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Ein Pilot reicht, fordern Airlines angesichts Personalmangels

(Bloomberg) -- Fluggesellschaften und Aufsichtsbehörden drängen darauf, im Cockpit von Passagierflugzeugen nur noch einen Piloten zu haben statt zwei. Das würde zum einen die Kosten senken. Zum anderen haben viele Flugkapitäne den Dienst quittiert, als die Corona-Pandemie die Luftfahrt an den Rand des Stillstands brachte.

Mehr als 40 Länder drängen das Uno-Gremium zur Festlegung der Luftfahrt-Standards, Ein-Piloten-Flüge Realität werden zu lassen - unter anderem Deutschland, Großbritannien und Neuseeland. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) erörtert mit den Flugzeugherstellern bereits, wie Soloflüge ablaufen und die diesbezüglichen Überwachungsregeln aussehen könnten. Laut EASA könnten solche Flüge 2027 aufgenommen werden.

Bei den Piloten indessen kommt der Plan nicht gut an und auch vielen Passagieren ist er schwer zu verkaufen.

Airbus-A330-Kapitän Tony Lucas von der Qantas Airways Ltd., der die Australian & International Pilots Association leitet, hält die Pläne für gefährlich. In einer Notsituation könnte ein einzelner Pilot überfordert sein.

“Die Leute, die diesen Weg einschlagen, sind nicht die Leute, die jeden Tag Jets fliegen”, sagte Lucas. “Wenn etwas schief geht, dann geht es ziemlich schnell schief.”

Beispiel 1. Juni 2009, Air France Flug 447 von Rio de Janeiro nach Paris: Während das Flugzeug in einer Höhe von 10.670 Metern über dem Atlantik flog und der Kapitän sich in der Kabine ausruhte, erhielten die beiden Kopiloten im Cockpit fehlerhafte Geschwindigkeitsmessungen, die wahrscheinlich von eingefrorenen Detektorröhren außerhalb des Flugzeugs stammten.

Als der Kapitän 90 Sekunden später ins Cockpit kam, befand sich das Flugzeug in einem aerodynamischen Strömungsabriss, von dem es sich nicht mehr erholte. Weniger als drei Minuten später schlug es auf dem Wasser auf, wobei alle 228 Menschen an Bord ums Leben kamen.

Bis heute habe sich nichts als sicherer erwiesen als “ein zweiter ausgeruhter, qualifizierter, gut ausgebildeter Pilot, der physisch auf dem Flugdeck anwesend ist”, erklärte die International Federation of Air Line Pilots’ Associations im vergangenen Monat.

Beispiel 15. Januar 2009: Ein Flugzeug der US Airways geriet kurz nach dem Start in einen Gänseschwarm und beide Triebwerke fielen aus. Kapitän Chesley Sullenberger und der Erste Offizier Jeffrey Skiles schafften es gemeinsam, den Airbus A320 auf dem Hudson River zu landen. Es gab keine Toten. Der Vorfall wurde als das “Wunder auf dem Hudson” bekannt.

“Die Passagiere kommerzieller Fluggesellschaften erwarten und verdienen unbedingt zwei Piloten im Cockpit”, sagte Joe Leader, Chef von Apex, einem US-Luftfahrtverband, der sich für die Interessen von Flugpassagieren einsetzt.

Die Umstellung auf den Betrieb mit nur einem Piloten könnte sich auf Bereiche wie die Ausbildung der Besatzung und die medizinischen Anforderungen sowie auf die psychische Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit auswirken, merkte die britische Behörde für zivile Luftfahrt an. Die Auswirkungen des Alleinfliegens, auch wenn es nur für eine gewisse Zeit ist, brauchten eine “detaillierte Bewertung”.

Überschrift des Artikels im Original:Airlines Push for Lone Pilot Flights Despite Safety Concerns

--Mit Hilfe von K. Oanh Ha.

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