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Branchenschreck Prevent verklagt VW auf 750 Millionen Dollar Schadensersatz

Der Automobilzulieferer wirft dem deutschen Autobauer vor, Übernahmen der Zulieferer von kleineren Firmen verhindert zu haben. Prevent klagt nun auf Schadensersatz.

Prevent wirft VW nach eigener Auskunft vor, größere Zulieferer in den USA mit unfairen Mitteln an der Übernahme kleinerer Firmen gehindert zu haben Foto: dpa

Wenn es darum geht, ihre eigenen Interessen durchzuboxen, ist die bosnische Unternehmerfamilie Hastor alles andere als zimperlich. Insbesondere in Deutschland werden die Eigentümer des Automobilzulieferers Prevent gefürchtet.

Ihre Firmengruppe, die mit der Herstellung von Sitzbezügen groß wurde, zählt zwar mit 13.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr eher zu den kleinen Komponentenlieferanten.

Das hindert Prevent aber nicht daran, sich selbst mit den ganz Großen der Fahrzeugindustrie anzulegen, etwa dem Premiumhersteller Daimler. Mit keinem anderen Konzern liefern sich die Hastors und Prevent aber solch einen Schlagabtausch wie mit Volkswagen, der weltweiten Nummer eins im Autogeschäft.

Seit Jahren liegen der Zulieferer und der Fahrzeughersteller im Clinch. Jetzt eskaliert der Streit aber endgültig. Denn Prevent verklagt VW vor einem US-Gericht in Detroit im Bundesstaat Michigan auf 750 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Anklageschrift umfasst 75 Seiten.

Konkret wirft Prevent darin VW vor, mit wettbewerbswidrigen Maßnahmen verhindert zu haben, dass kleinere Zulieferbetriebe in den USA von größeren wie Prevent übernommen werden können. Um weiterhin mit VW Geschäfte machen zu können, hätten kleinere Zulieferer den Wolfsburgern beispielsweise in schriftlichen Vereinbarungen zusichern müssen, dass sie weder ihre Firma noch irgendwelche Assets an die Prevent-Gruppe veräußern.

Mit dieser Praxis habe VW Kosten senken wollen. Prevent sei dadurch allerdings ein großer finanzieller Schaden entstanden. Denn VW habe durch sein Vorgehen alleine in Michigan mehrere Übernahmen von Zulieferern durch Prevent verhindert.

Prevent fühlt sich um Einnahmen beraubt

Nach eigenen Angaben stand Prevent parat, für zumindest 300 Millionen Dollar Zukäufe von kleineren Lieferanten in den Vereinigten Staaten zu tätigen. Prevent kalkulierte im Zuge der avisierten Akquisitionen mit neuen Einnahmen von bis einer Milliarde Dollar, die sich durch effizienteres Management der Betriebe und Synergieeffekte innerhalb der Prevent-Gruppe hätten erzielen lassen. Weil die Zukäufe aber nicht wie geplant erfolgten, fühlt sich Prevent nun um diese Einnahmen beraubt und fordert Schadensersatz von VW.

„Die Klage entbehrt aus unserer Sicht jeglicher Grundlage. Wir werden uns mit allen gerichtlichen Mitteln dagegen zur Wehr setzen“, erklärt Volkswagen auf Anfrage in einem Statement. Die Wolfsburger bestreiten jegliches Fehlverhalten und orten eine Täter-Opfer-Umkehr in der Causa: „Aus unserer Sicht haben nicht wir Prevent Schäden zugefügt, sondern Prevent uns. Diese werden wir geltend machen“.

VW verweist etwa auf den Sommer 2016. Damals stellten die beiden Prevent-Töchter Car Trim und ES Automobilguss für einige Tage sämtliche Lieferungen an das Dax-Schwergewicht ein. Die Folge: In den VW-Werken in Wolfsburg und Emden standen die Bänder tageweise still. Prevent habe VW durch derlei Aktionen „mehrfach in Zwangslagen gebracht und schweren Schaden zugefügt“, heißt es bei den Wolfsburgern. Der Autobauer strebt eine völlig störungsfreie Belieferung von Teilen an. Prevent hat man dabei als Hindernis ausgemacht. Die Niedersachsen wollen mit dem aufmüpfigen Zulieferer nichts mehr zu tun haben und beenden jegliche Zusammenarbeit.

VW sieht der US-Klage von Prevent gelassen entgegen. „In mehreren deutschen Gerichtsverfahren wurden die Klagen von der Prevent-Gruppe bereits in erster und zweiter Instanz abgelehnt“, erklärte der Konzern.