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Pierer Mobility will vom Boom bei E-Fahrrädern profitieren

Richard Weiss
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Die österreichische Pierer Mobility AG will am boomenden Elektrofahrradmarkt mitverdienen - und zwar weltweit.

Das Ziel der Mattighofener Motorradschmiede lautet, bis 2025 eine halbe Milliarde Euro mit Fahrrädern seiner mittlerweile drei Marken - Husqvarna, R. Raymon und Gasgas - zu erwirtschaften. In Europa nutzt das Unternehmen dafür vornehmlich den Fahrradeinzelhandel und will dieses Jahr nach Spanien, Frankreich, Norditalien und Schweden expandieren, so Vorstandschef Stefan Pierer im Interview.

“Im deutschsprachigen Raum wurden letztes Jahr 3,5 Millionen Elektrofahrräder abgesetzt, und das während Corona - das ist unglaublich,” angesichts von Produktionsunterbrechungen und über Wochen geschlossenem Fachhandel, so Pierer.

Die Pandemie sorgt für mächtig Rückenwind bei Fahrradherstellern, ist doch Radfahren im Lockdown eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, sich im Freien zu bewegen. Auch Pendler steigen zunehmend auf Zweiräder um, um der Ansteckungsgefahr in Bus und Bahn und den Staus im Autoverkehr zu entgehen.

Ab nächstem Jahr sollen die Fahrräder seines Hauses auch in Nordamerika und Australien erhältlich sein, sagte Pierer, der sich einen Wettbewerbsvorteil ausrechnet, da es in Ländern wie den USA keinen vergleichbaren Fachhandel gibt.

Für Motorradhändler könnte der Fahrradverkauf profitabel sein, rechnet Pierer vor: die aktuellen Erfahrungen zeigten, dass pro Jahr ohne großen Vertriebsaufwand leicht 20 bis 50 Räder abgesetzt werden könnten. Wer einen eigenen Verkaufsraum und Personal anschaffe, käme schnell auf 200 bis 300 Einheiten pro Jahr, so Pierer. Für den Händler lohnt sich das, weil der Fahrradvertrieb historisch prozentual höhere Gewinnspannen hat als der Motorradverkauf. Das Unternehmen hingegen vereinfacht sich damit den Aufbau eines weltweiten Vertriebsnetzes.

Elektrische Fahrräder und kleinere Motorräder im Niedrigvoltbereich konvergieren zu den Pendlerfahrzeugen der Zukunft, glaubt Pierer. In den nächsten Jahren dürfte ein Großteil der Hubraumklassen von 50 und 125 Kubikzentimetern elektrisch werden, auch aufgrund staatlicher Fördermaßnahmen, so Pierer. Von Husqvarna kommt Ende dieses Jahr der erste Elektro-Roller.

Konkrete Umsatzziele nennt der CEO für Elektromotorräder noch nicht. Bei einem kombinierten Marktpotenzial in Europa von bis zu 10 Milliarden Euro bis 2025 für solch kleine Motorräder und E-Bikes im Premiumbereich wird schnell klar, dass es sich für Pierer, der in seinen Märkten einen Anteil von rund 10% anstrebt, in Summe um ein Milliardengeschäft handelt.

“Für uns macht es keinen Sinn, gegen Niu anzutreten oder gegen Produkte aus dem Baumarkt,” so Pierer zur Konkurrenz aus China und Taiwan. “Wir haben Fahrzeuge zwischen 4000 und 5000 Euro im Blick und der Markt dafür ist vor allem in den Städten.”

Auch bei den Straßenmotorrädern des Unternehmens mit konventionellem Antrieb wächst die Produktpalette: Nachdem es sich aufgrund der geringen Stückzahlen nicht gelohnt hätte, die Husqvarna Vitpilen und Svartpilen 701 kompatibel mit der Euro-5 Abgasnorm zu machen, kommt dafür Ende des Jahres die Norden 901 sowie ein Jahr später eine Svartpilen mit einem Zweizylindermotor derselben Größe, so Pierer.

“Noch größere Modelle werden wir unter der Marke Husqvarna nicht anbieten, aber bis dahin machen wir die ganze Palette,” so Pierer.

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