Suchen Sie eine neue Position?

Politprofi wird neuer Chefaufseher der HSH Nordbank

AKTUELLER KURS

SymbolKursVeränderung
DBK.DE31,58+0,17

Frankfurt/Hamburg (dapd-nrd). Die skandalträchtige HSH Nordbank bekommt einen Politprofi als Chefaufseher. Der frühere Hamburger Wirtschaftssenator und Finanzstaatssekretär Thomas Mirow (SPD) wird ab März neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Sozialdemokrat ersetzt den ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) , Hilmar Kopper, der nach anhaltender Kritik seinen Rücktritt erklärte. Die Entscheidung gaben die beiden Landesregierungen am Freitag bekannt.

"Mir ist bewusst, dass vor der HSH Nordbank eine weitere sehr schwierige Wegstrecke liegt", sagte der 60-jährige Mirow in Hamburg. Er wolle das ihm Mögliche tun, "damit die HSH in eine stabile Zukunft geführt werden kann".

Mirow war bis Mai Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, wurde aber überraschend nicht wiedergewählt. Offenbar fiel er trotz unbestrittenen Sachverstands und guter Geschäftszahlen dem Personalproporz auf europäischer Ebene zum Opfer.

Als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender sieht er nach eigenen Worten keinen Konflikt zu seinen weiteren Aufgaben, etwa bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Den HSH-Anteilseignern sei zudem bekannt, dass er noch weitere zwei oder drei Mandate annehmen wolle.

Der 77 Jahre alte Kopper war wegen der hohen Abfindung für den früheren HSH-Vorstandsvorsitzenden Dirk Jens Nonnenmacher unter Druck geraten. Der Bank zufolge hatte Kopper seinen Rückzugsentschluss der Bank und den Anteilseignern bereits Mitte Dezember mitgeteilt - selbstbestimmt, wie Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sagte.

Mirow soll nun bis spätestens 28. Februar auf einer Aufsichtsratssitzung zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt werden. Bis dahin will auch Kopper sein Mandat niederlegen - ohne die Zahlung einer Abfindung.

Lob von Sozialdemokraten, Skepsis vom Bankenexperten

Mirow sei "die erste Wahl" der Anteilseigner gewesen, sagte Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD). Er bringe für die Aufgabe wertvolle Erfahrungen mit, verfüge über langjährige Kenntnisse von Wirtschaft und Politik in Norddeutschland und die Finanzmärkte.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) schlug in die gleiche Kerbe: Mirow sei ein ausgewiesener Experte in Finanzfragen. "Er hat außerdem den regionalen Bezug, der für die Neuausrichtung der HSH Nordbank von existenzieller Bedeutung ist, und er versteht mit seiner politischen Erfahrung auch die Interessen der Anteilseigner", sagte er in Kiel.

Der Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim äußerte sich allerdings skeptisch über die Berufung Mirows: "Die Entscheidung ist ein Ausdruck der Kommunikationsunfähigkeit zwischen Politik und Wirtschaft", sagte der Professor der Nachrichtenagentur dapd. Die Anteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein hätten einem Diplomaten mit politischem Hintergrund den Vorzug vor einem Experten mit Erfahrungen in der Leitung von Geschäftsbanken gegeben. "Das zeigt, dass die Politik mehr einen Übersetzer braucht, als einen versierten, strategischen Ökonomen", sagte Burghof.

Kopper verlor Vertrauen der Politik

Kopper hatte sein Amt Mitte 2009 auf Wunsch der Länder angetreten, nachdem die HSH Nordbank im Zuge der Finanzmarktkrise in große Schwierigkeiten geraten war. Nach Milliardenverlusten sollte der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank sollte das Institut wieder in ruhigeres Fahrwasser geleiten. Doch mit mehreren Alleingängen verspielte Kopper Vertrauen in Hamburg und Kiel. So stieß die Ablösung des ehemaligen HSH-Vorstandschefs Paul Lerbinger im Oktober 2012 auf Kritik. Die Länder wurden damals von Kopper vor vollendete Tatsachen gestellt.

Besonders hohe Wellen schlug zuletzt die Auseinandersetzung um die Abfindung für den ehemaligen Vorstandschef Nonnenmacher: Kopper wurde für einen lax formulierten Aufhebungsvertrag verantwortlich gemacht, der es der Bank erschwert, Geld von Nonnenmacher zurückzuverlangen, falls er in einem Strafprozess verurteilt werden sollte. Der Aufhebungsvertrag wurde nachträglich geändert, wie die Bank diese Woche mitteilte. Nonnenmacher, gegen den zwei Verfahren laufen, könnte seine Abfindung damit doch noch verlieren.

Für den Zeitraum Januar bis September meldete die HSH ein Minus von 25 Millionen Euro. Erst im Dezember kündigte die Bank an, die beiden Eigentümerländer müssten wegen drohender Verluste bei Schiffskrediten bis 2025 wohl 1,3 Milliarden Euro Garantien zahlen.

dapd