsbanken für Nachhaltigkeit und Klimaschutz sensibilisieren. Foto: dpa
Der Bankenverband will alle seine Mitgliedsbanken für Nachhaltigkeit und Klimaschutz sensibilisieren. Foto: dpa

Die privaten Banken sehen sich in einer Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Klimawandel. „Schließlich müssen die Institute den Weg zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und Gesellschaft finanzieren“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, anlässlich der Vorstellung eines Positionspapiers zum Thema Sustainable Finance (Nachhaltigkeit im Finanzsektor).

Allerdings sehen sich laut einer vom Verband selbst durchgeführten Umfrage unter den Mitgliedern derzeit 61 Prozent von den Auswirkungen des Klimawandels noch gar nicht betroffen. Erst in den nächsten zehn Jahren rechnen knapp 90 Prozent der Institute mit „spürbaren oder sogar gravierenden Folgen des Klimawandels“.

Die Folgen sind für Ossig klar: „Wir müssen beim Megathema Klimaschutz deutlich an Geschwindigkeit zulegen und alle Möglichkeiten nutzen.“ So sollen Themen der nachhaltigen Finanzierung noch stärker als bisher in Verbandsgremien diskutiert werden, um „alle Mitgliedsinstitute von der Relevanz des Themas zu überzeugen“.

Die politisch vorgegebenen Klimaschutzziele werden begrüßt. „Wir brauchen ambitionierte Ziele“, unterstrich Ossig. Die privaten Banken halten es für unabdingbar, die Wirtschaft bis zum Jahr 2050 hin zu einem treibhausgasneutralen Handeln zu transformieren, heißt es in dem Positionspapier. Dabei orientiert man sich am Pariser Klimaschutzabkommen. Rund 200 Staaten haben sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Angesichts des breiten gesellschaftlichen Konsenses für Klimaschutzmaßnahmen wirbt Ossig dafür, „mit guten Ideen zu den ‚First Movern‘ zu gehören“. Die Finanzwirtschaft könne es sich nicht leisten, auf weitere regulatorische Schritte zu warten.

Konflikte der Banken mit NGOs sind absehbar

Aus Sicht von Nichtregierungsorganisationen (NGO) tun die Finanzinstitutionen weltweit allerdings zu wenig, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Von den 400 weltweit größten Finanzinstitutionen würden beispielsweise nur 214 überhaupt eine Art von Kohlerichtlinie haben, nur 16 werden davon für so effizient gehalten, den Ausbau des Kohlesektors, der als Treibhausgasschleuder angesehen wird, zu reduzieren, heißt es in einer Mitteilung der NGO Rainforest Action Network.

Für vorbildlich hält Heffa Schücking von der NGO Urgewald beispielsweise die Großbanken Unicredit und Crédit Mutuel, die sich schon heute von einem Großteil ihrer Kohlekunden getrennt haben und sich noch in diesem Jahrzehnt komplett von diesem Geschäft trennen wollen.

Zwar äußert sich der Bankenverband nicht explizit zum Kohlesektor, doch Konflikte mit NGOs sind absehbar. So gibt es nach Auffassung des Verbands keinen Königsweg, um Klimaziele zu erreichen. „Finanzierungen für ein klimaschädliches Zementwerk bereitzustellen, um dessen Effizienz zu steigern, kann wirkungsvoller sein, als die Finanzierung zu verweigern“, heißt es im Positionspapier.

Aber noch gilt es für viele Banken, Grundlagen zu schaffen. „Unser Anspruch ist es, dass die Messung der CO2-Emissionen, die mit einer kreditfinanzierten Aktivität verbunden sind, Standard bei allen unseren Mitgliedsbanken ist“, heißt es im Positionspapier. Auf dieser Basis könnten die Institute dann Vorgaben für ihr Neugeschäft machen, um das Klimaziel zu erreichen.

Warnung vor falschen Weichenstellungen im Bereich Sustainable Finance

An die Politik appelliert der Bankenverband, die Eigenkapitalanforderungen für nachhaltige Investitionen zu senken. Das würde mehr Kapital freisetzen, um beispielsweise die Energiewende mit ihrem enormen Finanzierungsbedarf zu stemmen.

Zwar haben sich Finanzpolitiker der Union nicht konkret zu diesem Vorschlag geäußert. Aber in einem Positionspapier haben sie bereits vor Monaten vor falschen Weichenstellungen im Bereich Sustainable Finance gewarnt.

„Es besteht bereits jetzt die Tendenz, nicht mehr allein das Risiko eines Investments zu bewerten, sondern nach politischen Zielen zwischen ‚guten‘ und ‚bösen‘ Investments zu unterscheiden. „Die gibt es aber nicht. Es gibt nur risikoreiche und -arme“, meint der CSU-Finanzpolitiker Alexander Radwan.

Mehr: Warum Hedgefonds vom Trend zu Nachhaltigkeit profitieren können