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"Pogromartige Zustände": Schwere Ausschreitungen gegen Migranten in Zypern

Nach einer Demonstration gegen Flüchtlinge und Migranten ist es in Limassol zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der zyprischen Hafenstadt griffen rund 350 Vermummte Geschäfte von Migranten und die Menschen selbst an. Medienberichten zufolge flogen Brandsätze und Steine, Mülltonnen wurden angezündet, Geschäfte und Imbissbuden zerstört. Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein, 13 Menschen wurden festgenommen.

Ich schäme mich für das, was gestern stattfand.

Bei den Vermummten soll es sich laut Medien offenbar um Rechtsextreme handeln. Die Vermummten hätten demnach Ausländer angegriffen, die wiederum von anderen Zyprern Hilfe erhielten, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Polizei sei nicht fähig gewesen, die Bürger und Journalisten zu schützen", hieß es. Auch ein TV-Team wurde von den Vermummten angegriffen. Zyprische Medien beklagten "pogromartige Zustände".

Präsident Christodoulidis sprach von "beschämenden Bildern". Es wurde eine Krisensitzung einberaumt, an der auch der Innenminister, die Justizministerin, der Zivilschutz, die Polizei und die Feuerwehr beteiligt waren.

CYCBC
Ein verwüstetes Geschäft nach den Ausschreitungen - CYCBC

"Auch diejenigen sollten sich schämen, die dafür verantwortlich sind", sagte Christodoulidi. Damit meinte er sowohl die Organisatoren der Demonstration als auch die Polizei und die zuständigen Minister, denen er vorhielt, dass es nicht sein könne, "dass der Staat seine Bürger und Fremde nicht schützen kann". Bereits am vergangenen Wochenende hatten Rechtsextreme in der Kleinstadt Chloraka Migranten angegriffen.

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Laut zyprischem Innenministerium machen Flüchtlinge und Migranten mittlerweile sechs Prozent der Bevölkerung aus. Die kleine Inselrepublik verzeichnet außerdem gemessen an der Bevölkerungszahl mit Abstand die meisten Asylanträge pro Jahr in der EU. Die Flüchtlingslager sind überfüllt, vielerorts haben sich Ghettos gebildet, wo die Menschen in Armut leben. Diese Zustände dienen Ultrarechten als Anlass für die Ausschreitungen.

Zypern ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention seit 1974 geteilt. Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU. Das EU-Recht und Regelwerk gelten, so lange es keine Lösung für die Teilung gibt, nur im Südteil der Insel. Dort leben rund 900.000 Menschen, im Norden sind es rund 300.000. Zyprische Regierungen haben in den vergangenen Jahren immer wieder beklagt, dass Migranten aus der Türkei legal nach Nordzypern reisen und von dort über die grüne Grenze nach Südzypern und damit in die EU gelangen.