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Pillenknick und Blumengrüße: Die Top-Firmenereignisse der Woche

Während die Chemie- und Pharmaproduzenten leiden, zünden Lieferdienste ein Kursfeuerwerk. Außerdem im Fokus: Eine Riesenpleite von vor sieben Jahren.

45.000 Gläubiger des insolventen Unternehmens warten auf Geld aus unbezahlten Rechnungen. Foto: dpa

Die Abkühlung der Weltkonjunktur trifft längst nicht nur die Automobilindustrie. Auch Hersteller von Chemie, Pharmaprodukten und Stahl stehen diese Woche im Fokus der Berichterstattung. Ebenso wie eine Riesenpleite von vor sieben Jahren.


Dienstag, 10 Uhr: Neckermann-Untergang vor Gericht

Vor der Pleite stand die Ikone des deutschen Versandhandels gleich mehrfach. Als Firmengründer Josef Neckermann das nach ihm benannte Handelsimperium Anfang der 70er-Jahre an Karstadt abtrat, glich dies bereits einem Notverkauf. Und auch der Erwerber aus Essen, der sich später in Arcandor umbenannte, verhob sich an einem Sanierungsversuch.

Vor gut sieben Jahren dann, kurz nach dem Weiterverkauf an den Finanzinvestor Sun Capital, rutschte das Katalogunternehmen endgültig in die Pleite. Mehr als 2000 Mitarbeiter, die meisten von ihnen am Unternehmensstandort Frankfurt, verloren ihren Job, 45.000 Gläubiger warten seither auf Geld aus unbezahlten Rechnungen.

Einen Teil davon will sich Insolvenzverwalter Michael Frege nun vor dem Frankfurter Landgericht, das am Dienstag tagt, von den Managern und Aufsichtsräten der einstigen Traditionsfirma zurückholen. Von knapp 20 Millionen Euro ist dabei die Rede. Der Vorwurf in dem Zivilprozess: Das Team um den damaligen Geschäftsführer Henning Koopmann habe zu lange gezögert, einen Insolvenzantrag zu stellen. Neckermann habe deshalb unnötig noch viel Geld verloren.

Allzu viel Hoffnungen sollten sich die ehemalige Lieferanten und Mitarbeiter aber besser nicht machen. Schon in einer vorherigen Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter Lars Iffländer den Vorstoß des Insolvenzverwalters teilweise abgeblockt. Der genaue Zeitpunkt, ab wann die Pleite unabwendbar war, meinte er, sei eben nicht eindeutig zu bestimmen gewesen.

Ein Dilemma, das mit Neckermann wohl auch künftig noch viele Unternehmen teilen werden.


Mittwoch, 10 Uhr: Pillenknick schwächt Chemiebranche

Die Zahlen der vergangenen Monate waren schon trübe genug, nun will sie der Chemieverband VCI am Mittwoch auch noch in Frankfurt der Presse erläutern.

So sank die deutsche Chemieproduktion schon in den ersten sechs Monaten des Jahres um 6,5 Prozent, der Umsatz ging um vier Prozent zurück.

Nur die „Normalisierung des Höhenflugs der Pharmasparte“, wie der VCI in den vergangenen Wochen behauptete? Die drittgrößte Branche der Bundesrepublik könnte durch den Rückgang der Pillenproduktion jedenfalls Kopfschmerzen bekommen.


Mittwoch, 7 Uhr: Delivery Hero garniert Kursgewinn mit Blumen

Aus dem deutschen Markt, wo er sich mit Platz zwei begnügen musste, zog sich der Lieferdienst neulich zurück. Dennoch ist Delivery Hero, ein Ableger der Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet, ein Liebling der Anleger geblieben. Seit dem Börsendebüt Mitte 2017 legte der Aktienkurs um 81 Prozent zu. 

Das macht Appetit auf die endgültigen Halbjahreszahlen, die das MDax-Unternehmen am Mittwoch veröffentlichen will. 

Dabei konzentriert sich das Geschäft seit dem Verkauf des Deutschland-Geschäfts mit den Marken „Lieferheld“ oder „Pizza.de“ an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com („Lieferando“) ausnahmslos auf das Auslandsgeschäft. So stillt Delivery Hero heute den Hunger in mehr als 40 Ländern Europas, des Nahen Ostens, Nordafrikas, Lateinamerikas und Asiens.

Vor wenigen Tagen aber überraschte der Essensbringdienst mit einer Idee, die viele Aktionäre wohl erst noch verdauen müssen. Delivery Hero versucht sich neuerdings auch an der Auslieferung von Blumen und Arzneimitteln.

Mittwoch, 22 Uhr: Dax verscheucht Gründungsmitglied Thyssen

Erst verlor die Aktie des Stahlkochers Thyssen-Krupp seit Anfang 2018 mehr als die Hälfte ihres Wertes, nun rutscht sie aus dem Dax. Was inoffiziell bereits seit dem Wochenende als gesichert gilt, wird am kommenden Mittwoch von der Deutschen Börse offiziell verkündet werden.

Beim Deutschen Aktienindex, der 1988 ins Rennen ging, gehörte Thyssen zu den Gründungsmitgliedern. Nun aber vertreibt eine Regel der ersten Börsenliga den Traditionskonzern gnadenlos. Wer es beim Handelsvolumen oder beim frei gehandelten Börsenkapital unter Deutschlands Aktiengesellschaften nicht mehr unter die ersten 40 schafft, muss den Club verlassen – mit einem Freefloat von rund fünf Milliarden Euro für den Essener Konzern eine kaum noch zu überwindende Hürde.

Nachrücken in den elitären Zirkel der 30 wichtigsten Börsengesellschaften Deutschlands wird der Maschinenbauer MTU, falls der Immobilienriese Deutsche Wohnen nicht noch auf den letzten Metern das Rennen macht.

Thyssen-Krupp ist damit das 17. der 30 Gründungsmitglieder, das dem Dax den Rücken kehrt. 13 der Absteiger wurden seit 1988 übernommen, zwei wurden insolvent und einer – die Commerzbank – überlebt seither in der zweiten Börsenliga, dem MDax.

Donnerstag: Spot-an für die Übernahmeschlacht um Osram!

Kommt es zu einem Übernahmekampf um den Münchener Leuchtenhersteller Osram? Eine Vorabentscheidung dazu könnte am kommenden Donnerstag fallen, wenn die Angebotsfrist der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ausläuft. Sie bieten den Aktionären 35 Euro für ihre Papiere, jedoch nur, wenn mindestens 70 Prozent der Stimmrechte die Offerte akzeptieren.

Das aber könnte durchaus scheitern. Denn im Hintergrund kündigt der österreichische Chiphersteller AMS an, ebenfalls eine Übernahmeofferte zu starten – und den bislang genannten Kaufpreis mit 38,50 Euro zu überbieten.

Gewinner wären dann zwar die Aktionäre, Verlierer aber womöglich die Arbeitnehmer. Der neue Eigentümer AMS würde wohl nach dem Erwerb Synergien nutzen und Arbeitsplätze streichen.

Den höheren Kaufpreis hätten die Österreicher somit wohl rasch wieder eingespielt.