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Privatanleger können in Stromleitungen investieren

Kiel/Hamburg (dapd-nrd). Deutsche Verbraucher können sich in Zukunft einen Teil ihrer gestiegenen Stromrechnung über gut verzinste Beteiligungen an neuen Stromleitungen zurückholen. Als erstes Projekt haben Bürger in Schleswig-Holstein die Chance, in eine geplante 380-Kilovolt-Leitung an der Nordseeküste zu investieren, wie Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Netzbetreiber Tennet am Mittwoch in Kiel mitteilten. Als Rendite wird den Privatinvestoren eine Größenordnung von 4,5 bis 5,0 Prozent in Aussicht gestellt, deutlich über der Verzinsung etwa auf dem Sparbuch.

"Der Netzausbau gelingt nur, wenn wir die Menschen in der Region dabei mitnehmen", sagte Albig. Tennet will nun den Bürgern an der Nordsee Wertpapiere anbieten, mit deren Erlös die umstrittene Leitung von Niebüll nach Brunsbüttel bezahlt werden soll. "Das ist ein Pilotprojekt", sagte Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Tennet wolle sehen, ob die Bürger sich überhaupt für die Anlage interessieren.

Laut Tennet dürfen nur private Anleger Wertpapiere erwerben. Bevorzugt werden Bürger, die vom Bau der Leitung betroffen sind. Die Mindestbeteiligung soll voraussichtlich 1.000 Euro betragen. Kleinanleger bekommen der Vorzug gegenüber Privatanlegern, die große Summen investieren möchten.

Bürgerbeteiligung von 40 Millionen Euro

Die Höhe der Bürgerbeteiligung soll 40 Millionen Euro betragen, während das Gesamtprojekt über 200 Millionen Euro kosten wird. Die Wertpapiere sollen über örtliche Geldinstitute vertrieben werden.

Tennet erwartet, dass nach Genehmigung durch die zuständige Finanzregulierungsbehörde der Verkauf der Wertpapiere im zweiten Quartal dieses Jahres beginnen kann.

Die neue Stromleitung soll 2018 fertig sein und vor allem den Strom aus Windrädern an der Küste nach Süden leiten, wo die großen Verbrauchsregionen liegen. Die rot-grüne Landesregierung will Schleswig-Holstein als Produzent von Strom aus Wind weiter stärken. Allerdings protestieren immer mehr Anwohner gegen Windräder und Hochspannungsmasten. Regierung und Netzbetreiber hoffen, mit der lukrativen Beteiligung die Kritik der Anwohner auszuhebeln.

dapd