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Die Pionierin der klimafreundlichen Logistik wird ausgezeichnet

·Lesedauer: 5 Min.

Die Unternehmerin wird als Wegbereiterin des Kombi-Verkehrs in die „Logistics Hall of Fame“ aufgenommen. Die Zukunft ihrer Branche sieht sie kritisch.

Friedrich Merz und das Gerangel um den CDU-Vorsitz? Gudrun Winner-Athens kommt ins Grübeln. Ihre Antwort ist mehr eine Ermahnung: „Macht mal die Fenster auf! Und kreist nicht um euch selbst.“ Winner-Athens sieht in der Berliner Dunstglocke einen der Gründe, warum notwendige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie von vielen Menschen nicht akzeptiert werden.

Die Unternehmerin aus Iserlohn hat wenig Verständnis für lebensferne Debatten. Das wahre Leben findet da draußen auf der Straße statt, für Winner-Athens auch auf der Schiene. Deshalb wird die 65-Jährige jetzt ausgezeichnet mit der Aufnahme in die internationale „Logistics Hall of Fame“. Dort trifft sie vor allem auf Männer wie den Schweizer Unternehmer Klaus-Michael Kühne (Kühne & Nagel) oder Malcom McLean, den Erfinder der Container.

Winner wäre eine Spedition wie viele andere in Deutschland, hätte das Management nicht früh auf eine Transportkette gesetzt, die heute in Zeiten der Klimadebatte Furore machen könnte. Der kombinierte Verkehr gilt unter Experten als das Mittel der Stunde, um die Umweltbelastung durch den Güterverkehr zu reduzieren. Dabei werden ganze Lkws oder Lkw-Trailer für lange Strecken auf die Bahn verladen. Der Lkw rollt nur wenige Kilometer vom Versender zum Verladebahnhof und vom Ankunftsbahnhof zum Empfänger auf der Straße. Das spart bis zu 70 Prozent der CO2-Emissionen.

Ihr Vater, erzählt die Unternehmerin nicht ohne Stolz, habe schon in den 1970er-Jahren damit begonnen, Lastwagen auf der Schiene zu transportieren. Seit 2005 fährt die Winner-Spedition eigene Company-Trains. Das sind komplette Züge nur mit Winner-Aufliegern beladen, die nach Fahrplan pendeln. Diese Züge sind wegen der knallroten Ladeplanen mit dem Winner-Schriftzug nicht zu übersehen. Und sie sind natürlich auch ein reisendes Werbeplakat für die Firma aus dem Sauerland.

Vier Mal pro Woche geht es mit Winner-Zügen über den Brenner-Pass und durch den Gotthard-Tunnel Richtung Süden und zurück. Bei 34 Ladeeinheiten pro Zug macht das 544 Lkw-Fahrten weniger auf den ohnehin überlasteten Autobahnen. Winner-Athens ist davon überzeugt, dass es kaum eine bessere Methode gibt, klimaschädliche Emissionen einzusparen.

Prämie für den Kombi-Verkehr mit Lkw und Bahn

Mit der Aufnahme in die Ruhmeshalle steige Gudrun Winner-Athens in den „Olymp“ der Logistikbranche auf, titelte ein Fachmagazin. Das allerdings ist der Firmenchefin dann doch etwas zu dick aufgetragen. Sie hält sich lieber an das Tagesgeschäft. „Alle reden von Verlagerung auf die Schiene“, sagt sie, „aber keiner macht es.“ Industrie und Spediteure hätten keinen Anreiz, die Schiene auch zu nutzen.

Ihr Vorschlag: den Speditionen eine staatliche Prämie anzubieten. Zwischen 25 und 50 Euro pro Sendung, also pro Ladeeinheit, würden schon reichen, meint die Unternehmerin. „Das könnte eine deutliche Belebung des kombinierten Verkehrs bewirken“, ist sie überzeugt.

Die Erfahrungen der Spediteurin sind allerdings ernüchternd. Gern schreiben sich Industriekonzerne Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf die Fahnen. Wenn es dann aber in die Verhandlungen mit den Logistikunternehmen geht, ist das offenbar vergessen. Noch nie habe sie erlebt, dass ein Auftraggeber ausdrücklich darum gebeten hätte, den umweltfreundlicheren kombinierten Verkehr zu nutzen.

Stattdessen geht es nur um den Preis. Tendenz sinkend, versteht sich. Winner-Athens bedauert, dass der Transport von Gütern vor allem bei den Auftraggebern, der Industrie, so wenig wertgeschätzt wird. „Logistik hat ihren Preis“, sagt sie. Aber auch die Branche trage Mitschuld. „Das Neinsagen fällt sehr schwer.“

Gerade mittelständische Betriebe sind daher gut beraten, sich abzuheben. Bei Winner sind es Transporte besonders langer Industriegüter. Und eben der Kombi-Verkehr.
Gudrun Winner-Athens führt gemeinsam mit ihrem Cousin die Spedition – 550 Mitarbeiter, 140 Millionen Euro Umsatz und ein eigener Lkw-Fuhrpark. Was in dieser Branche keineswegs mehr selbstverständlich ist.
Co-Chef Willi Winner ist für die Finanzen verantwortlich, die Chefin kümmert sich um die Aufträge. Eine besondere Herausforderung, denn aufseiten der Auftraggeber sitzen zumeist auch nur Männer. Wie oft habe sie in ihrem Leben gehört, „da kommt die Quotenfrau“, sagt sie. Aber eine Quotenfrau ist Winner-Athens nun wirklich nicht.

Die Jagd verbindet die Familienstämme

Doch die Chefin weiß auch, dass sie als Unternehmertochter „natürlich privilegiert“ ist. Sie sei regelrecht „in das Unternehmen hineingeboren“. Aufgewachsen ist Winner-Athens nach eigenem Bekunden mehr oder weniger im elterlichen Betrieb. Wohnung, Lager und Werkstatt in einem Haus, die Schule gleich gegenüber. Hektische Betriebsamkeit, Dieselgeruch und eben auch ein harter verbindlicher Ton im Firmenalltag.
Das hat sie nicht abgeschreckt, es hat ihr eher gefallen. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Münster und Göttingen war es für sie 1981 keine Frage, in die Familienfirma einzusteigen. Erste Station: die Disposition. Damals noch ohne Internet und mobile Kommunikation. Da ging es laut zu und hoch her. „Da wollte ich hin“, bekennt Winner-Athens.

Großvater Hugo gründete 1946 das Fuhrunternehmen. Zwei Töchter der gerade amtierenden dritten Führungsgeneration sind auch schon an Deck. Mehr Familienbetrieb geht eigentlich nicht. Erst recht, wenn Gudrun Winner-Athens davon berichtet, dass die Jagd ein wichtiges Bindeglied zwischen den Familienstämmen sei.

Wie zum Beweis dafür wird ihr Schreibtisch in dem modern eingerichteten Büro von zwei mächtigen Hirschgeweihen flankiert, zu ihrer Linken ein Zehnender, zur Rechten ein Vierzehnender, allerdings ein ungerader. Der Besucher wird umgehend instruiert, wie bei solchen Besonderheiten die Trophäe korrekt klassifiziert werden muss. Die Frage, ob die Winner-Chefin die Hirsche selbst zur Strecke gebracht habe, erübrigt sich.

Gemeinsame Pirsch und vor allem die geselligen Runden nach einer Jagd spielten in der Familie immer eine große Rolle, berichtet Winner-Athens. Auch das ist ein Weg, zwangsläufig aufkommende Differenzen in Unternehmerfamilien zu managen. Im Gesellschaftervertrag, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin, sei lediglich festgelegt, dass jeder Stamm eine Kandidatin oder einen Kandidaten ins Management entsenden kann.

Bei Winner zählen eben lebenspraktische Regelungen. Das Gezerre um Führungspositionen bleibt den Politikern überlassen.