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Politik und Kosten bremsen das Wüstenstromprojekt

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Berlin (dapd). Fehlende politische Einigung in Europa und Finanzprobleme bremsen die Umsetzung des Wüstenstromprojekts Desertec. Wie der Geschäftsführer der Desertec Industrie Initiative (Dii), Paul van Son, am Mittwoch in Berlin sagte, wird die Unterzeichnung eines Abkommens über ein Pilotprojekt zwischen Marokko, Deutschland und anderen EU-Staaten wegen der fehlenden Zustimmung Spaniens verschoben. Er sei jedoch zuversichtlich, dass Spanien schon bald überzeugt werden könne. Eine Einigung sei in wenigen Wochen emöglich, sagte van Son. Geldgeber seien bereits gefunden, erste Fördermittel stünden bereit.

In Berlin begann am Mittwoch eine dreitägige Konferenz der Desertec-Initiative. Deren Teilnehmer hatten gehofft, dass eine Absichtserklärung über ein Pilotprojekt bereits in dieser Woche unterzeichnet wird. Dabei geht es um den Bau eines Solarthermieprojekts in Marokko und den Transport (Euronext: IXSTP.NX - Nachrichten) des dort erzeugten Stroms nach Europa. Laut Dii würde das Projekt etwa 600 Millionen Euro kosten. Bei Solarthermie wird von Spiegeln gebündeltes Sonnenlicht zur Stromerzeugung genutzt.

Rösler warnt vor Euphorie

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnte vor Beginn der Desertec-Konferenz in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe) "vor zu viel Euphorie". Die Bundesregierung sei zwar grundsätzlich bereit, das Pilotprojekt zu unterstützen. Einige Fragen seien aber noch ungeklärt. Dazu gehöre, die Netzstrukturen von Nordafrika nach Europa aufzubauen.

Offen sei zudem, "wie wir uns zusammen mit anderen interessierten EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission an der Finanzierung des Pilotprojekts beteiligen", sagte Rösler.

Laut einer im Sommer veröffentlichten Studie des Dii-Konsortiums könnten bis 2050 bis zu 20 Prozent des europäischen Strombedarfs aus den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens kommen. Die damit verbundenen Kosten werden auf mehrere Hundert Milliarden Euro beziffert.

Angesichts der hohen Kosten hat auch der an Dii beteiligte Versicherungskonzern Münchener Rück Bedenken angemeldet. "Die Verbraucher sind nicht gewillt, jeden Preis zu bezahlen, nur um in Zukunft erneuerbare Energie zu bekommen", sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek am Mittwoch auf der Desertec-Konferenz. Zwar könne Strom aus den Wüsten Nordafrikas helfen, Klimaschutzziele zu erreichen. Aber die Kosten für die bei Desertec geplanten Solar (Kopenhagen: SOLAR-B.CO - Nachrichten) - und Windtechnologien müssten gesenkt werden.

Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien und die Regulierung in Europa müssten vereinheitlicht werden, verlangte Jeworrek weiter. Bisher konkurrierten örtliche und regionale Subventionssysteme miteinander. Die Münchener Rück gehört zu den 21 Gesellschaftern der Desertec Industrie Initiative.

Relativ weit fortgeschritten sind dagegen Pläne eines vom Energiekonzern RWE geleiteten Konsortiums für eine 100-Megawatt Pilotanlage in Marokko, die Wind- und Sonnenkraft vereint. Die Kosten dafür veranschlagte Hans Bünting, Chef der RWE Tochter Innogy, auf zwischen 130 und 150 Millionen Euro. Dieses Projekt hänge zwar nicht von der Absichtserklärung zwischen Marokko und den EU-Staaten ab, da dort Strom für den marokkanischen Markt erzeugt werden solle. Jedoch verhandele RWE (Other OTC: RWNFF.PK - Nachrichten) derzeit noch mit Partnern und Banken wegen der Finanzierung, sagte Bünting.

dapd

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