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Vom Postmann an den Weihnachtsmann

Rodgau (dapd). Bis unter den Weihnachtsbaum ist es noch ein weiter Weg. Lange Reihen von Pappkartons, mal klein, mal groß, gleiten Hunderte Meter über ein riesiges Fließband. Es rattert und rumpelt, Neonlicht lässt alles fahl aussehen. Die meisten Pakete sind grau oder braun, die bunten stechen hervor. Bücher, Weinflaschen, Lego-Burgen, Dessous, Schuhe, Pralinen - was wohl darin ist? Klar ist nur, dass es in vielen Paketen um Geschenke geht.

Im Paket-Verteilzentrum im hessischen Rodgau bei Frankfurt wird in einer 300 Meter langen Halle verteilt, was am 24. Dezember Vater, Mutter, Kind, Onkel und Tante zum Strahlen bringen soll. Drei Millionen Pakete transportiert die Deutsche Post DHL in normalen Zeiten, vor Weihnachten schwillt die Menge auf bis zu sieben Millionen an. Allein 60 Sonderzüge der Bahn sind im Einsatz, um mit der Masse zurechtzukommen. Für die Mitarbeiter im Verteilzentrum bedeutet das Stress und Überstunden.

"Die Maxime ist: Der Kram muss raus", sagt Niederlassungsleiter Stefan Decher. Es gibt keine Möglichkeit, die Pakete im Verteilzentrum zu lagern. 33 dieser Zentren unterhält die Post in Deutschland, sie ist noch immer Marktführer. Mehr als jedes zweite privat verschickte Paket geht durch die Hände der Post-Mitarbeiter.

Arbeiten, wenn andere freihaben

Einer von ihnen ist Ahmad Basharat, der am frühen Abend im Rodgauer Verteilzentrum einen Container belädt. Der 63-Jährige steht an einem rosafarbenen Fließband, über das die Pakete zu ihm kommen. Er trägt eine Jeans-Latzhose und ein gelbes DHL-Polohemd. Der Container hinter ihm ist zu zwei Dritteln voll. Basharat stapelt die Pakete hinter sich, die großen wuchtet er auf den Boden, die kleinen, leichten wirft er einfach oben drauf. Kein Kubikzentimeter soll verschenkt werden.

"Am Anfang hat mir abends alles wehgetan", sagt Basharat über die körperliche Belastung, die sein Job als Ladekraft mit sich bringt. Aber das ist lange her, er hat sich an die Arbeit gewöhnt und wirkt nicht unzufrieden. Die Post zahlt vergleichsweise gut und achtet darauf, dass die Mitarbeiter ihren Rücken nicht kaputt machen. Kurse gibt es und Ergotherapeuten, die durch die Hallen gehen und auf falsche Bewegungen reagieren, wie Decher versichert.

Basharat, gebürtiger Pakistaner, arbeitet schon seit 2000 in dem Rodgauer Verteilzentrum und repräsentiert nur eine von 50 Nationen, die hier vertreten sind. Von 15.00 bis 21.00 Uhr dauert seine Schicht. Das ist die Zeit, in der die Pakete aus den Filialen angeliefert werden.

An normalen Tagen sind das in Rodgau etwa 280.000, kurz vor Heiligabend dann bis zu 400.000. Allein 100 zusätzliche Mitarbeiter stehen dann am Tag hier an den Bändern oder be- und entladen die gelben Container. Bundesweit hat die Post im Advent 10.000 zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz.

Es ist 17.00 Uhr im Rodgauer Verteilzentrum. Die Pakete des Tages kommen nun aus den Postfilialen der Umgebung. Das Einzugsgebiet reicht von Aschaffenburg bis Gießen, von Büdingen bis Frankfurt. Auf den ersten Metern wird der Barcode gescannt, den jedes Paket bekommt. Alles wird elektronisch erfasst. Mitarbeiterinnen tippen in Sekundenschnelle die Postleitzahlen ein, die darüber entscheiden, in welchem Container die Pakete nach ihrem Weg durch das Verteilzentrum landen sollen.

Später, mitten in der Nacht, kommen dann die Pakete aus den anderen Verteilzentren an und werden für die Zustellbezirke sortiert. Die Abläufe bringen es mit sich, dass die Postler im Verteilzentrum vor allem dann arbeiten, wenn die meisten anderen Menschen freihaben.

Weiße Weihnachten erst ab 14.00 Uhr erwünscht

Decher greift auf das Band vor ihm und nimmt eines der Päckchen heraus. Absender: Ein Handwerksbetrieb in Neu-Isenburg, der Empfänger sitzt in Aßlar. Auf dem Paket prangt ein Nikolaus. Offenbar ein klassisches Weihnachtspaket. Decher legt es zurück aufs Band.

Sperrige und besonders schwere Pakete kommen in Rollcontainer und werden von Postlern durch die Halle gefahren. Auf einem liegen 25-Kilogramm-Säcke voller Rollsplit und Pakete in Rollenform beispielsweise für Plakate. Doch das sind noch lange keine ungewöhnlichen Sendungen. Von Urnen und frisch geschlachteten Tieren wissen Decher und Abteilungsleiter Werner Vögele zu berichten.

Nicht alles, was verschickt wird, ist auch dafür geeignet. Oft ist schlicht die falsche Verpackung das Problem. Wer eine Weinflasche nur in etwas Packpapier einschlägt, der sollte sich nicht wundern, wenn das Experiment als klebriger Scherbenhaufen im Paketzentrum endet.

Was ordentlich verpackt ist, sollte aber auch schnell und wohlbehalten ankommen. Die Post hat den Anspruch, im Schnitt neun von zehn Paketen am nächsten Tag auszuliefern. Damit sich dieser Anspruch auch kurz vor Weihnachten erfüllen lässt, müssen nicht nur Tausende Mitarbeiter und kilometerlange Förderbänder mitspielen, sondern auch das Wetter. Bei Blitzeis ist auch der Paketbote aufgeschmissen.

Post-Sprecher Achim Gahr bringt es auf den Punkt: "Alle wünschen sich weiße Weihnachten. Wir auch, aber erst ab dem 24. Dezember um 14.00 Uhr." Dann ist für die Post die stressigste Zeit des Jahres vorbei.

dapd

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