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Ikea kündigt Mitarbeiter wegen Bibelzitat

Stefica Budimir-Bekan
Freie Autorin

Es kann vorkommen, dass Kündigungen für Aufregung sorgen. So viel Aufsehen wie diese in Polen erregen aber nur selten welche. In den Hauptrollen: ein bibelfester Mann, Ikea, die katholische Kirche und das polnische Justizministerium.

Die Kündigung eines Ikea-Mitarbeiters sorgt in Polen für Aufregung. (Bild: Getty Images)

Auslöser der viel diskutierten Kündigung war ein polnischer Ikea-Angestellter, der sich im Intranet gegen Homosexualität ausgesprochen und dafür auch zu Bibelzitaten gegriffen hatte.

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Mitarbeiter Thomasz K. hatte sich im Ikea-Intranet dagegen gewehrt, an einer Pro-LGBT-Veranstaltung des Unternehmens teilzunehmen. Laut dem österreichischen “Kurier” wurde als Teil dessen etwa ein Artikel mit der Überschrift “Die Einbeziehung von LGBT+ ist für jeden von uns Pflicht“ an alle Mitarbeiter in Polen verschickt, also die Einbeziehung von Homo-, Bi- und Transsexuellen.

Bibelzitate führten zu Beschwerden

Bei Thomasz K. stieß der Konzern damit auf taube Ohren. Er betonte im Intranet, dass er gegen die Förderung von Homosexualität sei und untermauerte seine Ansicht mit zwei Bibelversen. Einer davon (“Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide haben den Tod verdient”) führte zur Beschwerden von anderen Ikea-Mitarbeitern. Da sich der Mann laut “queer.de” mit den Worten “Als Katholik kann ich nicht Gott zensieren“ weigerte, seine Posts zu löschen, feuerte Ikea ihn.

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Polens Justizminister schaltet sich ein

Damit zog in Polen ein Sturm der Entrüstung auf. Die Bischofskonferenz der katholischen Kirche Polens verfasste eine schriftliche Erklärung und warf Ikea darin “LGBT-Indoktrination am Arbeitsplatz” vor. Sie wertete die Kündigung als Angriff auf die Gewissens- und Religionsfreiheit und bezeichnete sie als rechtlich “inakzeptabel”. Thomasz K. steht sie demonstrativ zur Seite: “Wir gratulieren Herrn Tomasz zu seinem Mut, den Glauben an das Alltagsleben zu bekennen und zu verteidigen.”

Unterstützung erhält der Mann auch vom polnischen Justizminister Zbigniew Ziobro. Dieser kritisierte Ikea scharf und warf dem Konzern vor, gegen das Antidiskriminierungsgesetz in Polen verstoßen zu haben. Thomasz K. hat Ikea wegen des Verstoßes gegen das Antidiskriminierungsgesetz sowie der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt. Der “Kurier” berichtet, dass er außerdem eine Abfindung und Spenden an karitative Einrichtungen verlangt. Der Fall dürfte Polen also noch länger beschäftigen.

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