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"Polnisches Amazon" schmiedet große Pläne

Dario THUBURN
·Lesedauer: 2 Min.
Allegro-Chef Nuyts in Warschau

"Polnisches Amazon" schmiedet große Pläne

Allegro-Chef Nuyts in Warschau

In Deutschland ist Amazon beim Online-Handel in vielen Bereichen unangefochtener Platzhirsch - in Polen könnte es der US-Internetriese ungleich schwerer haben. Denn im Nachbarland hat die Handelsplattform Allegro eine komfortable Position. Mit dem Börsengang am kommenden Montag will das Unternehmen nun Millionensummen einsammeln - und hält auch eine internationale Expansion für möglich.

Dass Amazon Berichten zufolge womöglich binnen Wochen auch in Polen ein eigenes Angebot an den Start bringen könnte, sieht Allegro-Chef François Nuyts dabei gelassen: "Es gibt viele Dinge, die wir ziemlich gut machen, wenn nicht sogar besser als die Konkurrenz", sagt er der Nachrichtenagentur AFP. Dabei verweist er auf das "einzigartige" und "wendige" Geschäftsmodell des 1999 in einer Garage als polnische Ebay-Variante gegründeten Unternehmens. 

Denn Allegro verknüpft mehr als 100.000 Händler - viele davon nicht größer als Tante-Emma-Läden - direkt mit rund zwölf Millionen aktiven Käufern. Mehr als 90 Prozent der über die Plattform verkauften Produkte haben dabei nach Angaben von Allegro nie ein Warendepot oder Logistikzentrum von innen gesehen. Stattdessen wandern sie direkt vom Verkäufer zum Kunden - auch über das im gesamten Land ausgebaute Netz an Schließfächern, die es den Verbrauchern erlauben, die Ware dann abzuholen, wann es ihnen passt.

Dieses Geschäftsmodell hat der Firma auch in der Corona-Krise geholfen. Denn im bislang einzigen Warenlager von Allegro sorgte die Pandemie nach den Worten von Nuyts bisweilen für "ziemliche Störungen".

Dass der Online-Handel insgesamt in den vergangenen Monaten einen kräftigen Boom erlebte, bescherte Allegro zuletzt glänzende Zahlen. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn auf rund 290 Millionen Zloty (umgerechnet knapp 65 Millionen Euro). Im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es noch rund 196 Millionen Zloty gewesen.

In Warschau will Allegro am kommenden Montag an die Börse gehen.Dabei will das Unternehmen, dass inzwischen in Besitz der in London ansässigen Private-Equity-Gesellschaften Cinven, Permira und Mid Europa ist, mit dem Verkauf von Anteilsscheinen 256 Millionen Dollar einsammeln und mit dem Geld Schulden abtragen. Insgesamt wird Allegro mit rund elf Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Euro) bewertet.

An der Warschauer Börse könnte Allegro damit die Firma CD Projekt, die hinter dem Computerspiel-Welterfolg "The Witcher" steht, als wertvollstes Unternehmen ablösen. 

Allegro-Chef Nuyts, der einst selbst für Amazon arbeitete und den US-Konzern beim Markteintritt in Italien und Spanien unterstützte, sieht die polnische Plattform als "europäische Erfolgsgeschichte". Befragt nach möglichen Expansionsplänen sagt der Franzose, dass Allegro dies liebend gern tun würde - "es wäre eine Schande, wenn wir keinen Weg finden würden, international mehr Kunden und Verkäufer zu haben".

Hauptsächlich will sich Allegro aber zunächst auf weiteres Wachstum in Polen konzentrieren. Bislang macht in dem 38-Millionen-Einwohner-Land der Online-Handel rund acht Prozent des Einzelhandels aus, wesentlich weniger als in anderen europäischen Ländern. Allegro hat daran bereits jetzt einen gehörigen Anteil - etwa drei Prozent am gesamten Einzelhandel.

jm/ilo