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Algeriens verstorbener Ex-Präsident Bouteflika beigesetzt

·Lesedauer: 3 Min.

In Algerien ist am Sonntag der langjährige frühere Präsident Abdelaziz Bouteflika beigesetzt worden. Die Beisetzung fand auf einem Friedhof für Helden des Unabhängigkeitskrieges in der Hauptstadt Algier statt - allerdings ohne den Pomp, der vorherigen Staatschefs zuteil geworden war. Bouteflika war am Freitagabend im Alter von 84 Jahren gestorben.

20 Jahre lang hatte er an der Spitze des nordafrikanischen Landes gestanden. Im April 2019 musste er unter dem Druck von wochenlangen Massenprotesten und des Militärs schließlich seinen Rücktritt erklären. Seither hielt sich der ehemalige Machthaber in seiner Residenz in Zeralda westlich von Algier auf.

Der Ex-Präsident war seit Jahren gesundheitlich schwer angeschlagen. Bereits 2013 hatte er sich nach einem Schlaganfall weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Bei seiner Rücktrittserklärung am 2. April 2019 wurde er das letzte Mal im Fernsehen gesehen.

Am Sonntag wurde der mit Blumen geschmückte Sarg des einstigen Machthabers durch die Hauptstadt gefahren, eskortiert von Polizisten auf Motorrädern. An der Beisetzung nahmen Bouteflikas Amtsnachfolger, Präsident Abdelmadjid Tebboune, Regierungsmitglieder und ausländische Diplomaten teil.

Im Gegensatz zu der sonst üblichen achttägigen Staatstrauer gilt diese im Fall Bouteflikas nur für drei Tage. Auch die Reaktionen auf die Nachricht seines Todes blieben in dem nordafrikanischen Land überschaubar. Das öffentliche Interesse an seiner Person hatte während seiner Abwesenheit in den vergangenen Jahren bereits nachgelassen.

Tebboune würdigte den Ex-Staatschef am Samstag als Kämpfer im Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich. Auf den Straßen Algiers gaben viele Bewohner an, Bouteflika werde nicht vermisst werden. "Er verdient keine Würdigung, weil er nichts für das Land getan hat", sagte Gemüsehändler Rabah. Ein Telekommunikations-Angestellter namens Malek sagte, Bouteflika habe es "trotz seiner langen Herrschaft nicht geschafft, das Land zu reformieren".

Selbst die staatlichen Sender beschränkten ihre Berichterstattung auf die Nachricht vom Tod Bouteflikas. Sondersendungen gab es nicht. Eine öffentliche Aufbahrung des Leichnams wurde entgegen der Tradition abgesagt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte Bouteflika in einer Erklärung am Sonntag als "bedeutende Figur" des zeitgenössischen Algerien und als "anspruchsvollen Partner für Frankreich" während dessen Herrschaft.

Bouteflika amtierte von 1999 bis 2019 als Präsident. Seine Herrschaft war von Korruption geprägt. Die Algerier fragten sich zunehmend, wie ein derart ölreiches Land unter schlechter Infrastruktur und hoher Arbeitslosigkeit leiden konnte, die zu hoher Abwanderung führten.

Vielen Algeriern galt Bouteflika indes zunächst als der Mann, dem sie das Ende der "nationalen Tragödie" verdankten. Damit sind die Jahre des gewaltsamen Konflikts zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten islamistischen Gruppen zwischen 1992 und 2002 gemeint. Unter Bouteflika wurden Amnestiegesetze für aufständische Islamisten beschlossen, die der Gewalt abschworen.

Als der Arabische Frühling 2011 die autoritär regierten Staaten in Nordafrika und im Nahen Osten erschütterte, bewies der von seinen Gegnern als Marionette des Militärs geschmähte Präsident taktisches Geschick. Während seine Kollegen in den Nachbarstaaten auf Unterdrückung setzten, kündigte Bouteflika Reformen an.

Zwar wurden diese von der Opposition als unzureichend kritisiert, doch weitere Proteste blieben zunächst aus. Menschenrechtsorganisationen kritisieren bis heute eine Repression von Opposition und Medien in Algerien.

Die Parlamentswahl im Mai 2012 gewann Bouteflikas Partei Nationale Befreiungsfront (FLN) deutlich. Er selbst blieb fest im Sattel und regierte weiter mit harter Hand. Auch aus seiner vierten Präsidentschaftswahl 2014 ging Bouteflika trotz Widerstands als klarer Sieger hervor.

Angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit gingen viele Beobachter davon aus, dass er nicht mehr die Fäden in der Hand hielt. Dennoch wollte er 2019 für eine fünfte Amtszeit kandidieren. Damit brachte er große Teile der Bevölkerung gegen sich auf. Es folgten Massenproteste, die schließlich zu Bouteflikas Rücktritt führten.

jep/yb

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