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Polizei-Spezialeinheit nimmt Syrer wegen Terrorverdachts in Berlin fest

Ein Syrer ist unter Terrorverdacht in Berlin gefasst worden. Er soll den Bau einer Bombe vorbereitet haben. Zuletzt arbeitete er als Hilfskraft in einer Grundschule.

Spezialkräfte der Polizei haben in Berlin Schöneberg einen Syrer unter Terrorverdacht festgenommen. Foto: dpa

Beamte des Bundeskriminalamtes und der Spezialeinheit GSG9 haben in Berlin einen Mann unter Terrorverdacht in seiner Wohnung gefasst. Der 37-jährige Syrer soll einen Bombenanschlag vorbereitet haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegen den Mann. Zudem sei die Wohnung des Verdächtigen in Berlin durchsucht worden, teilte die oberste deutsche Anklagebehörde weiter mit.

Der Terrorverdächtige war an einer Grundschule in der Hauptstadt als Reinigungskraft beschäftigt. Zuvor habe er bis September im Berliner Bode-Museum gearbeitet, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag. Über ein mögliches Anschlagsziel des Verdächtigen lägen keine Erkenntnisse vor. „Wir gehen davon aus, dass es eine beträchtliche Gefahr gab“, so Geisel. In ausgewerteten Chatprotokollen sei es darum gegangen, möglichst viele Menschen zu töten.

Geisel zufolge hatten die Ermittler den Mann seit Anfang des Jahres im Visier. Seit drei Monaten sei er von Kräften des Landes- und des Bundeskriminalamtes rund um die Uhr observiert worden. Auf seine Spur seien die deutschen Sicherheitsbehörden nach einem Hinweis eines „befreundeten ausländischen Nachrichtendienstes“ gekommen. Dieser habe Internet-Chats des Verdächtigen beobachtet. Zur Frage, ob der Verdächtige Komplizen in Deutschland hatte, machte der Senator aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben.

Chemikalien zur Herstellung eines Sprengsatzes

Der Islamist habe im Januar 2019 begonnen, Bauteile und Chemikalien zur Herstellung eines Sprengsatzes zu beschaffen, erklärte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Dienstag. Mit der Bombe hätte demnach eine möglichst große Zahl von Menschen in Deutschland getötet werden sollen.

Unter anderem habe der Mann im August Aceton und im September Wasserstoffperoxid-Lösung gekauft. Die Chemikalien werden zur Herstellung des Sprengstoffs TATP benötigt, der häufig von Extremistengruppen für Anschläge genutzt wird.

Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte TATP habe produzieren wollen, erklärte die Bundesanwaltschaft. Wann und an welchem konkreten Ort in Deutschland der Anschlag hätte stattfinden sollen, sei unklar. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin wirft dem Verdächtigen zudem vor, in einer der Extremistenmiliz IS nahestehenden Chatgruppe im Messenger-Dienst Telegram Anleitungen zum Bau von Waffen und zur Produktion von Sprengstoff ausgetauscht zu haben.

Konkret gehe es um neun Verdachtsfälle seit dem Frühjahr. Die ausgetauschten Anleitungen sollen sich unter anderem auf die Herstellung von Plastiksprengstoff, Paket- und Magnetbomben und Türfallen mit Explosivstoffen, Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow, Maschinenpistolen und weitere Schusswaffen bezogen haben.

Verdacht einer „staatsgefährdenden Straftat“ in Lübeck

Spezialkräfte der Polizei haben am Dienstagmorgen ein Gebäude in Lübeck wegen des Verdachts durchsucht, es könne eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant sein. Nähere Angaben, ob es um einen möglichen Terroranschlag ging, machten weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft. Bei Durchsuchungen seien – obwohl vermutet – keine Waffen gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft Flensburg mit.

Um 5.30 Uhr begann die Polizeiaktion mit der Durchsuchung eines Gebäudes in Lübeck-Genin. Laut Polizei handelte es sich um ein großes Gelände mit Wohnungen und Geschäftsräumen. Hintergrund sei ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Flensburg, sagte eine Sprecherin der Lübecker Polizeipressestelle vor Ort. Die Leitung der Aktion hatte das Landeskriminalamt.

„Ich kann bestätigen, dass wir ein Ermittlungsverfahren aufgrund eines Hinweises eingeleitet haben“, bestätigte die Sprecherin der Flensburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp. „Es handelt sich um Staatsschutzdelikte, wozu auch politisch motivierte oder staatsbedrohende Straftaten gehören.“ Gegen 9.00 Uhr sei die Razzia beendet worden, sagte Gropp.

Die Polizei hat in Berlin einen Syrer unter Terrorverdacht gefasst. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermitteln. Foto: dpa